Im Jahr 1920 wurde auch das Kinderturnen aufgenommen, das sogleich 230 Teilnehmer zählte. Die Aufwärtsentwicklung im Verein hielt an, obgleich in diesem Jahre auch die sogenannte Freie Turnerschaft in der Stadt Fuß fasste und im März 1921 einen Arbeiterturnverein gründete.
Auch im Hinblick auf die Sportstätten brachte das Jahr 1921 eine grundlegende Neuerung. Damals wurde nämlich hinter der Turnhalle an der Augsburger Straße ein großer Spielplatz mit Rundlauf angelegt und ein Aus- und Ankleideraum errichtet. Der Sportplatz war dann auch Austragungsort für so manches Handballspiel. Schon in den 1920er Jahren wurde die neue Sportstätte zum Motor der Weiterentwicklung des Sports in Nördlingen. Die Anhänger des Rasensports - wie Fußball und Leichtathletik - mag der neue Platz nämlich bewogen haben, 1922 aus dem Turnverein auszuscheiden und einen "Verein für Rasenspiele Nördlingen", den "VfR" zu gründen.
Der Turnverein, der damals bereits 1031 Mitglieder zählte, konnte im darauf folgenden Jahr, also 1923, gut aufgestellt sein 50-jähriges Bestehen feiern. Die Zeiten waren bei der damaligen Wirtschaftskrise mit zunehmender Inflation - die Aufnahmegebühr betrug im September 1923 ganze 100 000 Mark - alles andere als dazu angetan, ein rauschendes Fest zu feiern. Aber dennoch gelang es, eine abwechslungsreiche Veranstaltung mit Empfang, Festspiel und Festzug, Wettturnen, Stadtbesichtigung, Konzert und Ausflug ins Kartäusertal zu organisieren.
Die Aufwärtsentwicklung hielt an. 1925 wurde das Feld-Handballspiel in Nördlingen aufgenommen und 1927 war Schwimmsport angesagt! Auch wenn sich die Schwimmabteilung bereits 1929 selbstständig machte, so trat 1931 der Radfahrerverein Nördlingen geschlossen dem Turnverein bei. In diesem Jahr verlegte der Verein das Vereinslokal vom "Walfisch" in die "Engelbrauerei".
Bezirksturnfest ausgerichtet
Nördlingen war nun eine bekannte Sportstadt. Anders ist es nicht zu erklären, dass man ihr die Ausrichtung des 8. schwäbisch-bayerischen Bezirksturnfestes zutraute. Viele Freiwillige halfen mit beim Aufbau des Festzeltes. Vom 13. bis 15. August 1932 kamen trotz damaliger Wirtschaftskrise 2500 Sportler nach Nördlingen, um auf dem Sportplatz hinter der Turnhalle zu turnen, zu laufen, zu fechten und zu werfen. Am Montagabend konnte man viele zufriedene Gäste am Nördlinger Bahnhof verabschieden, nachdem noch im kleinen Saal des "Deutschen Hauses" eine Fotoausstellung mit Impressionen von diesem Großereignis gezeigt worden war. Man war sich einig: Das finanzielle Defizit dieser Veranstaltung war im Rahmen geblieben und die Nördlinger Geschäftswelt hatte ja auch von den vielen Gästen profitiert.
Wir schreiben das Jahr 1933 - ein mit der Machtergreifung Adolf Hitlers für die deutsche Geschichte so unheilvolles Jahr! Das braune Regime mit seiner Wahnsinnsidee von einem "Tausendjährigen Reich" drang mit einer ausgeklügelten Propagandamaschinerie von nun an in alle Lebensbereiche vor. In Bezug auf die Vereine hieß das "Gleichschaltung" unter die Ideologie der Nationalsozialisten. Noch aber lief in Nördlingen die Vereinsarbeit ungestört weiter.
