Lange hatte der Schwergewichtsheber Christian Wohlfarth mit Verletzungen und schwerwiegenden Rückschlägen zu kämpfen. Durch seinen neuen Trainer fand der Hüne erneut zu seinen Bestleistungen und tritt im August bei der Weltmeisterschaft in Schottland an. Derzeit befindet sich der Familienvater in der Vorbereitung auf den Wettkampf und spricht offen über das Thema Mindset. „Es war schon fast bescheuert“, fasst der 41-Jährige seine überraschende Teilnahme beim „Natural Central European Strongest“ Wettbewerb zusammen. Nach einem verletzungsgeprägten Jahr war dies „Balsam für die Seele“ des Extremsportlers. Dass er nur wenige Wochen später auf dem Siegerpodest stehen würde, hätte sich der Familienvater wohl nicht einmal im Traum vorstellen können.
Erst Bandscheibenvorfall, dann Knieverletzung
Dabei stand eine Teilnahme an einem Wettkampf im Sommer 2025 nicht einmal zur Option: Zuerst schlug sich Wohlfarth mit einem Bandscheibenvorfall herum, bei dem eine aufwendige Eigenbluttherapie nötig war, um Folgeschäden zu verhindern. Kurz darauf „schepperte“ es im Knie des Extremsportlers – die nächste Zwangspause. „Da wurde ein Knorpelschaden Grad vier diagnostiziert“, erklärt der Neuburger. Eine Verletzung, bei der die meisten Sportler wohl das vorzeitige Karriereende verkündet hätten. Nicht aber Wohlfarth: Durch eine lange Therapie und einen nachhaltigen Trainingsplan konnte sich der Hüne wieder aufbauen und bereits fünf Monate später die erste Wettbewerbsteilnahme verkünden. Primär sollte die Veranstaltung, welche sein eigener Trainer organisierte, nur zur Standortbestimmung dienen. „Ich wollte einfach wissen, zu was mein Körper imstande ist“, erklärt Wohlfarth. Doch nur wenige Stunden später stand der Schwergewichtsheber auf dem Siegerpodest und durfte sich „stärkster Mann Zentraleuropas“ nennen. Durch den Sieg qualifizierte sich Wohlfarth zusätzlich für die Weltmeisterschaft in Schottland im kommenden August. „Ich habe gemerkt, dass ich es anscheinend noch kann“, schmunzelt der Sieger über seine eigene Leistung.
Wohlfarth muss bei der WM in acht Disziplinen bestehen
Die Frage, ob er bei der Weltmeisterschaft teilnehmen wird, stand dabei gar nicht mehr zur Diskussion. „Das wird der krasseste Wettkampf bisher“, freut sich der Hüne und fügt an: „Zwei Tage und acht Disziplinen muss ich bestehen.“ Die Rückschläge des vergangenen Jahres hat Wohlfarth dabei längst hinter sich gelassen. Eine Verletzung sei für ihn noch nie ein Grund gewesen, eine Sportart vorzeitig zu beenden und gar einen Wettbewerb nicht anzutreten. „Wenn ich aufhöre, möchte ich es selbst bestimmen“, erklärt der Neuburger. Über mögliche Spätschäden macht sich der Extremsportler ebenfalls wenig Sorgen: „Ich bin meinem Körper gegenüber manchmal ein Dickschädel“, lacht er und ergänzt: „Bisher habe ich keine Langzeitschäden durch die Sportart bekommen.“ Hätte er sich am vergangenen Wettkampf jedoch unter den letzten Plätzen befunden, wäre das Karriereende laut ihm womöglich doch näher gewesen als gedacht. Der Erfolg unterstreiche jedoch nur seine Motivation, weiterhin den Extremsport auszuführen.
Ein Arbeitsunfall änderte seine Denkweise
Dieses Mindset war bei Wohlfarth jedoch nicht immer vorhanden: „Ich bin vor ziemlich genau einem Jahr in ein Loch gefallen“, erklärt er. Nach der Diagnose seiner Rückenverletzung trainierte der Extremsportler sich selbst und hatte vor allem mental Schwierigkeiten. „Ich habe mich selbst bei zahlreichen Übungen belogen“, erklärt der Neuburger. Sowohl bei der Wiederholungsanzahl als auch bei Laufübungen scheiterte es an den Ausführungen. Der Umschwung gelang Wohlfarth durch seinen neuen Trainer Thomas Steinacker, durch den ein neuer Trainingsplan die Rückkehr zur Höchstleistung gewährleistete.
Ohne ein prägendes Ereignis im Leben des Familienvaters wäre die erneute Rückkehr jedoch laut Wohlfarth nicht möglich gewesen. „Seit meinem Unfall denke ich anders“, erklärt er und spricht dabei von seinem Arbeitsunfall, bei dem der Chemiearbeiter im Koma lag. Dadurch fand der Neuburger heraus, wie wichtig das Zusammenspiel von Kopf und Körper ist. „Jammern hilft nichts“, sagt er. In der Vorbereitung auf den vergangenen Wettkampf musste sich Wohlfarth dabei einigen Herausforderungen stellen: Bei Schnee und Wind trainierte der Sportler, um wieder auf das alte Leistungsniveau zu kommen: „Da hat es mich halt auch mal mehrfach aufs Maul gelegt“, lacht Wohlfarth und fügt an: „Ohne diese Einheiten wäre ich nicht mehr auf das jetzige Niveau gekommen.“
Dabei gibt der Schwergewichtsheber zu, dass er selbst vor seinem Arbeitsunfall Mindsetprobleme gehabt habe. Ohne diesen Unfall hätte er laut eigener Aussage wohl kaum zu den Erfolgen der vergangenen Jahre gefunden. „Da habe ich selbst nur Ausreden gesucht und alles schlecht geredet“, erklärt er. Mittlerweile hat Wohlfarth zu seinen eigenen Stärken zurückgefunden und ein unglaublich starkes Mindset entwickelt.
Er half auch anderen Sportlern bei der Persönlichkeitsentwicklung
Der Extremsportler konnte bereits auch anderen Sportlern bei der Entwicklung der eigenen Persönlichkeit helfen. Durch einen Zeitungsbericht der Neuburger Rundschau kam der Chemiearbeiter mit einer jungen Leichtathletin des TSV Neuburg in Kontakt und half ihr, die letzten Prozente rauszuholen. Nach einer ausführlichen Unterhaltung meldete sich die Sportlerin wenige Tage später mit einer neuen Bestzeit bei Wohlfarth. „Das war für mich natürlich ein unglaublich schöner Moment“, erklärt der Schwergewichtsheber.
Das Thema Mindset wird für Wohlfarth selbst bereits in wenigen Monaten ein wichtiger Punkt, um bei der Weltmeisterschaft zu bestehen. Unter einem neuen Verband nimmt der Neuburger am wohl schwersten Wettbewerb seiner Karriere teil und hat die Chance, sich erneut Weltmeister zu nennen. Der letzte Titel sei laut ihm jedoch nur ein „Kinderfasching“ gewesen im Gegensatz zu den Disziplinen, die ihm nun blühen.
Dennoch zeigt sich Wohlfarth optimistisch. „Wir trainieren wöchentlich zehn bis zwölf Stunden“, erklärt er und fügt an: „Mit gescheiter Vorbereitung rechne ich mir durchaus Chancen aus.“ Seine weitere Zukunft lässt der Neuburger erst einmal offen: „Ich warte erst einmal die Weltmeisterschaft ab“, erklärt er und schmunzelt: „Und wenn ich danach meine Wettkampfbeteiligung beende, entscheide erst recht ich das.“
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