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Basketball

30.03.2020

Zwei Neuburger und ihre Leidenschaft: Basketball oder nichts

Zwei Neuburger, die künftig mit dem MTV ingolstadt in der Bayernliga spielen: Basketball ist die große Leidenschaft von Lukas Gesche (links) und Dennis Stauber.
Bild: Benjamin Sigmund

Plus Die Neuburger Lukas Gesche und Dennis Stauber sind mit dem MTV Ingolstadt in die Bayernliga aufgestiegen. Eine Geschichte über Freundschaft, Stärken und Zweifel.

Lukas Gesche und Dennis Stauber würden jetzt natürlich am liebsten Basketball spielen. Die Neuburger teilen die Leidenschaft und Hingabe für diesen Sport. Wer ihnen beim Erzählen zuhört, kommt zu dem Schluss, dass ein Tag ohne Basketball beinahe ein verlorener ist. Im Moment – da geht es ihnen nicht anders als den meisten Menschen – müssen sie auf ihr Hobby verzichten. Die Einschränkungen durch das Coronavirus machen es schlicht nicht möglich.

Doch diese Geschichte soll die aktuelle Krise nur am Rande behandeln. Ganz vermeiden lässt sich das Thema allerdings nicht. Die Entscheidung des Bayerischen Basketball-Verbandes, die Saison abzubrechen und keine Meistertitel zu vergeben, trifft Gesche und Stauber besonders hart. Denn ihrem Verein, dem MTV Ingolstadt, ist der erste Platz rechnerisch schon seit einigen Wochen nicht mehr zu nehmen. Die Titelsause samt Sektduschen haben die Neuburger gemeinsam mit ihren Mitspielern nach einer beeindruckenden Saison bereits genossen. 15 von 16 Saisonspielen haben die Schanzer Baskets, wie sich der Verein nennt, vor dem Abbruch in der Bezirksoberliga ausgetragen. Alle 15 wurden gewonnen, die Konkurrenten meist demontiert. Siege mit über 30 Punkten Vorsprung waren keine Seltenheit. Die Meistertrikots sind längst gedruckt. „We the champs“ ist groß auf den T-Shirts zu lesen, die sich Gesche und Stauber auch zum Termin angezogen haben. „Wir müssen einfach Meister sein, es fehlt nur ein Spiel“, sagt Gesche. Er fühlt sich als Titelträger, auch wenn er es offiziell nicht ist. Schließlich liegt eine anstrengende Saison hinter den Spielern. Eine intensive Vorbereitung, drei Trainingseinheiten pro Woche. Dazu Extraschichten und die Spiele selbst. Und am Schluss die Krönung.

Auf Umwegen zum MTV Ingolstadt

Die Geschichten der beiden leidenschaftlichen Basketballer und engen Freunde bis zu ihrem größten sportlichen Erfolg weist einige Unterschiede auf. Gesche, 22 Jahre alt, begann im Alter von 16 mit dem Sport, der zu seiner großen Leidenschaft werden sollte. Nach nur einem Jahr beim TSV Neuburg wechselte er nach Donauwörth. Dort spielten zum einen gleichaltrige, was in Neuburg nicht der Fall war, zum anderen konnte er sich auf einem höheren Spielniveau beweisen. Gesche sammelte erste Bayernligaerfahrung, ehe er vor drei Jahren aus Studiengründen zum MTV Ingolstadt weiterzog.

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Nicht zu stoppen: Gesche im Trikot des MTV Ingolstadt. 
Bild: Michael Schafbauer

Nach dem Bayernliga-Abstieg in seiner ersten Spielzeit folgten für den 1,91-Meter-Mann zwei Jahre mit den Schanzern in der Bezirksoberliga, die nun mit Platz eins gekrönt wurden. Für Dennis Stauber bedeutete die Bezirksoberliga völliges Neuland, als er im Herbst 2019 den Schritt zum MTV Ingolstadt wagte. Bis dahin war der 26-Jährige lediglich für seinen Heimatverein TSV Neuburg in der tiefsten Liga, der Bezirksklasse, aktiv. Dementsprechend groß war der Respekt vor dieser Herausforderung. Sogar Selbstzweifel mischten sich in die Gedanken Staubers. „Ich wusste nicht, ob ich stark genug für den Kader bin“, sagt er ehrlich. „Ich habe schon beim TSV nicht sehr viele Punkte gemacht. Das Spiel war weniger strukturiert. Zwei Klassen höher hatte jede Offensive ein System. Ob ich da meine Rolle finden kann, war so eine Sache.“ Nach Anfangsschwierigkeiten hat er die eigenen Erwartungen sogar weit übertroffen.

