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Interview

12.05.2020

Udo Kotzur: „Keine Gedanken gemacht, was es für die Vereine bedeutet“

Hält die Öffnung der Sportanlagen für eine Art Schnellschuss: Udo Kotzur, 1. Vorsitzender des TSV Neuburg.
Bild: Dirk Sing

Seit Montag sind die Sportanlagen in Bayern wieder geöffnet. Was auf den ersten Blick positiv wirkt, hinterlässt beim 1. Vorsitzenden des TSV Neuburg, Udo Kotzur, aber auch viele offene Fragen. Welche Probleme der TSV-Chef derzeit noch sieht

Auch der Bayerische Landessport-Verband (BLSV) hat zum 11. Mai weitere Lockerungen für den Vereinssport zugelassen. Vorausgesetzt, die jeweiligen Kommunen geben „grünes Licht“ (was die Stadt Neuburg bereits am Montag getan hat), kann auf privaten oder öffentlichen Sportplätzen und - anlagen im Freien unter bestimmten Bedingungen wieder trainiert werden. Wir haben uns mit dem 1. Vorsitzenden des TSV Neuburg, Udo Kotzur, über die neue Situation unterhalten.

Herr Kotzur, die Sportplätze in der Region sind offiziell wieder geöffnet. Werten Sie diese Entscheidung seitens des BLSV mit Freude oder doch eher mit ein bisschen Bauchschmerzen?

Kotzur: Mit Bauchschmerzen eigentlich weniger, da es sich ja ausschließlich um Freiluft-Sport handelt. Was die Vorgaben jedoch betrifft, ist das in meinen Augen bislang noch sehr dürftig. Dass die Sportanlagen wieder geöffnet werden, hört sich zwar ganz gut an – aber unter welchen Bedingungen? Wenn beispielsweise nur fünf Leute inklusive Trainer zusammen trainieren dürfen, kann man gar kein Kindertraining machen. Dann müsste man ja bereits das fünfte Kind wegschicken. Zum jetzigen Zeitpunkt ist das alles für uns noch nicht richtig hilfreich.

Was bedeuten konkret für den TSV Neuburg einerseits diese Lockerungen, andererseits die damit verbundenen Vorgaben und Regeln?

Kotzur: Wir wissen aktuell eigentlich nur, dass man den Sportplatz wieder betreten darf. Ob jetzt fünf oder zehn Einzelsportler trainieren dürfen, wie viele Gruppen a fünf Sportler gleichzeitig auf die Anlage können und wie groß die Abstände untereinander sein müssen, damit diese Gruppen deutlich erkennbar sind, ist aus meiner Sicht noch völlig unklar.

Würden Sie sagen, dass diese Entscheidung, die Sportplätze wieder zu öffnen, eine Art Schnellschuss seitens der Regierung war?

Kotzur: Das sehe ich schon so, ja. Man wollte da jetzt unbedingt etwas vorweisen und lockern, hat sich aber gleichzeitig überhaupt keine Gedanken gemacht, was das letztlich für die Sportvereine konkret bedeutet. Für Einzelsportler ist das alles kein Problem. Die können beispielsweise zum Laufen in den Wald gehen. Aber mit einer Gruppe, speziell mit Kindern, zu trainieren, wenn diese auf maximal fünf Leute begrenzt ist, macht dieses Vorhaben nahezu unmöglich.

Sprich: Die Verantwortung wird komplett auf die Schultern der Vereine beziehungsweise deren Verantwortlichen und Trainern abgeladen ...

Kotzur: Ja, absolut. Wenn man zum Beispiel nur einmal das Hygiene-Konzept nimmt: Wir haben uns das in Baden-Württemberg einmal angeschaut, da man dort schon deutlich weiter ist. Es gibt ganz genaue Angaben und Vorschriften, was man machen darf und muss. Und genau das fehlt bei uns. Hier heißt es nur: Abstand halten, maximal fünf Leute pro Gruppe und dokumentieren, wer gerade anwesend ist! Aber wie soll denn Letzteres überhaupt genau funktionieren? Zum jetzigen Zeitpunkt wissen wir einfach noch nicht, wie wir mit dieser ganzen Thematik umgehen müssen.

Wie wird denn die weitere Vorgehensweise beim TSV Neuburg in Sachen Sportplatz-Öffnung/Wiedereinstieg ins Training sein?

Kotzur: Wir werden jetzt erst einmal die nächsten Tage abwarten. Nachdem es ja alle Sportvereine betrifft, kann ich mir sehr gut vorstellen, dass sich der Landessportverband nochmals mit der Politik kurzschließt, um das Ganze zu konkretisieren. Momentan kann ich unseren Übungsleitern einfach noch keine genauen Vorgaben und Bedingungen, unter denen trainiert werden darf, weitergeben. Und solange das der Fall ist, macht es in meinen Augen keinen Sinn, da wir ja doch eine sehr große Verantwortung tragen. Aus diesem Grund kann ich unsere Mitglieder, die in den vergangenen Tagen schon eifrig in der TSV-Geschäftsstelle angerufen haben, um sich über den aktuellen Stand zu informieren, nur um etwas Geduld bitten, bis diese wichtigen Sachfragen allesamt geklärt sind.

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