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Fußball

25.03.2020

Nach Verletzung: Corona verhindert Fußball-Comeback

Der Fußball setzt aus: Claudio Maritato vom SV Karlshuld muss wie viele seiner kickenden Kollegen warten, bis er wieder gegen den Ball treten darf.

Plus Der Deutsch-Italiener Claudio Maritato wollte beim SV Karlshuld nach elfmonatiger Verletzungspause zurückkehren. Wie er die Lage in Italien sieht.

Claudio Maritato verkörpert ohne Zweifel das, was man im Allgemeinen gerne als „leidenschaftlichen Fußballer“ bezeichnet. Dabei hat der Kicker des Donau/Isar-Kreisligisten SV Karlshuld durchaus eine schwere Zeit hinter, aber auch noch vor sich. Elf Monate lang musste Maritato seinen Teamkollegen von der Seitenlinie aus zuschauen, mitfiebern, sie anfeuern. Ein Kreuzbandriss, zugezogen vor knapp einem Jahr, hinderte den 27-Jährigen daran, das zu tun, was er in seiner Freizeit am liebsten macht: Fußball spielen! Anstatt mit seinen Mitspielern gemeinsam auf dem Platz zu stehen, sich im Training zu duellieren oder in den Punktspielen Zweikämpfe zu führen, ersetzen unzählige Arzt- oder Physiotherapeuten-Besuche das Spiel mit dem Ball.

Schweißtreibende Arbeit in der Reha

Die disziplinierte und schweißtreibende Arbeit in der Reha zahlte sich allerdings aus. Pünktlich zur Vorbereitung auf die zweite Saisonhälfte stieg Maritato nach monatelanger Abstinenz wieder ins Mannschaftstraining des SVK ein. Mit seiner spielerischen Klasse und Erfahrung sollte der Mittelfeld-Stratege und Führungsspieler entscheidend dazu beitragen, dass die Mösler den Klassenerhalt in den verbleibenden zwölf Partien unter Dach und Fach bringen.

„Die Freude, endlich wieder mit den Jungs auf dem Platz zu stehen und mitspielen zu können, war natürlich riesengroß“, berichtet Maritato, dessen Comeback jedoch nur von kurzer Dauer war. Der Grund ist freilich hinlänglich bekannt: Die Corona-Krise legte innerhalb von wenigen Tagen den kompletten Spielbetrieb in Bayern beziehungsweise ganz Deutschland lahm! „Das Ganze hatte ich mir sicherlich etwas anders vorgestellt“, so Maritato, der jedoch die Entscheidung des Bayerischen Fußball-Verbandes, sämtliche Partien zumindest vorübergehend auszusetzen, „voll und ganz“ nachvollziehen kann. „Ich denke, es hätte aufgrund des Risikos, dass sich immer mehr Menschen mit diesem Virus infizieren, gar keine andere Option gegeben. Von dem her haben die Verantwortlichen absolut richtig entschieden.“

Nach Verletzung: Corona verhindert Fußball-Comeback

Maritato hat Verwandtschaft in Italien

Es sind klare, deutliche Sätze, die Maritato deutlich hörbar mit voller Überzeugung ausspricht. Und die unterstreichen, dass sich der SVK-Fußballer dem Ernst der momentanen Lage – sicherlich auch aufgrund seiner familiären Geschichte – uneingeschränkt bewusst ist. Maritatos Mutter ist Deutsche, sein Vater Italiener. Und gerade im Heimatland seines Papas ist die Situation in Sachen Coronavirus derzeit dramatisch. „Wenn man sieht, dass es in Italien bereits über 3000 Tote, davon 800 an einem Tag, gegeben hat, dann ist das einfach eine einzige Katastrophe.“

Etwas Erleichterung schwingt in Maritatos Stimme mit, als er erzählt, dass seine dortige Verwandtschaft vor allem in Kalabrien lebe und wohlauf sei. „Dort ist es glücklicherweise nicht so schlimm wie beispielsweise in Bergamo. Da man innerhalb des Landes die aus den nördlichen Krisenherden fliehenden Menschen nicht nach Süden gelassen hat, konnte man zumindest dort den Virus etwas eindämmen.“ Andere Verwandte, die in der Nähe der deutlich mehr gefährdeten Lombardei ihr Zuhause haben, gehe es nach Informationen seines Vaters („Er hält Kontakt über Social Media“) gesundheitlich ebenfalls bestens.


Claudio Maritato in Aktion.
Bild: Roland Geier

Ob er aufgrund der schlimmen Bilder und Nachrichten aus Italien nicht Angst habe, dass auch in Deutschland in nächster Zeit ähnliche Horror-Szenarien drohen? „Ich denke und hoffe es natürlich nicht“, sagt Maritato. „Zum einen hatten die Italiener das große Pech, dass es sie mit dem Virus quasi als Erstes in Europa richtig erwischt hat. Zum anderen sind dort – und das weiß ich aus eigenen Erfahrungen – die klinischen Standards leider bei weitem nicht so wie beispielsweise in Deutschland“, so der gebürtige Köschinger weiter. Zudem habe nach Ansicht Maritatos eine ganz bestimmte „Tradition“ zur rasanten Ausbreitung in Italien beigetragen. „Es ist ja fast schon Brauch, dass man sich landesweit mit Küsschen links, Küsschen rechts begrüßt. In diesem speziellen Fall war und ist das Ganze natürlich extrem kontraproduktiv.“

Zweifel an Wiederaufnahme der Saison

Wann Maritato nun auf dem Fußballfeld sein ersehntes Comeback geben wird, steht momentan freilich noch in den Sternen. „Aktuell steht die Gesundheit der Bevölkerung an erster Stelle. Ob und wann wir in dieser Saison nochmals auf den Platz zurückkehren können, ist nur schwer vorhersehbar“, meint Maritato.

Damit tatsächlich eine reelle Chance besteht, müsse zuerst einmal die Eindämmung der Coronavirus-Fallzahlen gelingen – was wiederum voraussetzt, dass sich die Bevölkerung uneingeschränkt an die Vorgaben und Regeln der Regierung hält. Überaus sauer stößt dem Deutsch-Italiener, der beruflich aktuell im „Homeoffice“ arbeitet, dabei auf, dass es trotz der ernsten Situation immer noch einige „Unverbesserliche“ gibt, die trotz strikten Verbots auf Fußball-Anlagen kicken oder „Corona-Partys“ feiern. „Dafür habe ich absolut kein Verständnis. Wenn diese Leute schon nicht an ihr eigenes Leben denken, dann zumindest an das der anderen Menschen, die sie möglicherweise infizieren. Das ist extrem unsolidarisch und gefährlich.“ Ein Statement, dem in diesen Tagen nichts mehr hinzuzufügen ist.

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