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Schwimmen

19.05.2020

Neuburger Schwimmer hadern: „Wir sitzen auf dem Trockenen“

Das Wasser ist eingelassen, darin aufhalten darf sich noch niemand: Auch das Neuburger Freibad ist geschlossen, weshalb die Schwimmer und Synchronschwimmer des TSV Neuburg derzeit nicht trainieren können.
Bild: Dirk Sing

Die Schwimmer und Synchronschwimmer des TSV Neuburg können nicht im Wasser trainieren. Wie sich die Sportler fit halten, erklären die Abteilungsleiter Christian Rebele und Barbara Rauscher.

Langsam aber sicher geht es in der Corona-Krise auch für die Sportler zurück in den (neuen) Alltag. Zumindest für einen Teil davon. Während beispielsweise die Golf- und Tennis-Spieler, Fußballer, Leichtathleten oder Kanuten unter bestimmten Hygiene-Vorschriften wieder ins Geschehen eingreifen dürfen, gibt es jedoch auch andere Sportarten, in denen sich die Athleten weiterhin in Geduld üben müssen – und das möglicherweise noch eine ganze Zeit.

„Die Situation ist schon ziemlich frustrierend. Zumal man auch gar nicht weiß, wie und wann es bei uns endlich wieder losgeht“, sagt Christian Rebele. Der Abteilungsleiter der Schwimm-Sparte des TSV Neuburg ist mit seinen rund 200 „Wasserratten“ seit Mitte März quasi zum Nichtstun beziehungsweise Hoffen und Bangen verurteilt. „Nachdem wir unsere Trainingseinheiten sowohl im Neuburger Hallen- als auch Freibad abhalten und beide Anlagen nach wie vor gesperrt sind, sitzen wir momentan im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Trockenen“, so Rebele.

Christian Rebele führt die Schwimmabteilung an.
Bild: Manfred Dittenhofer


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Mehr als das bei den Schwimmern ohnehin nicht unbedingt beliebte Trocken-Training in Form von Kraft- und Stabilisations-Übungen, Laufen oder Fahrradfahren sei daher nicht möglich. Auch ein mögliches Ausweichen auf einen der zahlreichen Weiher in Neuburg und Umgebung sieht der TSV-Spartenchef eher kritisch. „Gerade mit Kindern ist es schlichtweg unmöglich, dort zu trainieren“, meint Rebele und schiebt den Grund gleich hinterher: „Im Hallen- oder Freibad kann man sehr schnell reagieren, wenn ein Schwimmer zum Beispiel einen Krampf bekommt oder ihm plötzlich die Kräfte ausgehen. Das ist in einem offenen Gewässer deutlich schwieriger und dementsprechend auch gefährlicher.“

Regelungen sind kaum umsetzbar

Doch selbst für den Fall, dass die Bäder in absehbarer Zeit ihre Eingangstüren wieder öffnen würden, wären die Probleme für die Vereins-Schwimmer noch längst nicht gelöst. Ganz im Gegenteil. „Man muss ehrlich sagen, dass die Regelungen, die das Hygiene-Konzept vorschreibt, kaum umzusetzen sind“, berichtet Rebele. Analog zu anderen Sportarten dürfte nur in vorher festgelegten Kleingruppen (maximal vier Sportler plus Trainer) trainiert werden. Auch die Anzahl der sich gleichzeitig im Wasser befindlichen Schwimmer ist in einem 50-Meter-Becken vom Olympischen Sportbund derzeit auf acht Personen limitiert. „Wenn man das Ganze auf das Freibad umlegt: Dort haben wir zu unseren Trainingszeiten in der Regel zwei Bahnen. Aufgrund des Mindestabstands müssten wir daraus allerdings eine einzige Bahn machen“, sagt Rebele – was zur Folge hätte, dass jeweils nur ein Bruchteil der aktiven Schwimmer überhaupt trainieren könnte. „Während einer normalen Trainingswoche springen rund 150 Kinder und Aktive ins Becken. Unter den beschriebenen Voraussetzungen und Regelungen wäre das schlichtweg nicht umsetzbar“, ist der Neuburger Spartenleiter überzeugt.

