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Landesliga

16.11.2019

Neuburg jubelt, Ehekirchen wütet

Schiedsrichter Tobias Späth hatte viel zu tun: Drei Ehekirchener schickte er vom Platz, sprach zwei Elfmeter aus und erkannte dem VfR zwei Tore wegen Abseits ab.
Foto: Daniel Worsch

Im Derby setzt sich der VfR Neuburg mit 2:0 durch. Vor fast 700 Zuschauern spielt der FC Ehekirchen nur mit acht Spielern zu Ende.

Zwei Gegentore, zwei Elfmeter und drei Platzverweise: Es waren einige Pillen, die der FC Ehekirchen am Samstag im Landesliga-Derby beim VfR Neuburg zu schlucken hatte. Dennoch: „Ich bin nicht enttäuscht“, sagte FCE-Trainer Gerhard Hildmann nach der 0:2-Niederlage. „Meine Mannschaft hat hervorragend gespielt.“ In der Tat hielten die Gäste das Spiel lange offen, erst nach 80 Minuten ging Neuburg per Elfmeter in Führung. Die Entscheidung vor 690 Zuschauern im Stadion am Brandl fiel mit dem Schlusspfiff, als der eingewechselte Eugen Belousow einen Linksschuss aus 25 Metern ins Kreuzeck schweißte.

Beide Teams kamen mit starker Form zum Derby, Liga-Neuling Ehekirchen im sicheren Mittelfeld, Gastgeber Neuburg gar auf Rang zwei. Die Gäste starteten zurückhaltend in die Partie, überließen dem VfR meist den Ball. Dem fiel damit lange wenig ein. Als Marco Friedl nach vier Minuten nach schönem Zuspiel von Rainer Meisinger den Ball knapp am Tor vorbei setzte, war dies fast die einzige Torchance der ersten Halbzeit. Erst nach 39 Minuten wurde es wieder gefährlich: Maximilian Eberwein brachte einen Abpraller per Kopf im Tor unter – doch der Linienrichter zeigte Abseits an, der Treffer zählte nicht.

Der Start der zweiten Halbzeit versprach mehr Unterhaltung. Grund waren zwei Schachzüge der beiden Trainer, die sofort Wirkung zeigten. VfR-Trainer Christian Krzyzanowski tauschte die beiden Flügelstürmer Abdel Abou-Khalil und Friedl, denn schon in der Vorwoche war ihm aufgefallen: „Meisinger, Abou und Ralf Schröder haben auf der rechten Seite richtig Betrieb gemacht.“ Und so auch am Samstag: Zweimal bekam Abou-Khalil etwas Platz am Flügel und zog nach innen – ganz so, wie Arjen Robben es jahrelang zelebriert hatte (47., 51.). Flog sein erster Schuss noch rechts am Tor vorbei, hielt FCE-Torwart Simon Lenk den abgefälschten zweiten stark im Nachfassen. Auch seine Mannschaft kam stark aus der Kabine, traute sich mehr zu und stand höher. „Wir wollten nach der Pause unser Spiel nach vorne verbessern“, erklärte Trainer Hildmann die Taktik. Sie ging auf: Ein ebenfalls abgefälschter Schuss von Florian Wenger (49.) und ein Freistoß von Nicolas Ledl (53.) brachten Gefahr für das VfR-Tor, aber kein Tor. Nach 58 Minuten zählte nach Abseits erneut ein VfR-Treffer von Fabian Scharbatke nicht.

Drei Platzverweise bei VfR Neuburg - FC Ehekirchen

Mit der Schlussphase wurde das Spiel turbulent. Einen Schussversuch von Meisinger nach 65 Minuten blockte der vorbelastete FCE-Sechser Ledl im Strafraum mit dem Arm, es gab Elfmeter und Gelb-Rot – unter wütenden Protesten des FCE, Ledl trat beim Verlassen des Spielfeldes die Eckfahne in zwei Teile. Die Szene war knifflig: Zwar hatte Ledl den Unterarm abgewinkelt, der Schuss kam jedoch aus kurzer Distanz, Ledl war zudem im Springen. „Die Entscheidung geht gar nicht“, kommentierte Hildmann, sein Gegenüber Krzyzanowski sah das freilich anders. Und ohnehin: Lenk parierte Elfmeter und Nachschuss von Michael Denz. Die folgende Unterzahl war zunächst kaum zu bemerken, ohne Torchancen waren beide Mannschaften absolut ebenbürtig.

