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Nördlingen

10.04.2020

27-jährige Rieserin leitet Nördlinger Intensivstation in der Corona-Pandemie

Die Leiterin der Nördlinger Intensivstation Lisa Seitz steht für die zahllosen Pflegekräfte und Mediziner, die gerade die Krise meistern.
Bild: Szilvia Izsó

Plus Die 27-jährige Lisa Seitz aus Marktoffingen behandelt Corona-Patienten im Stiftungskrankenhaus Nördlingen. Wie die Station auf die Krise vorbereitet ist.

Für die meisten Menschen ist das Wort mit Angst und Schrecken besetzt, für Lisa Seitz bedeutet es berufliche Leidenschaft: Intensivstation. Ihr standen bei der Berufswahl etliche Wege offen, doch sie stellte die Weichen immer wieder in Richtung dieser Herausforderung. Da waren zunächst verschiedene schulische Praktika, von denen die im Krankenhaus Donauwörth den Wunsch weckten, anderen Menschen zu helfen. In Dillingen absolvierte sie eine dreijährige Grundausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin, fand über die OP- und Narkoseabteilung des Zentralklinikums Augsburg zu einer Fachweiterbildung als Intensiv- und Anästhesie-Pflegefachkraft. Jetzt nimmt sie im Kampf gegen das Coronavirus im Ries eine Führungsrolle ein.

„Die vielfältigen Eindrücke auf den Intensivstationen haben mich dazu bewegt, in diesem Bereich zu bleiben“, resümiert Lisa Seitz. So ging die 27-jährige Marktoffingerin 2017 zurück in ihre Rieser Heimat, absolvierte eine Weiterbildung zur Stationsleitung und übernahm die Leitung der Nördlinger Intensivstation. Sie durchlief alle Abteilungen, also innere, Chirurgie, Notaufnahme, Anästhesie und natürlich Intensiv.

Eine Stationschefin braucht ein großes Herz

Auf die Frage, welche speziellen Fähigkeiten als Leiterin der Intensivstation nötig sind, fallen ihr augenblicklich rein menschliche Aspekte ein: „Man braucht vor allem ein großes Herz und die Liebe zum Menschen.“ Viel Geduld, Transparenz, Ausdauer, Motivation und Durchhaltevermögen seien dabei nötig und vor allem: „Das Wichtigste aus meiner Sicht ist, dass man Freude in seinem Beruf hat und versucht, die Interessen seines Teams und der Patienten auf einem gesunden Level den Vorgesetzten gegenüber durchzusetzen.“

Auf der Intensivstation landen Patienten nach Operationen und schwere Fälle sämtlicher Erkrankungen, allen voran Herzinfarkt-Patienten. Konkret gilt es, die von den Medizinern angeordneten Therapien umzusetzen, bei Intubation, Anlage von Kathetern oder intravenöser Medikation zu unterstützen; generell ist eine enge Absprache mit Medizinern aus allen Abteilungen nötig. Für Notfälle im Haus steht rund um die Uhr ein zwei- oder dreiköpfiges Team mit spezieller jährlicher Reanimations-Schulung und einem Rucksack mit Notfall-Equipment bereit. Jeder Notfall ist ein Sonderfall, doch es gelte: „Eine gewisse Routine ist notwendig, um adäquat handeln zu können.“

Seitz begleitet Menschen in Extremsituationen

Patienten und Angehörige befinden sich in einer Ausnahmesituation, doch der persönliche Kontakt und Gespräche während der Pflegemaßnahmen nehmen den Patienten schon einiges an Angst. Einfühlung ist allerdings eine wechselseitige Angelegenheit: „Nach so manchem Dienst nimmt man tatsächlich auch die Gedanken an die Ängste von Patienten und Angehörigen mit nach Hause. Manche Schicksalsschläge vergisst man nie.“ Umgekehrt sei es auch unglaublich schön, zu sehen, wie es Patienten nach schweren Erkrankungen wieder zurück ins Leben geschafft haben: „Da fühlt man sich in seinem täglichen Arbeiten sehr bestätigt.“

Die Corona-Krise verstärkt diese Bestätigung auch von außen: „Die Wertschätzung von Patienten und Angehörigen gegenüber dem Pflegepersonal ist gewachsen, wir erhalten viel positives Feedback“, sagt Lisa Seitz. Und fügt hinzu: „Ich hoffe sehr, dass das nach Corona nicht wieder erlischt.“ Auf die möglichen Herausforderungen der nächsten Wochen sei die Intensivstation gut vorbereitet, Lisa Seitz und ihre Kollegen gingen sie mit dem gewohnten Eifer an: „Wir haben eine zweite Intensiveinheit mit zusätzlichen Beatmungs-Kapazitäten in angrenzenden Räumen eingerichtet.“

Eine Station ist für Coronavirus-Fälle reserviert

Sie ist allein Corona-Patienten vorbehalten; diese und die anderen Patienten werden dann getrennt voneinander rundum versorgt. Zusätzliches Pflegepersonal aus anderen Abteilungen wurde im Schnellverfahren für die notwendigen Zuarbeiten ausgebildet. Die zweite Station kann jederzeit eröffnet werden: „Wir stehen bereit und werden unseren Beitrag leisten, um die Corona-Krise zu bewältigen.“

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