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Donau-Ries

29.06.2016

150 Tiere tagelang sich selbst überlassen

Vor allem zahlreiche Degus haben im Nördlinger Tierheim vorübergehend ein neues Zuhause gefunden.
Bild: Franziska Wolfinger

Der Betreiber einer Zoohandlung tauchte offenbar tagelang nicht in seinem Geschäft auf. Das Veterinäramt musste die Tiere erst einmal anderweitig unterbringen.

Besorgte Bürger hatten vor wenigen Tagen das Nördlinger Tierheim verständigt. Sie hätten beobachtet, dass der Besitzer einer Zoohandlung des Landkreises über längere Zeit nicht mehr in seinem Geschäft gewesen sei. Die Tiere befänden sich jedoch noch im Laden, wie man durch die Scheiben sehen könne. Mitarbeiter des Tierheims und die Polizei waren daraufhin vor Ort und verschafften sich Zugang zu den Geschäftsräumen.

Bei sämtlichen Aquarien und Terrarien sei der Stecker gezogen gewesen. Ohne funktionierende Wasserpumpe beziehungsweise Wärmelampe sind diese dann natürlich kein geeigneter Lebensraum für die Tiere mehr. Trotzdem hätte der Ausstellungsraum noch einen einigermaßen passablen Eindruck gemacht, so die Leiterin des Tierheims, Manuela Kaußen. Raum für Raum sei es dann aber immer schlimmer geworden.

Im Keller bot sich schließlich ein bestürzendes Bild: Wasser und Futter für die Tiere waren zwar da, aber die Käfige extrem verschmutzt. Teilweise lagen verendete Tiere zwischen den lebenden. Neben den Käfigen fanden die Mitarbeiter des Tierheims schon zu Stapeln zusammengetragene tote Kaninchen. Außerdem litten die Tiere an massivem Parasitenbefall. In den Tierkadavern hatten sich zum Teil sogar schon Würmer ausgebreitet.

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Die lebenden Tiere wurden zunächst ins Nördlinger Tierheim gebracht. Das Heim stößt damit aber an die Grenze seiner Kapazitäten und ist gegenwärtig voll ausgelastet. Insgesamt waren es 108 Tiere, größtenteils Nager wie Kaninchen, Degus und Mäuse, für die ein Platz gefunden werden musste. Diese Zahl wird aber noch steigen. Männchen und Weibchen wurden nämlich nicht getrennt voneinander gehalten.

Bei den Afrikanischen Knirpsmäusen gebe es bereits Nachwuchs. Auch fünf Vögel mussten aufgenommen werden. Kaußen steht schon im Kontakt mit Tierheimen aus der Umgebung, um zu klären, ob dort ein Teil der Tiere untergebracht werden kann. Reptilien und Amphibien wurden in die Reptilienauffangstation nach München gebracht. Dort sind sie tier- und verhaltensgerecht untergebracht. 43 Tiere wurden von den Mitarbeitern der Auffangstation abgeholt.

Der Fall wurde dem zuständigen Veterinäramt in Donauwörth übertragen. Dort konnte man noch keine Auskunft geben, wie lange die Tiere in den Heimen in Verwahrung bleiben müssen. Das Wichtigste sei zunächst gewesen, die Tiere schnell wegzubringen, so Dr. Thomas Kellner. Was dann passiere, komme auch darauf an, wie kooperativ und einsichtig der bisherige Halter sei, der schließlich das Eigentumsrecht an den Tieren habe.

Eine Möglichkeit wäre jetzt, dass er sein Eigentum aufgebe. Ab diesem Zeitpunkt könnten die Tiere an neue Besitzer weitervermittelt werden. Es sei jedoch wichtig, dass der juristisch korrekte Weg gegangen werde, indem zuerst ein entsprechender Bescheid an den Betreiber der Tierhandlung geschickt werde.

Der Vorsitzende des Tierschutzvereins Nördlingen, Wulf-Dietrich Kavasch, geht davon aus, dass das Veterinäramt Anzeige gegen den Betreiber der Zoohandlung erstatten werde. „Es wird eine Verhandlung geben“, glaubt er. Daneben rechne er auch mit einem Tierhaltungsverbot für den Betreiber.

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