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eSport

01.04.2021

Zocken um Punkte: SC Rohrenfels und SV Klingsmoos setzen auf eSport

Zocken um Punkte: Andreas Fröhlich (links) und Marco Schneider treten mit dem SC Rohrenfels in der eSport-Landesliga an. Gespielt wird Fifa 21 auf der Play Station 4.
Foto: SC Rohrenfels

Plus Der Bayerische Fußball-Verband hat sein Angebot im eSport erweitert. Der SC Rohrenfels und der SV Klingsmoos treten in der Landesliga an. Wie die Liga abläuft und was sich die Vereine versprechen.

Kimmich spielt auf Müller, der bedient Lewandowski. Eine Drehung, den Verteidiger ins Leere laufen lassen. Schuss, der Ball zappelt im Netz. Tor für den SC Rohrenfels! Was? Was im ersten Moment nicht zusammenzupassen scheint, ist in der Welt des eSports Normalität.

Der Bayerische Fußball-Verband sieht großes Potenzial in virtuellen Fußball-Turnieren. Der Markt wächst massiv und hat bewiesen, dass er mehr als nur ein Phänomen ist. Was im vergangenen Sommer mit 80 Teams in einer sogenannten „summer league“ begann, wurde heuer erweitert. Als Unterbau von zwei Bayernligen wurden vier Landesligen eingeführt. Dort geht es um Tore und Punkte, um Auf- und Abstiege und Relegationsspiele. Um Emotionen, wie im realen Fußball auch, nur eben auf der Konsole. Mit dem SC Rohrenfels und dem SV Klingsmoos sind auch zwei Vereine aus dem Landkreis mit dabei.

SV Klingsmoos war von Anfang an dabei

Gründungsmitglied der „eFootball League“ war der SV Klingsmoos, der aktuell seine zweite Spielzeit bestreitet. Auch wenn er selbst nicht mehr antritt, ist Lucas Tremel als Abteilungsleiter Breitensport für die Entwicklung des eSports beim SVK zuständig. Er ließ sich einst von einer Netzwerkschulung des BFV in Oberhaching überzeugen und überlegte, „wie wir eSport bei uns etablieren können“. Tobias Berger ist in Rohrenfels Vorreiter in Sachen eSport. „Wir haben einige Leute im Verein, die gerne Fifa spielen und haben immer mal wieder interne Turniere veranstaltet“, erzählt der 34-Jährige. „Auf die Liga sind wir schließlich durch die Werbung des Verbandes aufmerksam geworden.“ Wenn man ohnehin regelmäßig zocke, könne man sich die offizielle Liga ja mal anschauen, sagt er. Berger tritt gemeinsam mit seinen beiden Teamkollegen aus der ersten Mannschaft des SCR Marco Schneider und Andreas Fröhlich an.

Gespielt wird Fifa 21 auf der Play Station 4. Jeder Verein muss drei bis fünf Spieler für seinen Kader melden. Die Partien werden online eins gegen eins ausgetragen, ein Spiel dauert zweimal sechs Minuten. Pro Woche stehen vier Begegnungen auf dem Programm, die Anstoßzeiten machen die Vereine unter sich aus. Dabei dürfen nur bayerische Teams gewählt werden. Der BFV hat sich für den 90-er-Modus entschieden, bei dem alle Spieler in etwa gleich stark sind. Robert Lewandowski ist nicht besser als ein Sascha Mölders oder Stefan Kutschke, Joshua Kimmich auf einem Niveau mit Spielern aus Regensburg oder Würzburg. Der 90er-Modus „ist fairer als etwa der FUT-Modus“, sagt Berger, in dem Spieler eigene Teams entwickeln können, aber auch zum Einsatz von Geld gezwungen würden, um eine möglichst starke Mannschaft zusammenzustellen.

Virtueller Fußball ist auf dem Vormarsch

In Rohrenfels begrenzt sich eSport bisher auf den Seniorenbereich, obwohl das Zocken sich bei Jugendlichen zunehmender Beleibtheit erfreut. „Wir haben im Jugendbereich noch nicht nachgefragt“, sagt Berger, „dann könnte die Resonanz bei uns noch deutlich höher sein.“ Ab 16 Jahren ist es erlaubt, an der offiziellen Liga teilzunehmen.