"Das Jahr 1933 war wieder überreich an turnerischer Arbeit und anderen bedeutenden Vorkommnissen", konnte damals noch festgestellt werden. Das aber hieß: Man beschickte weiterhin Turnfeste in der näheren und weiteren Umgebung, wobei zu den Höhepunkten des Jahres sicherlich das 15. Deutsche Turnfest vom 21. bis 23. Juli 1933 in Stuttgart gehörte. Über 100 Nördlinger Turner fuhren dorthin, die Senioren Georg Rommel und Heinrich Goschenhofer wanderten in zwei Tagen nach Stuttgart. Fast 300 Sonderzüge brachten damals aus allen Teilen des Reiches Festteilnehmer in die Stadt am Neckar. Vier Nördlinger waren überaus erfolgreich: Fritz Goschenhofer im Fünfkampf sowie die drei Mitglieder der 1933 eröffneten Kleinkaliberabteilung: Nikolaus Feil, Hans Goschenhofer und Wilhelm Möstel.
Nach dem Stuttgarter Turnfest erfolgten die allmähliche Auflösung der bestehenden Turn- und Sportvereine und ihre Übernahme in die Dachorganisation des Nationalsozialistischen Reichsbunds für Leibesübungen (NSRL). Die Festschrift von 1936 formulierte dazu: "Alsbald schlossen sich viele Mitglieder der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei - soweit sie nicht schon angehörten - an, und der Turnbetrieb musste der neuen Bewegung angepasst und die ganze Vereinsleitung der Forderung der Zeit gemäß umgestaltet werden." Da war es nur noch ein kleiner Schritt zu dem Beschluss vom 29. August 1935, dass jeder Turnzögling der Hitlerjugend angehören müsse.
Die Beanspruchung der Menschen durch die NS-Verbände führte dazu, dass nur noch wenig Raum blieb für sportliche und persönliche Betätigung. Die jungen aktiven Mitglieder von Turnverein und Verein für Rasensport sahen in einer gemeinsamen Vereinigung eine "gesündere Grundlage" für eine fruchtbare Arbeit und schlossen sich im Mai 1938 nach nur wenigen Verhandlungsstunden unter Führung von Dr. Ludwig Thum vom TV und Hans Mohr vom VfR zum "TSV 1861 von Nördlingen" zusammen.
Aber schon im Jahr der Zusammenlegung der beiden Vereine waren die ersten Anzeichen für einen bevorstehenden Krieg zu spüren, der dann auch mit dem Überfall Hitler-Deutschlands auf Polen am 1. September 1939 begann. Dem neu geschaffenen Großverein war also kaum mehr Zeit geblieben zu friedlicher sportlicher Arbeit.
1945, am Ende eines fürchterlichen Krieges, stand der Zusammenbruch des sogenannten Tausendjährigen Reiches mit geschätzten 60 Millionen getöteten Menschen weltweit. Auch aus den Reihen des TSV 1861 Nördlingen hatten viele Menschen den Tod gefunden oder waren damals noch vermisst.
Nach 1945 musste ein neuer Anfang gesucht werden. Da der TSV 1861 Nördlingen seitens der Alliierten verboten war, fanden sich die Turner und Sportler im Jahre 1946 zunächst in einem "FC", dann im "VfL Nördlingen" als Nachfolgeorganisationen des aufgelösten TSV zusammen. Als die einschränkenden Bestimmungen gelockert wurden, nahmen die Mitglieder durch Mehrheitsbeschluss vom 20. Dezember 1948 wieder die alte Bezeichnung "TSV Nördlingen von 1861" auf. In Dr. Ludwig Thum, der dem Verein bereits 1938 vorgestanden hatte, stand erneut ein Mann zur Verfügung, der es verstand, Turner, Fußballer und Leichtathleten mit ihren oft unterschiedlichen Interessen im Großverein zusammenzufassen.
Alte Schranne neu genutzt
Auch viele der Heimatvertriebenen integrierten sich in den Vereinen und waren mit beteiligt am Aufbau neuer Abteilungen. Als 1949 der Tischtennisklub Nördlingen dem TSV beitrat und 1950 sich die Fechtabteilung dem TSV anschloss, da gehörte auch der eine oder andere Heimatvertriebene dem Verein an.
Nun aber zeigt es sich, dass das bisherige Angebot an Übungs- und Sportstätten keineswegs ausreichte. Neue Sportstätten mussten gesucht werden. Fündig wurde man zum Beispiel in der Alten Schranne, die nun Heimstätte wurde für die Tischtennisspieler und die Fechter.
