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Fußball

11.05.2020

Öffnung der Fußballplätze: Zwischen Freude und Unverständnis

Seit Montag dürfen Fußballer wieder trainieren. Dabei müssen zahlreiche Auflagen eingehalten werden.
Bild: Picture alliance/dpa

Seit Montag darf auf den Sportplätzen in Bayern wieder in Kleingruppen trainiert werden. Die Neuburger Rundschau hat sich bei Abteilungsleitern in der Region umgehört. Die Meinungen zur BFV-Entscheidung fallen sehr unterschiedlich aus

Der Spielbetrieb im bayerischen Amateurfußball ist bis mindestens 31. August ausgesetzt. Wie der bayerische Fußball-Verband am vergangenen Freitagabend bekannt gab, ist es seit gestern aber wieder möglich, unter bestimmten Vorgaben zu trainieren. Voraussetzung ist, dass die Kommunen vor Ort eine explizite Freigabe der Sportanlagen erteilen. Die Stadt Neuburg hat das Training bereits freigegeben.

Die Neuburger Rundschau hat sich bei Abteilungsleitern in der Region umgehört, wie sie zur Entscheidung des BFV stehen und wie sie in ihren Vereinen mit den neuen Gegebenheiten umgehen.

lRoland Egen (Abteilungsleiter VfR Neuburg): „Grundsätzlich sehe ich diese Entscheidung positiv, auch wenn sie in meinen Augen letztlich nur so etwas wie Symbol-Charakter hat. Nachdem der Spielbetrieb ja noch mindestens bis zum 31. August ruht, macht es absolut keinen Sinn, zum jetzigen Zeitpunkt in die reguläre Vorbereitung einzusteigen – zumal ohnehin noch kein richtiges Training möglich ist, da keine Kopfbälle, Einwürfe oder Zweikämpfe erlaubt sind. Vier Monate lang nur Passübungen oder Laufeinheiten zu absolvieren, macht schlichtweg keinen Sinn. Wir werden diese Möglichkeit möglicherweise hin und wieder nutzen, damit man sich einfach mal wieder sieht. Dann aber natürlich auf freiwilliger Basis. Im Jugend-Bereich kann ich mir dagegen schon vorstellen, dass der eine oder andere Trainer mit seinem Team mal wieder auf den Platz möchte. Vorausgesetzt natürlich, dass er sich seiner Verantwortung und Aufgabe bewusst ist und die vorgegebenen Regeln strikt einhält. Alles andere würden wir auch gar nicht zulassen.“

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l Markus Bissinger (Abteilungsleiter FC Ehekirchen): „Dass es in der momentanen Krise zu gewissen Lockerungen kommt, ist meines Erachtens richtig und notwendig. Allerdings hat mich die Entscheidung des Bayerischen Fußball-Verbandes am Freitag schon etwas überrascht. Zum einen dürfen sich aufgrund der Kontaktbeschränkung maximal zwei Haushalte treffen – gleichzeitig bei einem Training aber bis zu fünf Leute. Darin liegt für mich ein Widerspruch. Abgesehen davon ergibt es für mich auch keinen Sinn, dass man in der jetzigen Situation mit vier Spielern und einem Trainer auf den Platz geht, wenn die unterbrochene Saison frühestens am 1. September wieder beginnt. Was ich auch nicht verstehe: Ab 18. Mai darf die Gastronomie ihre Außenbereiche wieder öffnen, was einem Sportheim hingegen nicht gestattet ist. Auf mich wirkt das Ganze momentan wie ein unüberlegter Schnellschuss vonseiten des Verbandes. Ein verpflichtendes Training werden wir unter diesen Voraussetzungen in nächster Zeit definitiv nicht anbieten. Wenn jemand unbedingt trainieren möchte, dann ausschließlich auf freiwilliger Basis.“

Andreas Eubel (Abteilungsleiter BSV Neuburg): „Es war eine saudumme Idee des Verbandes, diese Meldung an einem Freitagabend rauszugeben, da die endgültige Entscheidung die Kommunen treffen müssen. Und die konnten zu diesem Zeitpunkt nicht mehr reagieren. Die Folge für uns waren zahlreiche Nachfragen, wie und wann es denn wieder losgeht, die wir nicht wirklich beantworten konnten. Die Leute wurden wild gemacht, viele haben geglaubt, am Montag ginge es direkt wieder los. Meiner Meinung nach hat für den Verband keinerlei Zeitdruck bestanden, da die Saison ohnehin bis 1. September unterbrochen ist. Der Verband hat schlicht den Druck von sich genommen und die Verantwortung auf die Vereine übertragen. Wir als Abteilungsleitung wollen jedenfalls nicht dafür verantwortlich sein, dass sich jemand infiziert. Daher müssen und werden wir Sorgfalt walten lassen und in Ruhe ein Konzept erarbeiten, um alle Auflagen einhalten zu können. Ist das geschehen, wollen wir zunächst die Kinder wieder spielen lassen. Für Erwachsene ist es einfacher, sich selbst fitzuhalten.“

