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CB-Funk als Hobby

05.04.2020

Abendunterhaltung auf Kanal 18

CB-Funker Berthold Knaus frönt seit 1985 seinem Hobby.
Bild: Matthias Link

Plus Eine alte Kommunikationstechnik wird von manchen gerade neu entdeckt. Ein Gespräch mit „Rodeo“ aus Wallerstein.

In den 1980er-Jahren gab es im Ries eine rege Funker-Szene. Manche der Mitglieder von einst entdecken gerade die überholte Kommunikationstechnik neu und treten so wieder miteinander in Verbindung. Sein Funker-Name ist „Rodeo“ – Berthold Knaus, 53, kommt aus Wallerstein. Er hat sich den Funker-Namen gegeben, weil er Countrymusik mag. Seit 1985, damals war er ein Jugendlicher, funkt er. Wegen einer Behinderung kann er nur eingeschränkt am öffentlichen Leben teilnehmen. Der CB-Funk bietet ihm so die Möglichkeit, mit anderen in Kontakt zu bleiben.

Überrascht stellt Knaus fest: „Momentan nehmen sich viele wieder Zeit, die noch Funkgeräte haben. Da hört man wieder Leute, die man lange nicht mehr gehört hat. Derjenige, der abends gern an den Stammtisch geht und dort sein Bierchen trinkt und sich gerne unterhält, der sitzt jetzt zu Hause, trinkt dort sein Bierchen und unterhält sich über den Funk.“ Im Ries gibt es aktuell eine CB-Funk-Runde mit Leuten aus Reimlingen, Grosselfingen, Nördlingen, Utzmemmingen, Kirchheim und Tannhausen. „Wir sind momentan eine Runde von etwa zehn Funkern“, sagt Knaus. Neben den Älteren gebe es auch ein paar Jüngere, die Anfang 20 seien und über die Väter einen Bezug zum Funken hätten.

Kunterbunte Themen wie am Stammtisch

Abends treffen sie sich auf den Kanälen 18 und 3 und tauschen sich aus. Momentan sei das Hauptthema Corona. Manche machten dort ihrem Ärger über die Unvernunft mancher Leute Luft. Berufskraftfahrer seien auch in der Gruppe. „Die Themen der Unterhaltung sind querbeet“, sagt Knaus, „wir unterhalten uns übers Basteln, Funken, Urlaub, Ausflugsziele. Es ist kunterbunt, wie am Stammtisch.“

„1a-funkfeuer“ heißt eine andere Rieser Funkgruppe, an der Knaus teilnimmt und die über die weltweite Internetplattform des Free Radio Network (FRN) zugänglich ist. FRN stellt eine Verbindung zwischen der analogen CB-Funkwelt – im Ries: Kanal 68 – und dem Internet her. Wer sich dort anmeldet, kann auch über den PC mitfunken. Innerhalb der Gruppe gebe es „Räume“ mit mindestens zwei Funkern, zum Beispiel die „Berghütte“. „Die Gruppe ist sehr bunt“, sagt Knaus. „Im Moment ist ein Funker aus Sonthofen da, einer aus Monheim, und die Resi aus Huisheim ist auch gerade drauf, eine unserer ältesten Funkerinnen, die dieses Jahr 80 wird.“

Durch den Siegeszug der Handys habe der Funk abgenommen, aber durch Corona werde er wieder ein bisschen belebt, sagt Knaus. Der CB-Funk (citizens band radio) ist der Jedermannfunk im Frequenzbereich zwischen 27 bis 28 MHz, er ist in Deutschland seit 1975 zugelassen. Die Technik sei damals aus den USA nach Deutschland übergeschwappt, sagt Knaus. Ursprünglich sei die Idee gewesen, dass sich Lkw-Fahrer unterhalten und bei Pannen aushelfen konnten. Doch dann hätten immer mehr Menschen den Funk genutzt.

Knaus erinnert sich an die 1980er-Jahre: „Manchmal haben wir den ganzen Abend lang gefunkt. Da bin ich in der Ausbildung nach dem Geschäft nach Hause, habe gegessen und geduscht und bin dann nach Kirchheim auf den Berg gefahren, wo man das ganze Ries im Funk erreicht hat. Manchmal gingen die Unterhaltungen bis nachts um drei Uhr. Das waren große Runden, da waren welche aus Ederheim dabei, die standen wegen dem Empfang am Kampf, in Donauwörth waren zwei, drei Stationen mit drauf, und welche aus Deiningen, Löpsingen, Ehingen. Da war mächtig was los am Funk.“

Wenn die Krise vorbei ist, möchte Knaus mit Funkfreunden ein Sommerfest machen – und eine Funkantenne optimieren.

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