Schwimmer sagen Trainingslager ab

Auch wenn das traditionelle jährliche Trainingslager in Misano, das diesmal an Ostern hätte stattfinden sollen, ebenso abgesagt werden musste wie die Masters-Europameisterschaft in Budapest (Pfingsten), an der die Ottheinrichstädter mit rund 15 Aktiven teilgenommen hätte – für Christian Rebele bleibt nach wie vor „ein Funken Hoffnung“, dass sich die Corona-Krise weiter entschärft und sich dementsprechend auch für seine Schwimmer die Lage verbessert. „Aus diesem Grund haben wir beispielsweise auch unser Adventsschwimmen im Neuburger Parkbad noch nicht abgesagt. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt“, so Rebele.

Der Corona-Krise zum Opfer gefallen ist hingegen die bayerische Altersklassenmeisterschaft im Synchronschwimmen, die Mitte März in Neuburg hätte ausgetragen werden sollen. „Ich habe dann unsere Mädels zu einem gemeinsamen Abendessen eingeladen, um die Enttäuschung über die Absage gemeinsam zu verarbeiten. Es war das letzte Mal, dass sich eine große Gruppe überhaupt treffen konnte“, erinnert sich Barbara Rauscher, die die Abteilung Synchronschwimmen des TSV Neuburg leitet. An Normalität ist seitdem auch bei den Donaunixen nicht zu denken. Um „Beweglichkeit und Kraft“ zu erhalten, haben die Trainerinnen regelmäßig Online-Einheiten mit Gymnastik und Stehproben mit den Mädchen veranstaltet.

Training an Land ist mit Auflagen möglich

Zumindest das Training an Land in Kleingruppen ist inzwischen wieder erlaubt und wird beim TSV Neuburg bald gestartet. Freilufttraining war auch in Zeiten vor Corona ein wichtiger Bestandteil im Programm der Synchronschwimmerinnen. „Die Küren werden immer an Land einstudiert und müssen zunächst dort sitzen, erst dann geht es ins Wasser“, sagt Barbara Rauscher, „sonst geht es nicht.“

Allerdings müssen auch bei den Einheiten am TSV-Sportplatz Leitlinien eingehalten werden, die die Arbeit erschweren. Achtergruppen etwa können ihre Auftritte nicht gemeinsam einstudieren. „Entweder trainiert man in zwei Vierergruppen hintereinander“, so Barbara Rauscher, „oder gleichzeitig, dann aber mit einem Abstand von 30 Metern zwischen den Gruppen an verschiedenen Ecken des Sportplatzes.“ Allerdings: Beim Techniktraining ist ein Mindestabstand von drei Metern einzuhalten, gemeinsame Akrobatikteile sind verboten.


Barbara Rauscher ist Abteilungsleiterin der Donaunixen.
Bild: Daniel Worsch

Daran wird sich auch nichts ändern, wenn die Freibäder wieder geöffnet und das Wassertraining gestattet sind. „Die Mädels können dann Bahnen schwimmen und ihre Kondition trainieren. Die weiteren Leitlinien sind sehr strikt und kompliziert umzusetzen“, sagt Barbara Rauscher. „Wann einzelne Gruppen wieder in Formationen mit Musik üben können, ist leider nicht absehbar.“

Ein weiteres Problem, wie sie sagt, komme noch hinzu: „Es gibt nicht wirklich ein Ziel, weil keiner weiß, wann wieder Wettkämpfe stattfinden können.“ Der nächste, der für die Donaunixen anstehen könnte, ist die deutsche Altersklassenmeisterschaft. Die wäre im November in Karlsruhe und ist nicht gesichert. Daher werden bereits jetzt Teams neu zusammengestellt, da viele Mädchen im Jahr 2021 in eine neue Altersgruppe kommen.

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