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Fußball

27.05.2020

Patrick Schäffer: „Der Trainingsbetrieb dient vor allem dem sozialen Aspekt“

Derzeit noch undenkbar: Von Zweikämpfen oder sogar Punktspielen sind die Amateur-Fußballer wie Illdorfs Rene Reiter (links) und Zell/Brucks Patrick Schäffer (rechts) weit entfernt. Immerhin haben die Rotweißen mittlerweile das Training – wenn auch unter großen Einschränkungen – wieder aufgenommen.
Bild: Daniel Worsch

A-Klassist FC Zell/Bruck hat seit der Öffnung der Sportanlagen bereits drei Übungseinheiten auf seinem Gelände absolviert. Spielertrainer Patrick Schäffer erklärt, warum sich die Rotweißen zu diesem Schritt entschieden haben und was sie sich davon erhoffen.

Seit dem 11. Mai dürfen in Bayern die Fußballer im Freien – wenn auch unter strengen Auflagen – wieder trainieren. Die Meinung darüber, ob ein Trainingsbetrieb unter diesen Bedingungen sinnvoll beziehungsweise überhaupt umsetzbar ist, sind geteilt. Während viele Vereine weiterhin pausieren, sind andere bereits auf den Platz zurückgekehrt – darunter auch der A-Klassist FC Zell/Bruck. Wir haben uns mit Spielertrainer Patrick Schäffer unter anderem über seine ersten Eindrücke unterhalten.

Herr Schäffer, wie ist beim FC Zell/Bruck die Entscheidung gefallen, zum jetzigen Zeitpunkt einen – wenn auch eingeschränkten – Trainingsbetrieb wieder anzubieten?

Schäffer: Nun, nachdem wir grundsätzlich eine ziemlich junge Mannschaft haben und man momentan speziell im Jugend-Bereich die Tendenz mitbekommt, dass sich viele Spieler dem Fußball entfremden und sich andere Sportarten suchen, haben wir gesagt: Wenn es eine Möglichkeit gibt, dass sich diese Leute zumindest wieder halbwegs ihrem Hobby widmen können, dann wollen wir diese nutzen. Es geht schlichtweg darum, dieser drohenden Fluktuation entgegenzuwirken und die Spieler im Verein zu halten. Ich weiß aus eigener Erfahrung: Gerade die Akteure aus der zweiten Mannschaft, die man zwischenzeitlich verliert, bekommt man nur sehr schwer wieder zurück.

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Etliche andere Klubs verzichten hingegen aktuell darauf, wieder ins Training einzusteigen. Als Hauptgründe werden dabei genannt, dass es unmöglich sei, die Hygiene-Regeln entsprechend umzusetzen, die Verantwortung zu groß sei oder schlichtweg keinen Sinn mache, rund dreieinhalb Monate vor der möglichen Wiederaufnahme des Spielbetriebs die Vorbereitung zu starten. Können Sie diese Bedenken nachvollziehen?

Schäffer: Ja, definitiv! Mein großer Vorteil war und ist, dass ich mit dem Thema Corona in der Arbeit sehr stark konfrontiert bin, da wir unsere Arbeitsstätte entsprechend herrichten mussten. Daher war es für mich auch ein Leichtes, diese Vorgaben und Regelungen des Bayerischen Fußball-Verbandes auf den FC Zell/Bruck zu adaptieren. Aber klar, wenn man niemand im Verein hat, der sich damit richtig auskennt, tut man sich enorm schwer.

Können Sie einmal beschreiben, wie das Ganze beim FC Zell/Bruck konkret abläuft?

Schäffer: Zunächst einmal haben wir diese ganzen Richtlinien und Vorgaben vorab über WhatsApp und Skype besprochen. Im Anschluss habe ich mich dann mit einem Teil der Vorstandschaft getroffen, um die Details genauer zu besprechen. Da ging es beispielsweise um Desinfektionsmittel oder auch das Errichten von Parkzonen. Sollten die Spieler gleichzeitig zum Training kommen, würden sie sich dadurch quasi aus dem Weg gehen. Hinzu kommt, dass jeder Spieler vor dem ersten Training seinen eigenen Ball bekommen hat, den er mit nach Hause beziehungsweise wieder mit zur Anlage nimmt. Dadurch entfällt schon mal das Ein-und Auslagern. Und Leibchen benötigt man ohnehin nicht, da es ja keine Einteilung in einzelne Teams gibt.