Kreisfest zum 90. Geburtstag
Nördlingen war wieder auf dem Weg zu einer "Sportstadt". So war es auch kein Zufall, dass dem Verein anlässlich seines 90. Geburtstages im Jahre 1951 angeboten wurde, das 10. Schwäbisch-Bayerische Kreis-Turn- und Sportfest auszurichten. Über 2000 Turner und Turnerinnen waren für den 21./22. Juli 1951 angekündigt. Austragungsort war der Sportplatz hinter der Turnhalle. Das Festzelt wurde in der Nähe des Sportplatzes an der Ecke Voltzstraße/Oskar-Mayer-Straße aufgestellt, der Festabend fand im Saalbau des "Deutschen Hauses" statt. Ehrenvorsitzender Georg Beyschlag hielt die Festansprache, nach den üblichen Grußworten und Auszeichnungen gab es turnerische Vorführungen. Mit Fackelschwingen auf dem Platz vor dem Gasthaus und anschließendem Ball klang das Fest aus.
Die Nachkriegszeit war nicht nur die Zeit des Wiederaufbaus und des deutschen Wirtschaftswunders, sondern auch die Zeit neuer Sportarten. Die in Deutschland stationierten US-Soldaten haben hierzulande nämlich Basketball populär gemacht. Da blieb es nicht aus, dass 1952 auch in Nördlingen zum ersten Mal offiziell Basketball gespielt wurde. Kaum jemand konnte damals ahnen, dass Nördlingen zuerst durch die Herrenmannschaften - und dann auch durch die nicht minder erfolgreichen Damenteams zur deutschlandweit geachteten Basketball-Hochburg werden würde.
Internationaler Läufervergleich
Bleiben wir in den 1950er Jahren: Nördlingen als überregional bedeutende Sportstadt war auch 1954 in aller Munde. Damals waren TSV und Stadt Ausrichter des sogar im Radio übertragenen internationalen Läuferwettkampfs über 30 km mit Start und Ziel auf dem Turnplatz an der Augsburger Straße. Beteiligt waren Läufer aus Österreich, der Schweiz und aus Deutschland. Die Strecke führte damals - ähnlich wie beim heutigen Halbmarathon - bis nach Bopfingen und darüber hinaus.
Vielleicht zeichnete es sich damals schon ab, dass das Sportgelände hinter der Turnhalle ausgebaut und saniert werden musste. 1956 jedenfalls wurde auf dem oberen Turnplatz eine beleuchtete Hartplatzanlage geschaffen, ein Platz, der ja vor allem für die Handballer zur "Stätte des Triumphs" werden sollte, auch wenn die auf dem harten Boden erlittenen Prellungen manchem Spieler sicher lange in Erinnerung geblieben sind.
Die Bergerwiese kommt
1957 ging es dann an die Instandsetzung des Spiel- und Sportplatzes hinter der Turnhalle. Für die Zeit der notwendig gewordenen Arbeiten wurde ein Ausweichplatz auf der Kaiserwiese angelegt, wo der Verein von sich aus eine Beleuchtungsanlage anbringen ließ. Bald darauf nahm der Stadtrat den umfassenden Ausbau weiterer Sportanlagen in Angriff. So wurde mit dem Bau des Sportplatzes "Bergerwiese" auf dem Areal des ehemaligen Schuttplatzes hinter der Bergmühle begonnen, auf dem man dann schon im März 1961 Fußball spielte, obwohl die Anlage noch lange nicht fertig war. Parallel zu den Arbeiten an der Aschenbahn auf dem städtischen Sportplatz hinter der Turnhalle im Jahre 1961 lief die Planung für die Sportplatzanlage bei der Knabenvolksschule mit Sprunggrube und einer Laufbahn. 1963 war diese Anlage fertiggestellt.
