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Coronavirus

16.03.2020

Udo Kotzur: „Solidarität als oberstes Gebot“

Führt den größten Sportverein im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen: Udo Kotzur, 1. Vorsitzender des TSV Neuburg. Ab sofort ist die TSV-Geschäftsstelle für den Publikumsverkehr geschlossen.
Bild: Dirk Sing

Der 1. Vorsitzende des TSV Neuburg, Udo Kotzur, erklärt im NR-Interview, wie der größte Sportverein im Landkreis-Neuburg mit der Coronavirus-Krise umgeht

Wegen der Ausbreitung des Coronavirus hat die bayerische Staatsregierung am Montag den Katastrophenfall ausgerufen. Infolge dessen werden ab dem heutigen Dienstag unter anderem sämtliche Freizeit-Einrichtungen wie Sporthallen (falls noch nicht geschehen), Sportstätten oder Schwimmbäder geschlossen. Stellvertretend für alle Sportvereine haben wir uns mit Udo Kotzur, dem 1. Vorsitzenden des TSV Neuburg (mit rund 2600 Mitgliedern der größte Sportklub im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen) über die aktuelle Situation unterhalten.

Herr Kotzur, wie stressig ist denn in diesen Tagen ihr Job als Vereinschef des TSV Neuburg?

Kotzur: Nun, momentan gebe ich als 1. Vorsitzender in erster Linie die Informationen, die von „oben“ kommen, entsprechend weiter. Was wir machen und umsetzen können, haben wir gemacht. Da es sich bei uns „nur“ um einen Sportverein handelt, bin ich eigentlich noch relativ gelassen. Für viele Geschäfte, Unternehmen, aber auch unsere Gastwirtschaft ist das Ganze wesentlich existenzieller. Auf den TSV Neuburg bezogen: Natürlich bedeutet das aktuell für jeden – egal ob Mitglieder oder Kurs-Teilnehmer – eine Einschränkung. Aber wir können das über einen gewissen Zeitraum schon verkraften. Wir nehmen das jetzt, wie es kommt und schauen von Tag zu Tag.

Udo Kotzur: „Solidarität als oberstes Gebot“

Wenn Sie sich derzeit mit Mitgliedern unterhalten: Was sind die dringendsten und meistgestellten Fragen?

Kotzur: Momentan kommen die Mitglieder noch nicht geballt auf uns zu. Jeder sieht es ein, dass es augenblicklich nicht anders geht. Sprich: Die Absage von Trainingseinheiten und Übungsstunden sind auf großes Verständnis gestoßen, da ja letztlich auch jeder sich selbst und seine Angehörigen schützen möchte.

Können Sie nochmals erklären, welche Maßnahmen der TSV Neuburg bislang konkret getroffen beziehungsweise welche Auswirkungen dies auf die Mitglieder hat?

Kotzur: Alle Sportstunden sind eingestellt. Vielleicht hätten wir es im TSV-Vereinsheim im kleinsten Rahmen – es gibt ja auch Übungsstunden mit lediglich fünf oder sechs Teilnehmern – noch aufrecht erhalten können. Nachdem jetzt jedoch die Anweisung von der Regierung gekommen ist, dass auch Sportstätten geschlossen werden müssen, hat sich dieses Thema auch erledigt. Darüber hinaus gibt es auch das TSV-Feriencamp, bei dem unserem Verein im Vorfeld schon Kosten entstanden sind. Aber da werden wir in den sauren Apfel beißen müssen. Diesbezüglich sind wir allerdings nicht der einzige Verein, den das trifft. Glücklicherweise läuft das für uns noch in einem verkraftbaren finanziellen Rahmen ab, den wir, da wir diese Kosten wahrscheinlich anderweitig umlegen können. Grundsätzlich ist das Ganze aber für alle freilich eine Einschränkung im normalen Leben – und da gehört der Sport eben auch dazu!

Um beim Thema Finanzen zu bleiben: Kann man abschätzen, ob und welche Belastungen diesbezüglich auf den TSV Neuburg zukommen werden?

Kotzur: Finanziell wird uns diese ganze Geschichte selbstverständlich auch treffen. Wir haben beispielsweise Sportkurse, die noch am Laufen, sprich noch nicht abgeschlossen, sind. Hier müssen wir den Leuten selbstverständlich entgegenkommen und ihnen den Restbetrag erstatten, falls dies gewünscht wird. Natürlich versuchen wir, diese Kurse zu einem späteren Zeitpunkt erneut anzubieten beziehungsweise entsprechend fortzuführen. Klar, auf der einen Seite fallen zwar keine Übungsleiter-Vergütungen an, auf der anderen werden wir aber mit unserer Gastwirtschaft Verluste machen. Wenn diese zumachen muss, hat sie kein Einkommen mehr. Dann können wir letztlich auch keine Pacht verlangen. Da wir ja alle in einem Boot sitzen, wollen wir uns gegenseitig helfen. Solidarität ist momentan das oberste Gebot.

Angenommen, einige „Unverbesserliche“ würden trotz staatlicher Anordnung auf die Idee kommen, die Sporthallen oder das TSV-Gelände zu nutzen: Was wären die Konsequenzen?

Kotzur: Zunächst einmal kann ich nur inständig an die Vernunft der Leute appellieren. Vor jeder Halle und unserem Sportgelände hängen große Plakate, die die Sportler über das momentane Verbot aufklären. Sollten dennoch Personen diese Bereiche betreten, werden wir sie eindringlich darauf hinweisen, dass das schlichtweg nicht gestattet ist. Natürlich könnten wir in diesem Fall auch die große Keule auspacken und von unserem Hausrecht Gebrauch machen. Aber wir wollen das grundsätzlich im Gespräch klären, falls so etwas vorkommen sollte.

Der TSV Neuburg verfügt bekanntlich über eine öffentliche Geschäftsstelle. Wird diese weiterhin für den Publikumsverkehr geöffnet sein beziehungsweise wie informiert der Verein seine Mitglieder über die weitere Vorgehensweise?

Kotzur: Wir werden vorübergehend unsere Geschäftsstelle für den Publikumsverkehr schließen! Es gibt ja auch noch andere Kommunikations-Möglichkeiten als die persönliche vor Ort. Selbstverständlich werden wir weiterhin die notwendigen Arbeiten fortführen – beispielsweise von daheim aus, da ja auch unsere Mitarbeiter Kinder zu betreuen haben. Regelmäßige und wichtige Informationen wird es auch weiterhin auf unserer Homepage geben. Für Rückfragen sind wir per Email oder über die sozialen Netzwerke jederzeit erreichbar.

Nachdem Sie ja selbst ein begeisterter Sportler sind: Wie hält sich denn der 1. Vorsitzende des TSV Neuburg in Zeiten des Coronavirus körperlich fit beziehungsweise welche Tipps können Sie der Bevölkerung geben?

Kotzur: Man kann Spaziergänge machen, Nordic Walking betrieben oder auch zum Joggen in den Wald gehen. Dagegen spricht ja überhaupt nichts. Letztlich geht es ja „nur“ darum, soziale und direkte Kontakte von Mensch zu Mensch zurückzufahren und auf das nötigste Maß zu beschränken. Aber grundsätzlich ist es sicherlich sehr wichtig, dass wir uns körperlich fit halten und daher auch weiter regelmäßig Sport betreiben.

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