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Fußball

31.07.2020

Viel Kopfschütteln, aber auch Vorfreude

Haben das Trainer-Amt von „Ikone“ Naz Seitle beim Kreisligisten SV Karlshuld mit sofortiger Wirkung übernommen: Nico Ziegler (links) und Claudio Maritato (rechts).
Bild: Roland Geier

Plus Seit Mittwochabend sind „Trainingsspiele“ unter strengen Vorschriften wieder erlaubt. Neben der Umsetzung des Hygiene-Konzepts stehen die Vereine vor einer weiteren Herausforderung: Zuschauer dürfen nicht anwesend sein. Wie einige Vereine damit umgehen.

Dass es im Fußball mitunter sehr schnell gehen kann, wurde den Amateurvereinen in Bayern in dieser Woche wieder einmal vor Augen geführt. Nachdem die Bayerische Staatskanzlei noch am Dienstag die Corona-Infektionsschutzverordnung zunächst bis 16. August verlängert hatte, womit zunächst auch die erhoffte Testspiel-Freigabe vom Tisch war, folgte nur einen Tag später die Kehrtwende. Innenminister Joachim Herrmann gab plötzlich doch „grünes Licht“ für Trainingsspiele unter der Voraussetzung einer Kontaktdaten-Erfassung gemäß des Rahmen-Hygienekonzepts.

So weit, so gut – oder etwa doch nicht? Zwar ist es den Vereinen ab sofort gestattet, wieder im Wettkampfmodus gegeneinander anzutreten. Doch der vorgegebene Leitfaden für Testpartien (siehe dazu auch Bericht im Gesamtsport) sieht unter anderem vor, dass keine Zuschauer anwesend sein dürfen. Und dies stellt die Klubs zweifelsohne vor nicht gerade geringe Herausforderungen und Probleme.

„Im Normalfall wäre für uns ein Vorbereitungsmatch ohne Zuschauer absolut kein Thema gewesen“, sagt Roland Egen, Abteilungsleiter des VfR Neuburg, und verweist in erster Linie auf den Kostenfaktor: „Wir müssen schließlich das Schiedsrichter-Team auch bezahlen. Und ohne Zuschauer- oder Gastronomie-Einnahmen ist das ein dickes Draufzahl-Geschäft“, erklärt Egen. Lediglich aufgrund der „Kurzfristigkeit sowie der Möglichkeit, sich mit einem Regionalligisten messen zu können“, habe man dem bereits vereinbarten Aufeinandertreffen mit dem VfB Eichstätt am heutigen Samstag (11 Uhr) zugestimmt.

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Etwaige Ausnahmen in Sachen Zuschauer werde es laut Egen allerdings nicht geben. „Wir können uns als Verein über die Vorgaben der Staatsregierung und des BFV schließlich nicht hinwegsetzen“, meint Egen, der daher an das fußballinteressierte Publikum appelliert, „gar nicht erst in die Sparkassen-Arena zu kommen, da wir eben keine Besucher hereinlassen dürfen“. Sehr zum Leidwesen des VfR-Fußballchefs, der sich freilich eine andere Regelung gewünscht hätte: „Im Grunde ist es eine Larifari-Entscheidung, die letztlich keinem Verein hilft. In diesem Fall wäre man wohl besser dabei geblieben, die Test-Begegnungen bis zum 16. August weiterhin auszusetzen, um dann die aktuelle Situation erneut zu bewerten.“

Unterstützung in seiner Ansicht erhält Egen von seinem Kollegen Michael Neff vom SV Wagenhofen. Eigentlich hatte der Kreisklassen-Aufsteiger am Sonntag (17 Uhr) ein Vorbereitungsmatch gegen den A-Klassisten und Nachbarn SC Feldkirchen geplant. „Doch unter diesen Voraussetzungen werden wir auf keinen Fall spielen“, sagt Neff, der sich von Verbandsseite alleingelassen fühlt. „Durch diesen schlechten Kompromiss – und mehr ist es in meinen Augen nicht – wird die komplette Verantwortung auf die Vereine abgeladen. Das kann und darf nicht sein.“ Was der SVW-Fußballchef damit meint: „Sollte sich beispielsweise ein Spieler mit Corona infizieren, wäre der Verband fein raus aus dieser Nummer. Wir als Verein werden uns daher diesen Schuh nicht anziehen.“

Dass die im März unterbrochene Saison 2019/2020 überhaupt fortgesetzt wird, hält Neff indes für keine gute Idee. „Würde man zum heutigen Zeitpunkt erneut die BFV-Umfrage zum Thema Saison-Abbruch oder -Fortsetzung, die seinerzeit zu Beginn der Corona-Pandemie durchgeführt wurde, machen, wäre das Ergebnis mit Sicherheit ein anderes“, ist Neff überzeugt.

