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Frauenfußball

27.11.2020

Sabine Loderer: Der nächste Schritt auf der Karriereleiter

Ein starkes DFB-Quintett: (von links) U16-Athletik-Trainer Ben Mansour, Sabine Loderer (U17-Nationaltrainerin), Fritzy Kromp (U16-Nationaltrainerin), Melanie Behringer (Co-Trainerin bei der U16-Nationalmannschaft) und Jan Schröder (Torwart-Trainer bei der U16-Nationalmannschaft).
Foto: privat

Plus Die Neuburgerin Sabine Loderer arbeitet seit August 2020 als Nationaltrainerin der deutschen U17-Juniorinnen. Im Interview spricht die 39-Jährige über ihre eigenen Anfänge beim BSV, die Zeit beim FC Bayern München sowie ihre derzeitige Aufgabe

Wer sich mit Sabine Loderer über das Thema Fußball unterhält, merkt schnell, dass es dabei um ihre ganz große Leidenschaft geht. Als kleines Mädchen einst beim BSV Neuburg angefangen, hat sich Loderer – sei es als Spielerin oder Trainerin – mit viel Fleiß, Talent, Wille und Disziplin Schritt für Schritt nach oben gearbeitet. Seit August 2020 arbeitet die 39-jährige gebürtige Neuburgerin nun als Nationaltrainerin der deutschen U17-Juniorinnen.

Frau Loderer, der Frauenfußball in Deutschland feiert in diesem Jahr quasi seinen 50. Geburtstag! Was bedeutet für Sie dieses Jubiläum beziehungsweise dieser Meilenstein?

Loderer: Wenn man sich heute einmal die ganzen Rückblicke anschaut, dann ist es schon sehr interessant zu sehen, mit welch großen Widerständen einst gekämpft werden musste. Während meiner Zeit als Verbandstrainerin beim BFV und auch schon als U-Nationalspielerin hatte ich sehr viel mit Tina Theune, der ehemaligen Bundestrainerin, zu tun, die schon immer eine Wegbereiterin und Kämpferin für den Frauenfußball war. Vor solchen Menschen, die ja einst belächelt wurden, habe ich einen riesengroßen Respekt. Im Vergleich zu früher hat sich mittlerweile sehr viel getan – sei es in der gesamten Infrastruktur oder bei der Anzahl und Qualität der Spielerinnen. Was sich da in „nur“ 50 Jahren alles verändert hat, ist schon sehr beeindruckend.

Können Sie sich eigentlich noch an Ihre eigenen Anfänge als Fußballerin erinnern?

Loderer: Ja, das weiß ich sogar noch sehr gut. Gekickt habe ich eigentlich schon immer ganz gerne. Wenn mein Bruder Alex, der ja beim BSV Neuburg aktiv war, ein Punktspiel hatte, kam es des Öfteren vor, dass ich als kleines Mädchen einfach auf den Platz gerannt bin, weil ich einfach dem Ball hinterherrennen wollte (lacht). Irgendwann war ich dann mal auf der Geburtstagsfeier eines Freundes, der anschließend ins Hallentraining des BSV Neuburg musste – und da durfte ich mitkommen. Ich habe dabei gleich auf Anhieb drei Tore geschossen und hatte auch ansonsten viel Spaß. Das war der Moment, wo ich im Verein mit dem Fußballspielen begonnen habe. Da war ich acht Jahre alt.

Wie haben denn Ihre Freundinnen damals darauf reagiert, wenn Sie ihnen gesagt haben, dass Sie jetzt ins Fußball-Training oder zu Punktspielen müssen?

Loderer: Da ich zuvor schon immer zum Kicken rausgegangen bin und zudem in unserer Nachbarschaft ein Mädchen war, das ebenfalls Fußball gespielt hat, war das eigentlich überhaupt nichts Besonderes. Ich habe damals auch schon immer viel Zeit mit Jungs beim Sporteln beziehungsweise Kicken verbracht, sodass das für die meisten meiner Freunde selbstverständlich war.

Waren Sie in Ihrer ersten BSV-Mannschaft das einzige Mädchen?

Loderer: Ganz am Anfang war ich die Einzige. Recht schnell kam noch das bereits erwähnte Mädchen aus der Nachbarschaft dazu. Nachdem ich viele Jungs jedoch bereits kannte, da es unter anderem die Söhne von AH-Kollegen meines Papas waren, wurde ich sehr schnell ins Team aufgenommen beziehungsweise wurde sogar nach einiger Zeit zur Kapitänin ernannt. Eine Sonder- oder Außenseiterrolle als Mädchen hatte ich innerhalb der Mannschaft jedenfalls nie.

