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22.06.2009

Abschussgenehmigungen sind kein Tabu ...

Nördlingen/Donauwörth Mit seinen Aktivitäten kommt der Biber manchen Menschen ganz schön in die Quere. Etwa, wenn er mit einem seiner Dämme eine Wiese oder einen Acker unter Wasser setzt, ein Traktor mal in ein unterhöhltes Erdstück einbricht oder wenn er ganze Baumreihen zum Umfallen bringt.

Unter den Landwirten im Donau-Ries-Kreis hat sich in den vergangenen Monaten immer stärkerer Unmut über den pelzigen Wasserbewohner aufgestaut, der in Deutschland unter Artenschutz steht und nicht bejagt werden darf. Der Konflikt zwischen landwirtschaftlichen Interessen und den Lebensansprüchen der Biber hat sich in jüngster Zeit verschärft.

Der Obmann des Bauernverbandes im Landkreis, Karl Wiedenmann (Wolferstadt-Waldstetten), nennt die Nager "rattenähnliche Objekte", die sich stark vermehrten und mittlerweile "eine Katastrophe" für die Landwirtschaft im Landkreis darstellten. "Die haben in den Vorflutgräben einfach nichts zu suchen", sagt Wiedenmann mit allem Nachdruck. Das gesamte Grabensystem, das beispielsweise das Ries entwässere, werde durch Biberdämme immer stärker in Mitleidenschaft gezogen. "Die Viecher bauen ihre Dämme in den Vorflutgräben mit der Folge, dass sich das Wasser in den Grundstücken aufstaut und diese nicht mehr zu bewirtschaften sind." Die Forderung des Bauernobmannes ist klar und eindeutig: Die Biber müsse man "unkompliziert" fangen oder abschießen können.

Adressat dieser Forderung ist das zuständige Landratsamt in Donauwörth, mit dem Karl Wiedenmann wegen der Biberproblematik schon heftige Diskussionen hatte. Doch Landrat Stefan Rößle ist es allmählich leid, immer wieder vorgeworfen zu bekommen, zu wenig gegen die "Biberschwemme" zu tun. "Ich habe die untere Naturschutzbehörde beauftragt, bei diesem Thema alle verfügbaren Instrumente zu nutzen und den rechtlich engen Rahmen voll und ganz auszuschöpfen. Dabei sind Fang- und Abschussgenehmigungen kein Tabu", so der Landrat im Gespräch mit unserer Zeitung. Emotionalisierte gegenseitige Vorwürfe brächten überhaupt nichts. Und eines versteht der Landkreischef schon überhaupt nicht: "Wir hatten 2008 ganze drei Fanganträge, die wir genehmigt haben. In diesem Jahr noch überhaupt keinen." Betrachtet man diese Zahl, könne man auf den ersten Blick zu dem Schluss kommen, dass die Probleme gar nicht so groß sein können.

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Immer wieder den Dialog gesucht ...

Sauer wegen der Kritik aus der Landwirtschaft ist Stefan Rößle nicht zuletzt deshalb, weil seine Behörde schon eine ganze Menge für Information und Aufklärung getan habe. "Wir starteten mit einer Biberkartierung, haben Informationsveranstaltungen durchgeführt und immer wieder den Dialog gesucht." Nach der Kartierung, die Ende Juli abgeschlossen sei, lägen fundierte und fachliche Daten über Vorkommen, Verbreitung und Bestand der Biber vor, sodass man ein effektives Bibermanagement betreiben könne. "Das ist doch was. Da kann man doch nicht behaupten, wir tun nicht genügend."

Der Landrat macht deutlich, dass er sich an Recht und Gesetz zu halten habe und diese Verpflichtung sehr ernst nehme. Soll heißen: Wer in Sachen Biber etwas Widerrechtliches tut, muss mit Konsequenzen rechnen. Die Fachbereichsleiterin "Natur- und Umweltschutz" am Landratsamt, Klaudia Fackler, wies gegenüber den RN auf die Möglichkeiten hin, die ihre Behörde habe. Grundsätzlich sei der Zugriff auf Lebensstätten und Dämme des Bibers verboten; Verstöße seien Straftatbestände.

Ausnahmeverordnung in Bayern

Dennoch gebe es in Bayern eine sogenannte "Artenschutzrechtliche Ausnahmeverordnung". Diese besage, die Tötung und der Fang von Bibern sind vom 1. September bis 15. März möglich, um erhebliche wirtschaftliche Schäden abzuwenden. Außerdem könnten in diesem Zeitraum Biberdämme beseitigt werden, sofern besetzte Biberburgen nicht beeinträchtigt würden. "Alles jedoch nur nach vorheriger Genehmigung durch die Landkreisbehörde", so Klaudia Fackler.

Puffer gefordert

Diese Ausnahmeregelungen würden allerdings nicht für FFH- und Natura 2000-Gebiete gelten. Mehr könne das Landratsamt derzeit nicht tun, betonte Landrat Rößle und appellierte an die Einsicht der betroffenen Landwirte, nicht mehr tun zu können. Der Bund Naturschutz in Bayern sagt, eingebrochene Traktoren oder Fraßspuren von Bibern gebe es nur dort, wo unberührte Uferstreifen zu den Nutzflächen fehlten. Diesen fünf bis 20 Meter breiten Puffer fordere sogar das Wasserwirtschaftsamt, um das Wasser vor Verschmutzungen, wie beispielsweise Odel, zu schützen. Und wenn der Biber Uferbäume fälle, tue er dies, um zu überleben.

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