Landesliga Südwest

19.07.2019

Neue Auflage im Bruder-Duell

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Unvergessliches Erlebnis: Niko (links) und Simon Schröttle (rechts) beim WM-Finale 2014 zwischen Frankreich und Kroatien in Moskau.
Bild: privat

Ehekirchens Co-Trainer Simon Schröttle trifft am Samstagabend auf seinen Bruder Niko, der seit dieser Saison für den VfR Neuburg stürmt. Auf wen die Bezeichnung „Schlampiges Genie“ zutrifft und wie es im Familien-Aufeinandertreffen derzeit steht

Spätestens zu dem Zeitpunkt, als der Landesliga-Aufstieg des FC Ehekirchen feststand beziehungsweise der VfR Neuburg die Gewissheit hatte, auch in der Saison 2019/2020 in der Landesliga Südwest auf Punktejagd zu gehen, war das Landkreis-Derby in aller Munde. Bereits am dritten Spieltag, genauer gesagt am Samstag (18 Uhr), kommt es nun in der Elektro-Schmaus-Arena zu diesem mit viel Spannung erwarteten Aufeinandertreffen.

Neben der Tatsache, dass zahlreiche Akteure beider Teams in der Vergangenheit bereits das Trikot des jeweiligen Kontrahenten trugen, kommt es heute Abend auch noch zu einem „familieninternen Duell“: Während Simon Schröttle als Abwehrchef beim heimischen FC Ehekirchen fungiert, stürmt sein Bruder Niko seit dieser Spielzeit für den VfR Neuburg (zuvor TSV Rain). Die Neuburger Rundschau hat sich im Vorfeld mit den Schröttle-Brüdern unterhalten.

Sagen Sie mal, Simon, haben Sie sich Ihren Bruder eigentlich schon mal ordentlich zur Brust genommen, weil er sich in der Sommerpause für einen Wechsel zum VfR und nicht zum FCE entschieden hat?

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Simon Schröttle: (lacht) Zusammengepfiffen habe ich Niko eigentlich nicht. Natürlich hätte es mich sehr gefreut, wenn er nach Ehekirchen gekommen wäre. Aber ich kann seine Entscheidung, zum VfR Neuburg zu wechseln, auch absolut nachvollziehen.

Niko, wie einfach oder schwer ist Ihnen die Entscheidung „Pro VfR Neuburg“ gefallen?

Niko Schröttle: Ehrlich gesagt musste ich zunächst schon eine Zeit lang überlegen. Am Ende hat dann aber das Gesamtpaket beim VfR Neuburg doch besser gepasst. Es sind dort viele coole Leute und auch das Niveau der Mannschaft ist richtig gut. Von dem her war die Entscheidung dann doch nicht so schwer.

Dieses „Bruder-Duell“ zwischen Ihnen ist ja bekanntlich nichts Neues. In der Konstellation FC Ehekirchen (Simon) gegen TSV Rain II (Niko) gab es dieses ja schon mehrfach. Wie lautet denn eigentlich die persönliche Bilanz in diesen Begegnungen?

Simon Schröttle: Wenn ich mich richtig erinnere, müsste es 1:1 stehen.

Niko Schröttle: Es steht 2:1 für mich! Bei unserer ersten Partie, als wir in Ehekirchen gegeneinander gespielt und gewonnen haben, bin ich eingewechselt worden. Oder doch 2:2?

Simon Schröttle: Nein, als Ehekirchen euch in der Rückrunde der vergangenen Saison besiegt hat, war ich nicht dabei. Also 2:1 für Niko stimmt – wobei er in diesen drei Duellen kein Tor gegen mich erzielt hat!

Aufgrund der Tatsache, dass Simon in der Innenverteidigung und Niko als Stürmer agiert, werden sich Ihre Wege auf dem Feld zwangsweise immer wieder kreuzen! Sind diese Duelle für Sie etwas Besonderes oder ist es ein Spiel wie jedes andere auch?

Simon Schröttle: Für mich ist es auf alle Fälle etwas Besonderes. Im Gegensatz zu anderen Stürmern weiß ich bei Niko genau, wie er sich verhält und was er macht – wobei es das auch nicht unbedingt erleichtert, weil er sich einfach sehr gut bewegt.

Während einer Partie gibt es für einen Abwehrspieler durchaus hin und wieder mal die Situation, dass man einen Angreifer – dezent ausgedrückt – über „die Klinge“ springen lassen muss. Verhält es sich diesbezüglich anders, wenn das der eigene Bruder ist?

Simon Schröttle: (lacht) Naja, das gehört jetzt eigentlich ohnehin nicht so zu meiner Spielweise, dass ich jemand über die Klinge springen lassen muss. Dass man jetzt Zweikämpfe auf dem Platz führt, gehört zum Fußball einfach dazu – egal gegen wen!

Niko, Ihr Bruder hat gesagt, dass er weiß, wie Sie sich als Angreifer bewegen. Kennen Sie im Umkehrschluss auch die Stärken und Schwächen von Simon in- und auswendig?

Niko Schröttle: Ja, auf alle Fälle! Wir haben ja schon als kleine Kinder immer wieder sowohl mit als auch gegeneinander gespielt. Dementsprechend kennt man sich natürlich extrem gut – zumal wir uns auch im weiteren Verlauf oft gegenseitig bei den Spielen zugeschaut haben.

Wie gehen denn Ihre Eltern damit um, wenn Sie mit Ihren Teams gegeneinander spielen? Werden da für eine bestimmte Seite die Daumen gedrückt oder ist absolute Neutralität angesagt?