Etwas zwiegespalten ist man indes im Lager des SV Karlshuld. „Wir sind zwar froh, dass wir endlich wieder spielen dürfen. Doch ohne Zuschauer bei den Amateuren, das muss man nicht unbedingt verstehen“, meint das neue SVK-Trainerduo Nico Ziegler und Claudio Maritato und ergänzen: „Punktspiele ohne Zuschauer, das geht schon gar nicht. Die Vereine sind doch auf die Einnahmen angewiesen.“ Überhaupt sparen die beiden Übungsleiter nicht mit Kritik am Bayerischen Fußball-Verband. „Besonders schlecht gelöst ist die Wechselperiode. Dies betrifft besonders die Vereine, die um den Ab- oder Aufstieg kämpfen. Das ist eine regelrechte Wettbewerbsverzerrung.“

Als wäre das nicht schon genug, müssen Ziegler und Maritato ab sofort auch noch die (großen) Fußstapfen ausfüllen, die ihnen ihr Vorgänger Naz Seitle hinterließ. „Es stand ja ohnehin fest, dass wir zur neuen Saison die Nachfolger von Naz antreten werden. Es war ausdrücklich der Wunsch von ihm, dass wir das Traineramt nach der langen Pause bereits jetzt übernehmen“, erklärt Ziegler.

Aber auch in Sachen Spielerkader gab es bei den Grünhemden einige Veränderungen. Den Abgängen der beiden Leistungsträger Dominik Berchermeier (SV Klingsmoos) und Benjamin Anikin (FC Schrobenhausen) sowie dem verletzungsbedingten Ausfall von Michael Kuxhausen (Kreuzbandriss) stehen die Neuzugänge Philipp Becker (SV Manching), Jonathan Habicht (TSV Reichertshofen), Armin Vollmer (VfB Leimen), Ömer Sali Moustafa (SV Hundszell) und Sebastian Waltl (FC Gerolsbach) gegenüber. Einen ersten Aufschluss über die Leistungsfähigkeit ihres Teams erhalten die beiden SVK-Coaches bereits heute (16 Uhr) beim BSV Berg im Gau.

Auch bei der Reserve des SV Karlshuld gab es indes einen Trainerwechsel. Für Jürgen Seitle hat Spielertrainer Michael Seeberger (SV Weichering) das Kommando übernommen.

Relativ entspannt geht man mit der Thematik „Corona-Hygiene-Konzept“ beim Kreisklassisten SV Straß um. „Unsere Jungs freuen sich in erster Linie darauf, endlich wieder Fußball spielen zu können“, berichtet Bruno Tregnaghi. „Da uns das Thema Corona und das daraus resultierende Hygiene-Konzept mit Sicherheit auch bei der geplanten Wiederaufnahme des Punktspiel-Betriebs beschäftigen wird, macht man sich doch lieber gleich Gedanken darüber, wie man das Ganze entsprechend umsetzen kann als dann in vier Wochen“, sagt der SVS-Spartenleiter und ergänzt: „Ich habe jetzt in diesem Konzept bislang noch nichts gesehen, was nicht umsetzbar wäre.“

Natürlich, so Tregnaghi, würde man sich wünschen, „dass alles wieder normal verlaufen und vor allem auch Zuschauer anwesend sein dürfen“. Doch letztlich bliebe nichts anderes übrig, als sich der BFV-Verordnung entsprechend zu fügen. Einen ersten „Testlauf“ wird es diesbezüglich am Sonntag (15 Uhr) beim Test gegen den FC Gundelsdorf geben. „Nachdem der Gastronomie-Betrieb erlaubt ist, werden wir zumindest den Haupteingang beziehungsweise die Terrasse öffnen. Wir können den Leuten ja schließlich nicht verbieten, zum Essen oder Kaffeetrinken in unser Sportheim zu kommen“, erklärt Tregnaghi. Der direkte Zugang von der Terrasse zum Sportplatz werde hingegen abgesperrt. „Sollte sich dennoch ein Zuschauer auf dem Sportgelände aufhalten, werden wir ihn darauf hinweisen, dass es nicht erlaubt ist.“

Etwas anders sähe es freilich aus, würde ein Fußball-Interessierter das Match seitlich des Sportgeländes auf der öffentlichen Straße verfolgen. „In diesem Fall könnte ich die Person natürlich nicht wegschicken. Dazu würde mir schlichtweg die rechtliche Handhabe fehlen“, weiß Tregnaghi.

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