Wie alles begann: Sabine Loderer (Zweite von rechts) als stolze Spielführerin der E-Junioren des BSV Neuburg.
Foto: Loderer

Wie wichtig waren für Sie das Training und die Punktspiele mit den Jungs?

Loderer: Ich denke, dass ich rein leistungsmäßig noch mehr davon profitiert hätte, wenn ich in einer noch stärkeren Jungen-Mannschaft wie damals gespielt hätte. Spaß hat es mir aber immer gemacht, mit den Jungs zu kicken. Als ich dann etwas später in ein reines Mädchen-Team zum FC Rennertshofen gewechselt bin, habe ich diesen Wechsel schon auch mit einem weinenden Auge vollzogen. Seinerzeit war es leider noch nicht der Fall, dass die Mädels wie heutzutage voll in den Junioren-Spielbetrieb bis zur U15/16 – mit Sondergenehmigung sogar bis zur U18 hinauf – integriert sind. Dabei ist aber ein Punkt extrem wichtig.

Und welcher wäre das?

Loderer: Es hilft einer talentierten Spielerin vor allem dann, sich mit Jungs im Training und in Spielen zu messen, wenn sie bei gleichstarken oder beziehungsweise etwas besseren Junioren kickt. Wenn man sich im Trainingsalltag und auch in den Spielen strecken muss, dann ist das genau das richtige Niveau, um besser zu werden. Ich persönlich war in einer Jugendmannschaft, die gerade im Aufbau war. Unser Niveau war nicht das Gelbe vom Ei. Trotzdem konnte ich mir eine gewisse Robustheit angewöhnen. Profitiert hab ich auch von der vielen Zeit, die ich auf dem Bolzplatz mit anderen Kids verbracht habe.

Konkret gefragt: Wäre es in Ihren Augen der Idealfall, wenn Mädchen von der F- bis zur A-Jugend ausschließlich in weiblichen Nachwuchs-Teams kicken würden oder macht eine gemischte Mannschaft bis zu einer gewissen Altersklasse mehr Sinn?

Loderer: Es kommt darauf an, was das Mädchen im Fußball erreichen will. Der Großteil unserer Spielerinnen aus dem U17-Juniorinnen-Nationalmannschaftskader hat sich lange mit leistungsstarken Jungs gemessen und davon profitiert, dass sie gelernt haben, dort schneller und robuster zu spielen. Ich bin mir auch sicher, dass im Kinderfußball reine Mixed-Teams bis zu einem gewissen Alter gut funktionieren können. Auf dem Spielplatz findet von klein auf ja auch keine Trennung von Spielkameraden nach Geschlecht statt. Es gibt aber eben auch Mädchen, die von Anfang an nur mit Mädels Fußball spielen wollen. Diese Möglichkeit sollte es also auf jeden Fall geben. Beim Spielen in einem Jungen-Team wird es für ein Mädchen in Sachen Athletik irgendwann „spannend“, weil die Jungs typischerweise im U15-Alter einen richtigen Sprung machen.

Welche Möglichkeiten bestehen hier für diese Mädchen?

Loderer: Es gibt die Gelegenheit, eine U16-Spielerin mit einem Sonderspielrecht für einen U15-Junioren-Jahrgang auszustatten, sodass die Mädels in einer leistungsadäquaten Junioren-Truppe spielen können. Ich habe in meiner Mannschaft (U17-Juniorinnen-Nationalmannschaft, Anm. d. Red.) noch ein paar Spielerinnen, die in einer U16-Junioren-Mannschaft spielen. Um dort mitzuhalten, muss man schon eine sehr clevere und handlungsschnelle Spielerin sein, da man in puncto Kraft und Schnelligkeit einfach nicht mehr mitkommt. Viele meiner Spielerinnen agieren als U17-Jahrgang bereits in der 2. Frauen-Bundesliga. Eine Spielerin aus der Region, die den Weg über die Jungs direkt in die 2. Frauen-Bundesliga gemacht hat, ist übrigens Maria Zeller. Sie hat als U16-Jahrgang noch in der U15 der JFG Neuburg gespielt, bevor sie in ihrem U17-Jahr zum FC Ingolstadt in die 2. Frauen-Bundesliga gewechselt ist. Ich finde es generell wichtig, dass es verschiedene Möglichkeiten gibt, da man nicht über jede Fußballerin die gleiche Schablone legen kann.

Sie selbst sind während Ihrer aktiven Fußball-Karriere 1999 zum FC Bayern München gewechselt, mit dem Sie auf Anhieb bayerischer Meister geworden und in die Bundesliga aufgestiegen sind. Wie wichtig waren diese insgesamt sechs Jahre beim FCB für Ihre fußballerische Entwicklung?