Simon Schröttle: Ich glaube, dass unsere Eltern völlig neutral sind. Sie kommen als objektive Zuschauer und haben diesbezüglich keine Präferenz. Wie es eben als Eltern sein sollte (lacht).

Simon, wie würden Sie denn Ihren Bruder grundsätzlich als Spieler beschreiben?

Simon Schröttle: Niko ist sehr gut am Ball und überaus clever im Strafraum. Was vielleicht nicht sofort ins Auge sticht: Er bewegt sich auch abseits des Balles extrem gut und kann sich dementsprechend immer wieder vom Gegenspieler lösen. Seine „Neuner“-Qualitäten sind ebenfalls richtig stark. Sprich: Er kann vorne die Bälle festmachen, weiterleiten, aber auch selbst Tore erzielen.

Ihr Bruder Niko wurde in Rain des Öfteren als „schlampiges Genie“ bezeichnet, das durchaus in der Lage gewesen wäre, schon deutlich früher höherklassig zu spielen. Würden Sie das unterstreichen, Simon?

Simon Schröttle: Ja schon! Das wäre auf alle Fälle möglich gewesen. Meiner Meinung nach kann man die Qualität eines Fußballers ohnehin nicht alleine an der Liga festmachen. Wenn beispielsweise jemand in der Landesliga spielt, heißt es noch lange nicht, dass dieser Akteur nicht in der Lage ist, auch in der Regionalliga kicken zu können.

Können Sie selbst mit diesem Ruf des „schlampigen Genies“ etwas anfangen, Niko?

Niko Schröttle: Ja, doch (lacht). Ich habe das in der Vergangenheit in der Tat mehrfach vernommen. Ich durfte ja bereits mit 18 Jahren schon mal in der ersten Mannschaft des TSV Rain in die Regionalliga reinschnuppern. Leider hat es sich dann zerschlagen, dass ich langfristig dort Fuß fasse. Ein Grund ist sicher, dass mir damals andere Sachen wichtiger als die Fußball-Karriere waren. Das hat sich dann so ein bisschen eingependelt. Dementsprechend habe ich diesen Satz vom „schlampigen Genie“ in den vergangenen Jahren nicht nur einmal gehört.

Kommen wir wieder zu Ihrem Bruder, Niko! Wie würden Sie denn Simon als Spielertypen am besten beschreiben?

Niko Schröttle: Simon ist ein sehr cleverer Innenverteidiger, dessen Stärken definitiv das Aufbauspiel und der erste Pass sind. Darüber hinaus weiß er sehr gut, wann er in einen Zweikampf gehen beziehungsweise sich fallen lassen muss. Auch seine Abschluss-Qualitäten bei Freistößen sind in der Region hinlänglich bekannt.

Welchen Stellenwert hat denn dieses Landesliga-Derby zwischen dem FC Ehekirchen und VfR Neuburg innerhalb Ihrer Mannschaften?

Simon Schröttle: Ich habe ja schon in der Bezirksliga mit dem FCE dieses Derby gegen den VfR absolviert und weiß daher, dass es in Ehekirchen – vor allem für das Umfeld – einen immens hohen Stellenwert hat. Diese beiden Partien sind die absoluten Höhepunkte der Saison.

Niko Schröttle: Da ja mit Fabian Scharbatke ein Spieler vom FC Ehekirchen zum VfR Neuburg gewechselt ist, wird über dieses Derby schon seit Saisonbeginn gesprochen. Dass es in beiden Teams Akteure gibt, die schon auf der anderen Seite gestanden haben, macht das Ganze natürlich noch etwas brisanter. Von dem her ist mir persönlich der Stellenwert absolut bewusst.

Zum Abschluss hätten wir gerne noch jeweils einen Tipp von Ihnen! Beginnen wir mit Simon: Gelingt dem VfR Neuburg der Aufstieg in die Bayernliga?

Simon Schröttle: Ich schätze den VfR Neuburg auf Platz zwei ein. Ob es dann in der Relegation mit dem Aufstieg klappt, kann ich nicht sagen.

Wie lautet Ihr Tipp, Niko: Schafft der FC Ehekirchen den Klassenerhalt?

Niko Schröttle: Nun, ich habe ja einige Testspiele gesehen. Sollten sich nicht auf einmal zahlreiche Akteure verletzen, traue ich Ehekirchen auf alle Fälle einen sicheren Mittelfeldplatz zu.


RUND UMS DERBY

Personelle Situation

Gerhard Hildmann, Trainer des FC Ehekirchen, muss weiterhin auf sein verletztes Brüder-Paar Julian und Christoph Hollinger verzichten. Ein Fragezeichen steht noch hinter dem Einsatz des angeschlagenen Gabriel Hasenbichler. Zurückgreifen kann Hildmann indes auf Ex-Spielercoach Michael Panknin. Auch der VfR Neuburg hat mit Michael Denz (muskuläre Probleme) und Fabian Heckel (Aufbautraining) zwei Ausfälle zu verzeichnen.

Parkplatz-Situation

„Wir haben rund um die Elektro-Schmaus-Arena zusätzliche Parkmöglichkeiten geschaffen“, berichtet FCE-Abteilungsleiter Markus Bissinger. Neben einer Wiese hinterhalb des Sportplatzes, die 150 Autos als Parkplatz dient, finden sich rund um die Anlage weitere Gelegenheiten. Damit es auch an den Kassen zu keinen langen Wartezeiten kommt, gibt s zwei Einlässe: Am Haupteingang mit zwei Kassen sowie gegenüber des Sportheims bei den Stockschützen (eine Kasse). (nr)

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