Die Mannschaft steht an erster Stelle

Trotz Rotation in einem 16-Mann-Kader erhielten die beiden Neuburger mit die meiste Spielzeit. Die Rolle, die sie dabei ausfüllten, ist in jedem Mannschaftssport entscheidend. Gesche und Stauber definieren sich als Teamplayer, sind sich für nichts zu schade. Lassen die Mitspieler glänzen. „Ich sehe mich in erster Linie als Defensivspieler“, sagt Stauber, dessen Aufgabe es meist war, den gegnerischen Spielmacher zu verteidigen. In eigenem Ballbesitz habe er es „nie als meine Stärke gesehen, in die Zone zu ziehen. Lieber spiele ich den Ball zu Leuten, die dort gefährlicher sind.“ Gesche nickt und fügt eine Eigenschaft seines bescheidenen Freundes hinzu: „In der Offensive hat er schon auch mal den ein oder anderen Dreier reingehauen.“ In Sachen Mannschaftsgeist muss sich Gesche nicht verstecken. „Ich stelle mich hinten an und versuche, alles zu geben, damit das Team gewinnt. Mir ist wichtig, dass die Mannschaft funktioniert und gute Stimmung herrscht.“ Er forciere nicht, mit Gewalt Punkte auf eigene Faust zu erzielen, auch wenn „ich durchaus Würfe nehme und mich darauf verlasse, vor allem aus der Mitteldistanz.“ Die große Stärke von Gesche sei es, meint Stauber, „sich anzupassen. Er kann viele Rollen übernehmen, auf dem Flügel oder auch näher zum Korb. Außerdem ist er ein guter Ballverteiler.“

Stauber ist fast jeden Tag in der Halle

Eigenschaften, die sich die beiden zum Teil mit harter Arbeit selbst aneignen mussten. Denn Gesche begann erst mit 16 Jahren mit Basketball, Stauber mit 14. „Das Spielverständnis ist bei Spielern, die früher begonnen haben und in der Jugend höherklassig aktiv waren, größer“, sagen beide. „Aber“, so Stauber, „wir haben richtig viel Gas gegeben, waren sogar vor Trainingseinheiten noch auf dem Hartplatz und haben gezockt.“


Volle Konzentration: Dennis Stauber beim Freiwurf.
Bild: Michael Schafbauer

Was sie in ihrer eigenen Kindheit sportlich zum Teil verpasst haben, geben sie nun selbst an Jugendliche weiter. Denn die Geschichte von Stauber und Gesche über deren Leidenschaft zum Basketball endet nicht als Spieler. Gesche trainiert gemeinsam mit einem weiteren Coach die U18 des MTV Ingolstadt, Stauber betreut die U-18-Mannschaft des TSV Neuburg und mit einem Partner die U16 der Schanzer. Und weil ihm das offenbar noch nicht genug ist, pfeift er als Schiedsrichter Spiele bis zur Bezirksoberliga. Dann kommen für den Messtechniker schon mal sechs Tage in der Woche zusammen, die er in der Halle verbringt. Spieler, Trainer, Schiedsrichter, wie bringt er das alles unter einen Hut? „Man muss bei Überschneidungen Prioritäten setzen“, sagt Stauber, „letztlich profitiere ich bei jeder Aufgabe von den Erfahrungen aus den anderen Bereichen.“

Die Bayernliga wird eine große Herausforderung

Künftig könnte es für Stauber sogar noch etwas komplizierter werden, sämtliche Tätigkeiten mit voller Energie auszuüben. Auch wenn der Meistertitel nicht vergeben wird, darf der MTV Ingolstadt in die Bayernliga aufsteigen. Dort warten weitere Fahrten. Und bessere Gegner. Die anfänglichen Zweifel sind bei Stauber inzwischen gewichen. Sein Ehrgeiz ist groß. „Ich freue mich darauf, mich mit noch besseren Gegnern zu messen.“ Vor allem in seinem Kerngebiet, der Defensivarbeit, wird er es seinen Kontrahenten alles andere als leicht machen. „In der Defensive geht es um den Willen“, sagt Gesche. Und der sei bei Stauber ausgeprägt vorhanden. Der 22-Jährige weiß ohnehin, was in der Bayernliga auf seine Mannschaft zukommt. „Der Sprung ist ziemlich groß. Die Teams sind vielseitiger, schwieriger auszurechnen. Die Spieler sind größer, schneller und stärker.“

Ein Problem sollte das für Stauber und Gesche nicht werden. Sie freuen sich auf die Herausforderung. Bleibt noch die Frage, wie sich die beiden kenngelernt haben? Beim Basketball. Natürlich. Gesche spielte mit Freunden auf dem Hartplatz. Stauber kam hinzu und überzeugte die Jungs, Basketball im Verein auszuprobieren und trainierte sie. Gesche blieb dabei, es entwickelte sich eine dicke Freundschaft über die Leidenschaft für ihren Sport hinaus. „Basketball ist alles für uns“, sagen sie. Am liebsten würden sie einfach nur spielen. Endlich wieder.

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