Loderer: Für mich war es auf alle Fälle ein sehr wichtiger und einschneidender Wechsel. In diesem Jahr ist ohnehin ein richtiger Ruck durch den FC Bayern gegangen. Der Verein hat damals aus ganz Bayern Jugend-Nationalspielerinnen zusammengeholt, sodass ich mit vielen mir bekannten Mädels zusammenspielen konnte. Dass auch einige Routiniers im Kader waren, die uns stellenweise an die Hand genommen haben, war gerade für uns junge Kickerinnen hilfreich. Wir sind dann auch sofort in die Bundesliga aufgestiegen, was aufgrund des hohen Niveaus für die persönliche Weiterentwicklung natürlich extrem wichtig war. Wenn du dich auf einmal mit damaligen Spitzenteams wie dem 1. FFC Frankfurt oder Turbine Potsdam messen kannst und auch plötzlich mehr Trainingseinheiten und vor allem auch ein besseres Niveau in der alltäglichen Trainingsgruppe hast, dann bringt dich das definitiv auf ein anderes Level.

Voller Einsatz: Sabine Loderer als Bundesliga-Spielerin beim FC Bayern München.
Foto: imago-sport

Nach Ihrer aktiven Laufbahn (2005) waren Sie nach verschiedenen beruflichen Stationen von 2010 bis August 2020 als Verbandstrainerin beim Bayerischen Fußball-Verband tätig. Wie würden Sie diese rund zehn Jahre im Rückblick einordnen?

Loderer: Diese Zeit war für mich extrem wertvoll. Ich habe zum einen viele tolle Menschen kennengelernt, zum anderen viel Erfahrung im Umgang mit unterschiedlichsten Gruppen sammeln können – egal ob im Training mit den Schülern der Eliteschulen des Fußballs, in der Trainer-Aus- und - Fortbildung oder in der Förderung von talentierten Mädels in den unterschiedlichsten Altersbereichen. Jeder Aspekt meines Jobs beim Bayerischen Fußball-Verband war sehr gewinnbringend für mich und hat mich fachlich und auch menschlich weitergebracht. In diesen zehn Jahren wurde mir mehr denn je bewusst, dass die Sozialkompetenz eine der wichtigsten Kompetenzen in der Funktion als Trainer und auch Ausbilder ist. Ohne diese ist die Fachkompetenz nicht viel wert.

Kann man sagen, dass die Talentförderung letztlich Ihr Herzblut war?

Loderer: Definitiv. In diesen zehn Jahren konnte man in diesem Bereich auch sehr viel bewegen. Ich konnte zusammen mit Fritzy Kromp, die jetzt auch wieder Kollegin beim DFB ist, die weibliche Talentförderung beim BFV prägen. Dazu gehörte auch der Austausch und das Netzwerken mit den Vereinstrainern der Talente – was fundamental wichtig ist, da die tägliche Förderung des Talents nun einmal auf der Vereinsebene läuft. Ich durfte dabei viele beeindruckende junge Menschen beziehungsweise Persönlichkeiten heranwachsen sehen.

Können Sie ein konkretes Beispiel nennen?

Loderer: Sydney Lohmann. Sie durfte ich von der U12 bis zur U18 als Landes-Auswahltrainerin begleiten. Heute hat sie im Bundesliga-Team des FC Bayern München eine tragende Rolle und spielt mittlerweile auch in der Frauen-Nationalmannschaft. Wenn man dann sieht, dass diese Mädels tatsächlich den Sprung nach ganz oben schaffen, erfüllt das einen einfach nur mit großer Freude.

Ihre erstklassige Arbeit auf BFV-Ebene wurde schließlich auch vom Deutschen Fußball-Verband erkannt. Mussten Sie lange überlegen, als in diesem Jahr die Anfrage des DFB kam, die U17-Nationalmannschaft zu übernehmen?

Loderer: Natürlich hat mein Herz zunächst mal einen großen Sprung vor lauter Aufregung gemacht, als die DFB-Verantwortlichen auf mich zugekommen sind. Auch wenn ich sicherlich mit einem weinenden Auge den BFV verlassen habe, war meine Freude auf die neue Aufgabe schon sehr groß. Für mich persönlich ist es natürlich auch eine Riesenchance, den nächsten Schritt zu machen. Bereits bei unserem ersten Gespräch war ich Feuer und Flamme.

Können Sie uns Ihren neuen Aufgabenbereich etwas näher beschreiben?

