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Konzert II

11.07.2019

Abendliche Serenade unter freiem Himmel

Wegen der anfänglichen Wetterkapriolen schien das Open-Air-Konzert des Oettinger Bachorchesters im Hof des Schlosses eine Zitterpartie zu werden. Im weiteren Verlauf und bis zum Ende hellte sich der Himmel auf und das Publikum erlebte ein herrliches Konzert unter freiem Himmel mit den Nördlinger Bachtrompeten als engagiertes Gast-Ensemble.
Bild: Ernst Mayer

Das Oettinger Bachorchester musiziert zusammen mit dem Nördlinger Bachtrompetenensemble

Die Konzertbesucher haben bereits auf den Stühlen im Schlosshof Platz genommen, die Musiker betreten das Podium und der Dirigent ist bereit, den Einsatz zu geben …

Leichtes Nieseln beginnt, wenige Tropfen fallen – der Super-Gau für ein Freiluftkonzert, wie es im Schlosshof Oettingen beginnen sollte. Schnell verziehen sich die Musiker zum überdachten Eingang, in Angst um ihre wertvollen Instrumente. In wenigen Minuten, so die Wetterstation, würde das anziehende Gewitter abgezogen sein.

Nach kurzem Warten hört der Regen auf, die Musiker kehren zurück und Dirigent Günter Simon gibt das Zeichen zum Beginn der „Orchestersuite Nr.3 D-Dur“ von Johann Sebastian Bach, ein Werk, das für ein Freiluftkonzert sehr geeignet ist, da es durch die Feierlichkeit seiner Ouvertüre und den Glanz des Trompetenklangs einen sehr eindrucksvollen Einstieg schafft. Dafür bürgen die drei Mitglieder des Nördlinger Bachtrompeten-Ensembles, Rainer Hauf, Paul Lechner und Armin Schneider. Das fein abgestimmte Paukenspiel von Tom Lier verstärkt den virtuosen Charakter des Trompetenspiels auf den kleiner mensurierten Bachtrompeten. Da wirkt die folgende „Air“ wie eine Aufforderung, die innere Ruhe zu finden. Die Streicher des Oettinger Bachorchester meistern dieses transparente Stück mit exakter Intonation und lassen sich dabei von dem völlig entspannten Dirigenten Günter Simon geleiten. Mit Pauken und Trompeten heben die Gavotten I/II zu erneutem kraftvollen Spiel an, das aber wiederum am Schluss von Nieselregen begleitet wird und zu einem vorläufigen Abbruch führt.

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Bald verziehen sich die Wolken mit ihrem Regen wieder, sodass man mit Georg Philipp Telemanns „Konzert für 3 Trompeten, Pauken und Orchester“ die abendliche Serenade fortsetzen kann. Ein würdevoller Einzugsmarsch eröffnet das Largo, geprägt von den hohen Trompetenstimmen, die von dem versierten Ensemble in permanenter Spannung bestens intoniert werden. Das folgende Allegro vereinigt alle Orchestermitglieder und erfüllt den weiten Schlosshof, zur offensichtlichen Freude der im Rhythmus klappernden Störche auf den Dachfirsten und in ihren Nestern. Das ruhig schwingende Adagio gestaltet das Streichorchester als Ruhepunkt des Werks und gibt im Schlusssatz den Trompeten und Pauken, samt den übrigen Bläsern den Raum frei, für spielerische Triller und rhythmische Leidenschaft.

Die „Italienische“ nennt man Felix Mendelssohns „Sinfonie Nr. 4 in A-Dur op. 90“, die er unter dem Eindruck einer Italienreise geschrieben hat und die, vermutlich wegen ihres lebensfrohen Charakters, am meisten gespielt wird. Die große Popularität genießt sie besonders auch bei solch frohen Anlässen im Freien, mit einem Aufmerksamkeit heischenden Anfangssatz, einem wiederkehrenden Liedthema im Andante, einem von Hörnern und Flöten bestimmten, moderaten Zwischenspiel und einem rhythmisch betonten und sich temposteigernden Saltarello. Ein fetziger Schluss aller wird von Pauken und Trompeten angeführt.

Ein tolles Ende unter heiterem Himmel nach anfänglichem Zitterspiel. In Erleichterung über den guten Ausgang erhält es einen überwältigenden Beifall. Darum bekommen die Zuhörer nach der „Italienischen“ die „Pariser“ Sinfonie von W. A. Mozart dargeboten, die „31. Sinfonie D-Dur, 3. Satz“ als Zugabe und Belohnung für die wetterbedingte Geduld.

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