Dann nahm Abdel Abou-Khalil wieder Fahrt auf: Immer wieder konnte er Bewacher Sebastian Rutkowski entwischen. Beim Versuch, einen Steilpass zu erlaufen, brachte der ihn dann zu Fall – wieder im Strafraum, wieder gab es Elfmeter. Der Gefoulte selbst verwandelte sicher (79.). Nur drei Minuten später ließ er die FCE-Abwehr wieder alt aussehen, sein schwacher Schuss ging vorbei. In der Zwischenzeit hatte der eingewechselte Julian Hollinger die Chance zum Ausgleich, doch schoss von halblinks knapp über das Tor.

Nach 86 Minuten dezimierten die Gäste sich erneut selbst. Der wegen Meckerns bereits verwarnte Julian Mayr reklamierte wieder bei Schiedsrichter Tobias Späth und musste folgerichtig den Platz verlassen. Allerdings: Was Mayr erzürnt hatte, war eine Unsportlichkeit des ebenfalls vorbelasteten Sebastian Habermeyer. Der führte kurzerhand einen FCE-Freistoß selbst aus, um das Spiel zu verzögern – dafür hätte er seine zweite Gelbe Karte sehen müssen, kam jedoch ungestraft davon. Anders Simon Schröttle: Der FCE-Verteidiger musste nach 89 Minuten nach einem Foul mit Gelb-Rot den Platz verlassen. Späths Entscheidung war dabei sehr hart, hier hätte er auch weiterspielen lassen können. Seine erste Karte hatte auch Schröttle indes wegen einer Unsportlichkeit erhalten. In der ersten Halbzeit hatte er den am Boden liegenden Rainer Meisinger angeschrien.

Damit schien das Spiel entschieden. Ehekirchen steckte aber auch zu acht nicht auf und versuchte es weiter. Erst Belousows Sonntagsschuss zum 2:0 beendete den Samstagmittag für den FCE.

VfR Neuburg Jozinovic – R. Schröder, Eberwein, Denz, Heckel (69. Klink) – Habermeyer, Meisinger, D. Schröder – Abou-Khalil, Scharbatke (69. N. Schröttle), Friedl (88. Belousow).

FC Ehekirchen Lenk – Schaller (87. Jahner), Labus, S. Schröttle, S. Rutkowski – Wenger, Ledl, Mayr, M. Rutkowski (90.+3 Appel) – C. Hollinger (72. J. Hollinger), Hasenbichler.

VfR Neuburg - FC Ehekirchen: Die Stimmen

  • Markus Bissinger (Abteilungsleiter FC Ehekirchen): „Unsere Jungs haben gekämpft wie die Löwen. Es war ein gutes Spiel, bis es der Schiedsrichter beeinflusst hat. Beim ersten Elfmeter wird Nicolas Ledl aus zwei Metern angeschossen. Das darf man nicht pfeifen. Dann muss Sebastian Habermeyer wegen Ballwegschlagens Gelb-Rot bekommen, stattdessen sieht Julian Mayr wegen Meckerns die Ampelkarte. Es ist Wahnsinn, dass wir in den zwei Derbys in dieser Saison fünf Platzverweise kassiert haben. Ich bin wirklich sehr verärgert.“
  • Simon Schröttle (spielender Co-Trainer FC Ehekirchen): „Das war die schlechteste Schiedsrichterleistung, seit ich Fußball spiele. Ich bekomme Gelb-Rot, ohne im ganzen Spiel ein Foul begangen zu haben Wir brauchen uns nichts vorwerfen. Aber gegen 14 Leute kann man nicht gewinnen.“
  • Ralf Schröder (Spieler VfR Neuburg): „Wir haben das Spiel verdient gewonnen, weil wir die spielbestimmende Mannschaft waren. Es war zu erwarten, dass Ehekirchen sich hinten reinstellt und uns das Leben schwer macht. Wer aufsteigen will, braucht auch Siege, die durch einen Elfmeter zustandekommen. Den ersten Strafstoß für uns muss man nicht geben. Der Schiedsrichter hat insgesamt eine unglückliche Figur abgegeben.“
  • Fabian Scharbatke (Spieler VfR Neuburg): „Es war ein sehr emotionales Spiel, das durch Kleinigkeiten entschieden wurde. Der erste Elfmeter war zweifelhaft, der zweite eindeutig. Ehekirchen sollte die Niederlage nicht einzig auf den Schiedsrichter schieben. Wir hatten knapp 70 Prozent Ballbesitz und haben verdient gewonnen. Für mich persönlich war das Spiel gegen meinen Ex-Verein emotional schwierig, da es gegen Freunde ging. Dennoch hauen sie einem in den 90 Minuten auf die Socken.“ (sb)
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