Loderer: Aktuell bin ich hauptverantwortlich für die U17-Juniorinnen-Nationalmannschaft. Es ist geplant, dass ich künftig mit meiner Kollegin Fritzy Kromp in den Altersklassen U16 und U17 rotiere. Sprich: Ich habe in diesem Jahr den Jahrgang 2004 und übernehme dann zur nächsten Saison den Jahrgang 2006, bei dem ich zwei Jahre lang bleibe. Das Ziel ist, dass wir als verantwortliche Trainerinnen die Mädchen über einen längeren Zeitraum begleiten. Dazu gehören die Lehrgänge, das Spielen von Turnieren, der Austausch mit den jeweiligen Vereinstrainern, Vereinsbesuche und Sichtung von Spielen, in denen unsere Spielerinnen und potenzielle Talente auflaufen. Gerade das Netzwerken mit den Vereinen ist – wie bereits erwähnt – das Wichtigste, da die Spielerinnen dort die meiste Zeit trainieren, während sie bei uns nur alle paar Wochen bei Maßnahmen sind, in denen wir Impulse setzen können. Ansonsten arbeiten wir aber auch intensiv an konzeptionellen Dingen.

Wie schaut das genau aus?

Loderer: Das läuft in der Regel gemeinsam im U-Trainerinnen-Team, gesteuert durch unsere Koordinatorin Britta Carlson, die auch Assistenztrainerin der A-Nationalmannschaft ist. Auch Martina Voss-Theklenburg (Bundestrainerin, Anm. d. Red.) bringt sich in unserem Austausch immer sehr intensiv mit ein, was ich als absolut gewinnbringend empfinde. Wir sprechen über sportliche und konzeptionelle Themen, wie man beispielsweise etwas verändern kann. Momentan geht es vor allem darum, wie wir unsere Spielerinnen in dieser sehr speziellen Zeit trotz abgesagter Nationalmannschafts-Lehrgänge bestmöglich begleiten können. Von dem her kann man also schon sagen, dass ich ein sehr breites und interessantes Tätigkeitsfeld habe.

Sie haben im Jahr 2014 den Lehrgang zum Fußball-Lehrer in Hennef als Zweitbeste des gesamten Jahrgangs abgeschlossen. Ist es für Sie eigentlich vorstellbar, auch einmal eine Herren-Mannschaft zu trainieren?

Loderer: (lacht) Diese Frage wurde mir in der Tat schon oft gestellt. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass dieses Thema geschlechtsneutral gesehen werden sollte. Wenn man eine hohe Fach- und Sozial-Kompetenz hat, dann darf es in meinen Augen normalerweise keinen Unterschied machen, ob die Trainer-Position mit einer Frau oder einem Mann besetzt ist.

Ist das in der Realität tatsächlich der Fall?

Loderer: Da schaut es leider anders aus. Wie in vielen anderen Berufen, wird man als Frau sicherlich differenzierter betrachtet und beäugt. Um als Frau in diesen hochklassigen Bereich zu kommen, muss man definitiv mehr Energie aufbringen, damit man das gleiche Standing wie ein Mann hat. Ehrlicherweise habe ich aber auch noch nie in Richtung Herren-Mannschaft gestrebt. Ich denke, dass der Jugend beziehungsweise Juniorinnen-Fußball aktuell sehr gut zu mir passt, da ich wohl ein ganz gutes Händchen für den Umgang mit jungen Menschen habe. Zudem interessiert mich einfach dieser Entwicklungsbereich, in dem man die Mädchen noch formen und prägen kann. Was dann mal in der Zukunft passiert, lasse ich entspannt auf mich zukommen.

Apropos Zukunft: Lassen Sie uns abschließend etwas nach vorne blicken! Wie bereits anfangs dieses Gesprächs erwähnt, feiert der Frauenfußball in Deutschland derzeit seinen 50. Geburtstag. Was würden Sie sich denn für die nächsten 50 Jahre wünschen?

Loderer: Ich würde mir wirklich sehr wünschen, dass künftig nicht mehr Äpfel mit Birnen, sprich der Männer- und Frauenfußball, miteinander verglichen werden. Ich bin der Meinung, dass es generell um den Sport Fußball gehen sollte. Dass beispielsweise eine Frau nicht so schnell rennt wie ein Mann, liegt schlichtweg in der Natur der Sache. Ich hoffe, dass die Akzeptanz in der Öffentlichkeit dahin geht, dass speziell die Top-Frauen-Ligen und die Frauen-Nationalmannschaft mehr Aufmerksamkeit erfahren und dadurch auch noch besser vermarktet werden können. Es wäre einfach schön, wenn wir in Deutschland – was ja bereits in England oder Spanien der Fall war – bei sogenannten Highlight-Spielen wieder die Stadien voll bekommen. Dadurch könnte man mit Sicherheit wieder neue Mädels für die tolle Sportart Fußball begeistern.

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