Diesbezüglich ist Tremel in Klingsmoos bereits einen Schritt weiter. Er betrachtet das Thema eSport als wichtig für die künftige Vereinsarbeit. „Das Ziel ist, langfristig Mitglieder zu halten oder sogar zu gewinnen.“ Ein Beispiel sei der Kapitän des eSport-Teams, Julian Seitle. „Er hat in der Jugend Fußball gespielt, dann aufgehört.“ Durch das neue Projekt konnte man ihn im Verein halten. Tremel holt etwas aus, wenn er über sein Vorhaben spricht: „Das Sportangebot ist in den vergangenen Jahren immer größer geworden, die Welt wird digitaler.“ Dass der Fußball darunter leide, sehe man etwa an der wachsenden Zahl von Spielgemeinschaften im Jugendbereich. Dieser Entwicklung müsse man sich anpassen, neue Dinge anstoßen.

Insgesamt ist Tremel mit der Entwicklung des virtuellen Sports beim SVK noch nicht restlos zufrieden. Der Kreis beschränke sich bisher auf die fünf aktiven Spieler und wenige weitere Personen. Corona machte ihm seine Ideen vorerst zunichte. „Der Plan war“, sagt Tremel, „dass sich die Spieler im Vereinsheim treffen und spielen.“ In einer Art offiziellem Training, wie im realen Fußball auch. Die Spiele könnten auf Leinwand gestreamt werden, es fände ein reger Austausch zwischen den Abteilungen statt und das Interesse könnte steigen. Doch eines ist Tremel wichtig: „Ich sehe eSport nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung zum Fußball.“

SC Rohrenfels hat die direkten Duelle gewonnen

Dass eSport in Bayern eine Zukunft hat, glauben sowohl Tremel als auch Berger. Denn der Verband ist bestrebt, das Projekt weiter voranzutreiben. Erst kürzlich gab es zwei weitere Turniere, eines davon war ein Pokalwettbewerb. Zudem wurde eine Plattform im Internet eingerichtet, die den Vereinen bei eigenen Turnieren hilft. „Der Verband schiebt ordentlich an, gibt den Vereinen Hilfestellungen und bietet Abwechslung“, berichtet Berger, der sich gut vorstellen kann, dass es künftig mehr Teilnehmer und weitere Spielklassen geben wird. „Ich glaube, dass vielen Vereinen bisher nicht bewusst ist, dass es diesen Ligamodus gibt“, glaubt Berger. Fifa sei populär, werde von vielen gespielt. Das Potenzial sei definitiv vorhanden.

Berger würde eine Ausweitung jedenfalls begrüßen, Tremel auch. „Die Spiele gegen Rohrenfels haben Derbycharakter“, sagt Tremel. Berger spricht von „ziemlich anonymen Partien“ gegen Kontrahenten bis aus dem Nürnberger Raum. „Gegner aus der näheren Umgebung würde man persönlich kennen, was ich mir schon cool vorstellen würde“, fügt Tremel an. Ein besonderer Reiz könnte entstehen, wenn die Punktspiele – sofern es die Coronaentwicklung zulässt – im Sportheim übertragen würden. Die beiden direkten Duelle entschied im Übrigen der SC Rohrenfels für sich (5:4, 4:1). Tabellarisch sehen beide Vereine Verbesserungsmöglichkeiten. 18 Teams treten in der Landesliga West an, Rohrenfels ist nach 20 Spieltagen Tabellen-14., Klingsmoos 16. „Da ist definitiv Luft nach oben“, sagt Tremel, Berger nennt für den SCR Platz elf als Ziel.

Um dieses zu erreichen, werden Vorlagen von Müller und Tore von Lewandowski nötig sein. Dass nur bayerische Teams gewählt werden dürfen, findet Berger in Ordnung. „Selbst wenn nicht, würden die meisten wohl mit Bayern, Real, PSG oder Manchester City spielen. Das wäre auch keine viel größere Abwechslung.“ Mit seinem Lieblingsverein würde er wohl ohnehin nicht antreten, sagt Berger mit einem Schmunzeln: „Leider bin ich Fan des FC Schalke 04.“

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