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Interview

01.12.2020

Udo Kotzur: „Kommen wohl mit einem blauen Auge davon“

Schwierige Zeiten: Udo Kotzur ist als Vorsitzender des TSV Neuburg während der Corona-Pandemie, in der kaum Sport erlaubt ist, besonders gefordert.
Bild: Dirk Sing

Plus Der TSV Neuburg kann seinen 2600 Mitgliedern derzeit nur ein geringes Sportangebot zur Verfügung stellen. Vorsitzender Udo Kotzur spricht über die aktuelle Situation, seine Wünsche und die finanziellen Folgen für den Verein.

Mit 2600 Mitgliedern ist der TSV Neuburg der größte Verein der Stadt. Das Angebot umfasst viele Sportarten und Kurse. Doch seit Anfang November liegen erneut die meisten Bereiche lahm. TSV-Vorsitzender Udo Kotzur ist in Zeiten der Corona-Pandemie besonders gefordert. Die Neuburger Rundschau hat sich mit Kotzur über die aktuelle Situation und mögliche Folgen für den TSV unterhalten.

Herr Kotzur, ist die Arbeit als Vorsitzender des TSV Neuburg in der jetzigen Zeit mit dem neuerlichen Lockdown besonders stressig?

Udo Kotzur: Unsere Arbeit war beim ersten Shutdown im April und vor allem in der Phase danach, als alles wieder hochgefahren wurde, besonders herausfordernd. Wir mussten Hygienekonzepte entwickeln und diese immer wieder anpassen, weil die Dynamik der Ereignisse unglaublich war. Man wusste nicht, wie mit der Situation umzugehen ist. Das bedeutete vor allem geistigen Stress, weil man immer auf dem Laufenden bleiben und die Dinge neu absprechen musste. Was genau wird unternommen und wie wird vorgegangen? Das alles zu stemmen wäre für uns im Vorstand neben der regulären Arbeit gar nicht möglich gewesen, weshalb mein großer Dank unseren Mitarbeitern in der Geschäftsstelle gilt, die sehr engagiert gearbeitet haben.

Neben der Geschäftsstelle waren auch die Abteilungsleiter der einzelnen Sparten gefordert, die Hygienekonzepte erstellen mussten...

Kotzur: Die Abteilungsleiter haben tolle Arbeit geleistet, weil eine zentrale Planung unmöglich war. Jede Sportart hat seine eigenen Spezifitäten, auch die Sportstätten wurden unterschiedlich gehandhabt, weshalb jeweils spezielle Konzepte erarbeitet werden mussten. Bei den Schwimmern mussten ganz andere Schwerpunkte gesetzt werden als etwa bei den Basketballern oder Leichtathleten. Alle Beteiligten haben viel Herzblut reingesteckt, was großen Respekt verdient. Es war wichtig, in dieser Zeit als TSV Neuburg Flagge zu zeigen und wieder Sport anzubieten.

Seit Anfang November liegt der Sport größtenteils erneut brach. Wie haben Sie persönlich und als Vorsitzender des TSV Neuburg die Entscheidungen der Politik aufgenommen?

Kotzur: Zum einen habe ich Verständnis, weil die Lage sehr schwierig ist und niemand genau weiß, wie die Infektionswege aussehen. Zu diesem Thema gibt es aber sicher verschiedene Meinungen. Ich kritisiere lediglich, dass die Parlamente besser eingebunden hätten werden können. Dann wären die Entscheidungen auf breiterer Basis getroffen worden. Ob wir dadurch besser oder schlechter dastehen würden, kann allerdings kein Mensch sagen. Ich habe Respekt vor den Politikern, die diese Entscheidungen treffen müssen. Bauchweh bereitet mir indes, dass so viel – gerade was Kinder betrifft – zum Stillstand gekommen ist.

Der TSV Neuburg zählt 2600 Mitglieder, von denen die meisten ihren Sport nicht ausüben können. Hatten beziehungsweise befürchten Sie eine Austrittswelle?

Kotzur: Die Fluktuation ist bei dieser hohen Mitgliederanzahl naturgemäß immer groß. Uns fehlen derzeit gerade Neuanmeldungen, was verständlich ist. Da wir nichts anbieten können, kann niemand reinschnuppern und dann dabei bleiben. Gefühlsmäßig haben wir insgesamt mehr Austritte, aber das ist aktuell noch schwierig einzuschätzen. Bei einem größeren Verein wie dem TSV Neuburg ist die Bindung der Mitglieder erfahrungsgemäß geringer als bei einem kleineren Verein. Es wird daher sicherlich eine Delle geben. Wir hoffen, sie zeitnah ausgleichen zu können. Unser großer Vorteil ist, dass wir ein breites Spektrum an Sportarten anbieten können. Ich glaube auch, dass die meisten Leute sehr dankbar sind, dass sie den Verein haben und sich wohlfühlen. Sport ist grundsätzlich ein wichtiger Teil der Gesellschaft.

Haben Sie in Erwägung gezogen, keine oder verringerte Mitgliedsbeiträge einzuziehen?

Kotzur: Es ist schwer zu sagen, was diesbezüglich richtig oder falsch ist. Fakt ist, dass wir auf die Beiträge nicht verzichten können, weil wir laufende Kosten haben. Grundkosten sind zu decken, das Personal muss bezahlt werden. Aktuell ziehen wir ohnehin keine Beiträge ein, weil wir im April und Oktober abrechnen. Bis dahin hoffen wir, dass der Sportbetrieb wieder möglich ist. Erst im Laufe des kommenden Jahres können wir abschätzen, ob wir unseren Mitgliedern etwas zurückgeben können.

Können Sie bereits etwas zu den finanziellen Folgen der Pandemie für den TSV Neuburg sagen?

Kotzur: Das ist unheimlich schwierig vorherzusagen. Da geht es uns genauso wie vielen Firmen, die nicht sagen können, wo sie stehen. Natürlich fehlen uns Einnahmen. Wir bieten etwa zahlreiche Kurse an, die nicht stattfinden können. Außerdem fallen Veranstaltungen und Unternehmungen der Abteilungen aus, auch Pachteinnahmen brechen weg. Auf der anderen Seite haben wir weniger Ausgaben, weil viele Übungsleiter nicht tätig sein können. Die Lage ist insgesamt nicht einfach, aber ich habe keine Existenzängste. Wir haben Reserven, die wir als Verein haben müssen. Ich denke, wir werden mit einem blauen Auge davonkommen. Wie groß dieses blaue Auge sein wird, weiß ich nicht. Das lässt sich erst im Lauf des kommenden Jahres abschätzen, wenn wir ein Resümee ziehen.

Zum Abschluss: Welche Hoffnungen haben Sie für das Jahr 2021?

Kotzur: Dass wir die Pandemie gut und gesund überstehen und ab Frühjahr wieder Sportbetrieb möglich ist. Sportvereine sind tief im Herzen unserer Gesellschaft verwurzelt, Sport lässt sich nicht ersetzen. Auch soziale Kontakte zu unterbinden geht auf Dauer nicht.

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