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Classic-Motorsport

11.07.2019

Mit 66 Jahren längst nicht auf der Bremse

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2 Bilder
Der Besitzer und sein ganzer Stolz: Werner Müller mit seiner BMW Boxer.
Bild: Roland Geier

Der Klingsmooser Werner Müller nimmt seit diesem Jahr mit seiner BMW Boxer an einer Rennserie für nostalgische Motorräder teil. Wie es zur „großen Liebe“ zu den „Feuerstühlen“ kam

Wenn Werner Müller über sein Lieblingshobby philosophiert, ist er voll und ganz in seinem Element. „Der Motorradsport war schon immer meine große Liebe und ist es bis heute geblieben“, sagt Müller. Auch im „zarten Alter“ von mittlerweile 66 Jahren (wie es sich für einen echten Motorsportler gehört, spricht Müller von seinem eigenen „Baujahr“ 1953) kann der Klingsmooser vom „Adrenalinkick auf zwei Rädern“ immer noch nicht genug bekommen.

Infiziert mit dem „Motorrad-Virus“ wurde Müller – ebenso wie seine insgesamt sieben Geschwister – bereits als kleiner Knirps. „Unser Vater hatte einst in Obermaxfeld eine mechanische Werkstatt. Da hat es sich quasi von selbst ergeben, dass wir mit den Maschinen früher oder später in Verbindung kommen“, berichtet Müller. Als Zwölfjähriger saß er bereits zum ersten Mal auf einem Moped, ehe er zwei Jahre später von seinem Bruder das erste „echte“ Motorrad bekam: eine NSU Max 250 ccm. „Darauf war ich natürlich mächtig stolz“, so der Mösler, der schließlich als 18-Jähriger auf eine 250er Yamaha um- beziehungsweise aufstieg.

Doch nicht nur im Privatleben, auch beruflich spielten die „Pferdestärken“ bei Müller künftig eine große Rolle. Nachdem er eine Ausbildung zum Mechaniker (allgemein) absolviert hatte, machte er sich im Jahr 1978 mit einem Zweirad-Betrieb in Schrobenhausen selbstständig beziehungsweise durfte sich rund 24 Monate später „Zweirad-Meister“ nennen.

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Mittlerweile ist Müller im Ruhestand – zumindest, was das Berufliche betrifft! In Sachen Motorradsport greift der „rüstige Rentner“ seit diesem Jahr (wieder) so richtig an. „Als ich vor vier Jahren zufällig in Schleiz war, fand auf der dortigen Rennstrecke die ’Classic-Motorsport-Serie’ Halt. Das hat mir auf Anhieb sehr gut gefallen“, erinnert sich Müller. In dieser Rennserie, die mittlerweile seit über zehn Jahren existiert, gehen Fahrer mit ehemaligen Renn-Motorrädern aus den Jahren 1960 bis 2000 an den Start, die in verschiedene Gruppen (unterteilt in Hubraum, Konstruktion/Baujahr und Zylinderzahl) und Klassen eingeteilt sind und entsprechend gewertet werden. „Gerade für Nostalgiker ist das eine großartige Sache“, weiß Müller, der in der Vergangenheit schon selbst diverse Rennen – unter anderem im sogenannten „German Harley Cup“ (1995/1996) – gefahren ist.

Im Oktober 2018 war es dann tatsächlich soweit: Müller begann, sich seine BMW Boxer (Baujahr 1978/1070 ccm) selbst zusammenzubauen. „Ich habe mir sämtliche Einzelteile dieser Maschine besorgt und mich an die Arbeit gemacht.“ In jeder freien Minute wurde in der eigenen Werkstatt am Motorrad gewerkelt, getüftelt und geschraubt. „Für mich ist das wie eine kleine Spielwiese, auf der ich mich kreativ verwirklichen kann“, erklärt Müller. Rund sechs Monate später war das Gesamtwerk dann vollbracht. Zur „Feuertaufe“ seines „nostalgischen Feuerstuhls“ ging es dann ausgerechnet an den traditionellen Ort, an dem Müller einst vor vier Jahren erstmals mit dieser Classic-Rennserie in Kontakt gekommen war: Dem Schleizer Dreieck in Thüringen!

„Im Grunde war mein Motorrad gerade fertig geworden, als ich zum ersten Rennen nach Schleiz gefahren bin“, berichtet der Klingsmooser. Dementsprechend hatte er sowohl im Training als auch in beiden Läufen noch gehörig mit etwaigen „Kinderkrankheiten“ zu kämpfen. „Trotz der Tatsache, dass ich im zweiten Lauf ohne Kupplung fahren musste, bin ich in meiner Klasse dennoch auf dem zweiten Platz gelandet.“ Zurück aus Thüringen ging es postwendend wieder in die heimische Werkstatt, um die aufgetretenen Probleme zu beheben – mit Erfolg! Auch in den darauffolgenden Rennen auf dem berühmten Hockenheimring, dem Flugplatz in Walldürn und dem Motorsport-Mekka im niederländischen Assen mischte Müller auf der jeweiligen Distanz von 13 Minuten plus zwei Runden stets vorne mit und belegt vor den drei verbleibenden Strecken in Oschersleben, Most (Tschechien) und Luxembourg einen ausgezeichneten zweiten Rang in seiner Klassenwertung.

Trotz der Tatsache, dass selbst bei derartigen Nostalgie-Veranstaltungen – je nach Kurs – Spitzengeschwindigkeiten zwischen 200 und 230 km/h gefahren werden, sei laut Müller das Risiko „sehr gut einschätzbar. Das liegt in erster Linie daran, dass ich meine eigene Maschine in- und auswendig kenne und daher weiß, wo ihre Grenze liegt“. Ganz im Gegensatz zu den „früheren wilden Jahren“, als er mit seiner Harley in schöner Regelmäßigkeit immer wieder unfreiwillig abstieg. „Einer der Streckensprecher meinte mal, dass er mich bei ’Wetten, dass’ anmelden würde, da ich jede Rennstrecke am Geschmack erkennen würde“, lacht Müller.

Wie lange er seinem Lieblingshobby in der Classic-Rennserie noch nachgehen wolle, könne er zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch nicht sagen. „Der Erstplatzierte in meiner Klasse ist bereits 70 Jahre. Von dem her hätte ich also noch ein bisschen Zeit“, sagt Müller mit einem Augenzwinkern. Von der „Motorrad-Rente“ ist er demnach noch weit entfernt.

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