Aber schon ein Jahr später wurde reklamiert, dass den Schulen und Vereinen schon seit 15 Jahren nicht genügend Turnhallen zur Verfügung stehen würden. Da musste schnellstmöglich Abhilfe geschaffen werden. Der Stadtrat reagiert unverzüglich: Bereits im Sommer 1964 verständigte er sich auf die Planung einer Mehrzweckhalle. Am 6. März 1967 konnte das ehrgeizige Projekt an der Gerhart-Hauptmann-Straße in Anwesenheit von Staatssekretär Anton Jaumann und vieler weiterer Ehrengäste eingeweiht werden. Gleich im ersten Jahr besuchten 60 000 Besucher das dazugehörige Hallenbad. Und zwischen Mehrzweckhalle und Theodor-Heuss-Gymnasium wurde in diesem Jahr eine moderne Außensportanlage mit Sprung- und Stoßanlagen sowie mit einer Laufbahn fertiggestellt.
Nördlingen schien seine Hausaufgaben in Sachen "Sport" gemacht zu haben. Aber die Entwicklung holte die Stadt schnell ein. Dass zu Beginn der 1970er Jahre der Breitensport auf dem Vormarsch war, konnte man auch in Nördlingen spüren. So zählte man allein in der neuen Sparte Frauengymnastik etwa 300 Mitglieder. Neu gegründet wurde damals auch eine Tanz- und Ballettgruppe, und die Einrichtung einer Übungsstunde für Mutter und Kind nahm Gestalt an.
Da verwundert es nicht, dass 1973 festgestellt wurde, die zur Verfügung stehenden Turnhallen würden nicht ausreichen. Konsequenterweise musste bei der Regierung von Schwaben beantragt werden, anstelle der im Wemdinger Viertel vorgesehenen "Normalturnhalle" eine "Dreifachturnhalle" zu planen. Und in Bezug auf die damals neuen Stadtteile ist das folgende Zitat von OB Dr. Keßler in seinem damaligen Bericht nicht ohne Interesse. Wörtlich: "Daß auf der Wunschliste des Stadtteils Löpsingen ebenfalls eine Sporthalle steht, ist nicht vergessen worden."
Als am 15. April 1977 das Richtfest der als Dreifachturnhalle errichteten "Schillerhalle" gefeiert und diese am 2. September desselben Jahres eingeweiht wurde, verfügte man in Nördlingen nun über sieben Hallen. Und hier in der Schillerhalle erhielt die 1949 gegründete Tischtennisabteilung eine neue Bleibe.
Die Sportstadt Nördlingen hatte aber noch nicht alle ihre Hausaufgaben gemacht. Denn schon damals wurde deutlich, dass im Grunde genommen völlig neue Weichen gestellt werden mussten. Ein schon 1972 in Auftrag gegebenes Gutachten hatte den Weg gewiesen: den Bau eines neuen Sport- und Freizeitzentrums und zwar möglichst in der Nähe von Schulen.
Meilenstein in der Geschichte
Acht Jahre später: Am 22. September 1980 berichteten die Rieser Nachrichten über die Fertigstellung des ersten Abschnitts der neuen Schul-, Sport- und Freizeitanlage an der Augsburger Straße. Das von langer Hand geplante Projekt sollte ein Meilenstein in der Geschichte der Sportstadt Nördlingen werden. Zwei Jahre später konnte nach 15-monatiger Bauzeit die Vierfachhalle von dem seit 1982 amtierenden neuen Rathauschef Paul Kling eingeweiht werden. Drei Tage lang, vom 5. bis 7. November des Jahres 1982, wurde die Vollendung der Vierfachturnhalle im Sportzentrum ausgiebig gefeiert mit Festakt, Tag der offenen Tür und einer "Sportschau" der Abteilungen des TSV Nördlingen.
Das Hallenangebot in der Stadt war nun auf elf Hallen erweitert. Man war also gerüstet für Großveranstaltungen, aber auch für den Breitensport. Dann kam das große Jubiläum "125 Jahre TSV 1861 Nördlingen". Vom 16. bis 18. Mai 1986 wurde ausführlich gefeiert.*
Auch 25 Jahre danach wird der Schwerpunkt der TSV-Feierlichkeiten übrigens im Wonnemonat liegen. Sportliche Höhepunkte wird es aber über das gesamte Jahr verteilt geben.
* Auf die von Dr. Sponsel in seinem Vortrag ausgeführten Ereignisse der Neuzeit wird hier verzichtet.