Ein großer Vorteil dürfte diesbezüglich sicherlich die große Sportanlage sein...

Schäffer: Ja, absolut. Dadurch tun wir uns in der Tat wesentlich einfacher. Wir bauen – je nachdem, wie viele Leute kommen – auf den Feldern die jeweiligen Übungen auf, die die Jungs dann, nachdem sie von mir bereits im Vorfeld den Trainingsplan bekommen haben, absolvieren. Bei den Inhalten gehe ich komplett weg von der üblichen Saison-Vorbereitung. Das interessiert mich schlichtweg überhaupt nicht. Mir geht es in erster Linie darum, dass die Leute ihrem Hobby – sei es auch mit starken Einschränkungen – nachgehen können. Dementsprechend gibt es bei uns auch keine Anwesenheits-Pflicht. Das Ganze ist komplett auf freiwilliger Basis und dient vor allem dem sozialen Aspekt.

Sie haben die starken Einschränkungen im Trainingsbetrieb bereits angesprochen. Wenn man im Grunde nur laufen, passen und schießen kann: Befürchten Sie nach einer gewissen Zeit ein Motivationsloch bei den Spielern?

Schäffer: Das kann und wird wohl auch passieren, klar! Zu Beginn ist das logischerweise sehr gut bei den Jungs angekommen, da es einfach eine willkommene Abwechslung war. Sollten diese Einschränkungen jedoch in den nächsten vier, fünf Wochen weiter anhalten, dann wäre diese Anfangseuphorie sicherlich auch verflogen. Denn letztlich dreht man sich mit den Trainingsinhalten im Kreis. Da ich ohnehin in ständiger Kommunikation mit dem Team bin, müsste man in diesem Fall besprechen, ob die Jungs überhaupt wollen. Denn wie gesagt, dieses Angebot soll ja freiwillig und keine Pflicht sein.

Wie anspruchsvoll und herausfordernd ist diese spezielle Situation für Sie als Trainer?

Schäffer: Man lernt in dieser Phase definitiv wieder neue Facetten des Trainer-Geschäfts kennen. Sie ist jedenfalls deutlich umfangreicher und zeitintensiver als ein normales Training. Ich bin jetzt beispielsweise schon immer rund 60 Minuten vor der Einheit auf der Anlage, um die Übungen vorzubereiten und aufzubauen. Was die Inhalte betrifft, bedient man sich entweder aus dem eigenen Repertoire oder auch beim Bayerischen Fußball-Verband, der diesbezüglich wirklich interessante Denkanstöße zu Trainings-Einheiten bietet.

Wenn Sie einen Blick in die Zukunft wagen: Glauben Sie daran, dass im September der Punktspiel-Betrieb wieder startet?

Schäffer: Nein. Wenn man jetzt mal davon ausgeht, dass das Corona-Virus dem Grippe-Virus ähnelt: Im März, April erreicht die Grippe-Welle zumeist ihren ersten Höhepunkt. Nachdem das Ganze über den Sommer etwas abflacht, folgt dann im Herbst zumeist eine Art zweite Welle. Dieses Virus wird ja nach wie vor weitergetragen. Daher wird man sicherlich Vorsicht walten lassen. Und in diesem Zusammenhang wird der Sport ganz hinten in der Reihe sein, bevor er komplett grünes Licht bekommt. Stand jetzt gehe ich davon aus, dass wir mit einer einjährigen Verzögerung im Frühjahr 2021 wieder starten, um dann den Meister der Saison 2019/2020/2021 auszuspielen – immer vorausgesetzt natürlich, dass der Verband die Spielzeit auf Biegen und Brechen beenden möchte.

Wird diese Corona-Krise den Amateur-Fußball irgendwie verändern?

Schäffer: Längerfristig betrachtet, denke ich das schon, ja. Dabei wird es vor allem den C- und B-Jugend-Bereich treffen. Durch diese lange Pause werden mit Sicherheit viele Jugendliche aufhören, was einen langfristigen Schaden zur Folge haben wird. Etliche Vereine werden dadurch mit ihren zweiten Mannschaften wohl Spielgemeinschaften bilden oder das Team komplett abmelden müssen.

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