Tobias Narr (Abteilungsleiter SV Klingsmoos):„Der Verband hat diese Entscheidung aus meiner Sicht sauber abgewogen. Es gab einige Webinare, an denen ich mich beteiligt habe, in denen über das Thema gesprochen wurde. Ich finde, die Entscheidung ist richtig, weil das Training in Kleingruppen ein überschaubareres Risiko darstellt. Wir haben dennoch keinen Tag X, an dem es wieder losgehen wird. Das kann schon noch drei bis vier Wochen dauern. Wir müssen zunächst überprüfen, ob auf unserer Anlage alles coronasicher ist. Das ist derzeit schon allein deshalb nicht der Fall, weil bei uns ein Umbau stattfindet. Wir müssen klare Regeln erarbeiten, diese an unsere Mitglieder herausgeben und alles sauber dokumentieren. Wenn die Sicherheitsfrage geregelt ist, wollen wir mit den Jugendlichen starten, erst dann die Erwachsenen wieder spielen lassen. In der jetzigen Phase macht eine Vorbereitung ohnehin noch keinen Sinn, da die Saison bis September unterbrochen ist.“

Stefan Schneider (Abteilungsleiter SpVgg Joshofen-Bergheim): „Nach den politischen Ansagen in der vergangenen Woche habe ich mit dieser Entscheidung gerechnet, da ich ständig mit den entsprechenden Stellen des Verbandes im Austausch war. Wir waren darauf eingestellt, weshalb unsere Trainer in der Zwischenzeit Trainingskonzepte erarbeitet haben, um zeitnah starten zu können. Die Entscheidung des Verbandes halte ich definitiv für richtig. Ich persönlich wäre sogar noch einen Schritt weitergegangen und hätte analog zu Niedersachsen ein Training mit Zweikämpfen erlaubt. Das Risiko halte ich für vertretbar. Meiner Meinung nach war es ein Unding, Kinder und Jugendliche solange einzuschränken. Die Eltern haben genug und sind froh, wenn ihre Kinder wieder in die Vereine gehen können. Aber das ist meine persönliche Meinung. Als Verein werden wir uns an die Richtlinien des Verbandes halten. Auf dieser Basis werden wir schnellstmöglich Konzepte erarbeiten und die Verantwortung tragen. Los gehen soll es spätestens übernächste Woche, wenn die Schutzvorkehrungen getroffen sind. Starten werden wir mit Sicherheit im Seniorenbereich. Da wir 250 Jugendliche im Verein haben, wird es Zeit benötigen, die Einverständnisse der Eltern einzuholen, die einzelnen Gruppen einzuteilen und einen Terminplan zu erstellen. Im Jugendbereich ist es obendrein schwieriger, die zahlreichen Vorgaben einzuhalten. Aber wir sind guter Dinge. Die Trainer und Spieler werden einfach glücklich sein, wieder einen Ball hin- und herschieben zu können.“

l Matthias Karmann (Abteilungsleiter TSV Burgheim): „Auch wenn der sportliche Aspekt sehr fraglich ist, stehe ich dieser Entscheidung positiv gegenüber. Für unsere Fußballer ist es ein Schritt zurück in den Alltag, der zudem etwas Abwechslung bietet. Natürlich wird es nicht ganz einfach sein, das Ganze entsprechend zu koordinieren. Hilfreich ist allerdings die Tatsache, dass bis zu vier Kleingruppen à fünf Leute auf einen Platz dürfen. Beispielsweise kann man da einen vierteiligen Parcours aufbauen, den nacheinander alle durchlaufen. Wie wir das alles organisieren, werden wir in Kürze besprechen. Zudem benötigen wir ja auch noch die Zustimmung der Gemeinde. Mit der Platzöffnung haben wir die Möglichkeit, uns zumindest einmal wöchentlich zu treffen und in der Gemeinschaft Sport zu treiben. Richtig ins Training einsteigen werden wir aber sicherlich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht. Wie wir in Sachen Jugend-Mannschaften vorgehen, müssen wir uns auch noch überlegen. Die A-Jugend wird aber definitiv auch auf den Platz zurückkehren. Bei den anderen Teams müssen wir uns unter anderem auch mit den jeweiligen Eltern intensiv absprechen, ob diese überhaupt einverstanden sind.“

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