1. Startseite
  2. Lokales (Nördlingen)
  3. Almarin: Trotz Patt eine Entscheidung im Rat

Nördlingen

17.05.2019

Almarin: Trotz Patt eine Entscheidung im Rat

Im vergangenen Jahr wurde das Almarin dank hohem ehrenamtlichen Engagement für eine Woche wieder eröffnet – wie unser Bild zeigt. Gestern wurde im Nördlinger Rat denkbar knapp entschieden, dass sich die Stadt nicht an einem vorbereitenden Arbeitskreis für einen Zweckverband beteiligt.
Bild: Szilvia Iszó

Plus Mehr als vier Stunden diskutiert der Nördlinger Stadtrat am Donnerstagabend öffentlich. Besonders emotional wird es, als es um das Mönchsdegginger Hallenbad geht.

„Entscheidung über den Beitritt der Stadt Nördlingen zum geplanten Zweckverband Almarin“ stand auf der Tagesordnung des Nördlinger Stadtrates – übrigens sehr weit hinten, als Punkt 10. Und damit nach gewichtigen Themen wie Sparkassenfusion, Tourismusbericht, Stiftungs-Rechnungsabschluss und Bahnhof.

Prompt wurde der Zeitrahmen gesprengt und alleine die öffentliche Sitzung dauerte knapp vier Stunden; Markus Landenberger-Schneider (CSU) sprach eine „schwere Rüge“ gegen diese Tagesordnung aus.

Nur über den Beitritt zum Arbeitskreis entschieden

Zunächst kam man überein, dass nur über den Beitritt zum Arbeitskreis entschieden werden solle: Lehne man diesen ab, erübrige sich der Zweckverband ohnehin, stimme man zu, erfahre man aus erster Hand alles zur Zweckverbands-Vorbereitung und könne dann entscheiden.

ecsImgBannerWhatsApp250x370@2x-5735210184021358959.jpg

Als erstes danach war die Stadtverwaltung dran: Der Leiter des Liegenschaftsamtes, Karl Stempfle, ging davon aus, dass die Deutsche Sportstättenbetriebs- und Planungsgesellschaft mit ihren Berechnungen (875000 Euro jährliches Defizit) näher an der Realität liegt als der Förderverein Almarin (175000 Euro). Stempfle selbst rechnete mit einem jährlichen Defizit von 700000 Euro und hielt zudem die vom Förderverein angenommene Eigenleistung bei der Sanierung von 900000 Euro für unrealistisch. Zudem hätten sich in den vergangenen Jahren Verkehrssicherungs- und Aufsichtspflicht drastisch verschärft, was sich tendenziell auf die Kosten niederschlage.

Kämmerer Bernhard Kugler erinnerte an Kosten von 16 Millionen Euro plus Teuerung für das eigene Hallenbad sowie eine bevorstehende Neuverschuldung von 26,5 Millionen Euro; dazu sei die Zahl der Pflichtaufgaben gewachsen. Kurzum: Für das Almarin sei kein Geld übrig. Oberrechtsrätin Nicole Schwarz machte deutlich: Nördlingen könne sich aus rechtlichen Gründen nicht am Almarin beteiligen. Juristisch gesehen stünden die Bewohner Nördlingens im Vordergrund. Deren Bedarf an Badekultur könne anderweitig gedeckt werden, laute hierbei das Fazit.

Bei der anschließenden heftigen Diskussion brachten etliche Stadträte auch andere Sichtweisen als nur Finanzen und die Perspektive „nicht über den Rand der Stadtmauer hinaus“ zur Sprache: CSU-Fraktionsführer Jörg Schwarzer hielt es für falsch, jetzt auszusteigen, wo immer noch keine gesicherten Zahlen, Koordinationsmöglichkeiten im Zweckverband oder andere Fakten hinterfragt wurden. Gesamtbeurteilungen bezeichnete er als „Besserwisserei“.

Auch Wolfgang Goschenhofer (Grüne/Frauenliste) plädierte dafür, „die Tür offen zu lassen für das Ziel, drei Hallenbäder im Ries zu haben“. Die Teilnahme am Arbeitskreis solle völlig ergebnisoffen sein. So bestünde auch für Nördlingen durchaus ein Ergänzungsangebot durch das Almarin, zum Beispiel bei schlechtem Wetter im Sommer. „Es täte dem Ries gut, größer und solidarisch zu denken“, so Goschenhofer. Es gehe um Riesbäder und nicht die Bäder einzelner Kommunen. Sonja Kuban (Frauenliste) verstärkte noch den Aspekt, nicht nur in Geld, Paragrafen und Eigennutz zu denken: „In einem Arbeitskreis könnte man ja zunächst nur Fakten zusammentragen, was überhaupt möglich ist; die Stadt Nördlingen könnte ihr Know-how einbringen.“ Und sie formulierte bewusst hart: „Schließen wir die Tür, dann sind wir die Totengräber des Bades.“

Oberbürgermeister Hermann Faul verwehrte sich ausdrücklich gegen diesen Ausdruck. Thomas Mittring (Stadtteilliste) schickte voraus, dass seine Fraktion gespalten sei. Nördlingen müsse als Oberzentrum durchaus über den Tellerrand schauen und aus einer fürsorglichen Haltung heraus überlegen, ob das Almarin eine Bereicherung für die Region wäre. Ein Beitritt zum Arbeitskreis brächte keine rechtliche, aber eine moralische Verpflichtung mit sich, da die Stadt größeres Gewicht bedeute als eine einzelne Riesgemeinde. Idealerweise sollte sich der Zweckverband aus dem Landkreis und den um das Almarin liegenden Gemeinden generieren und durch die Landkreis-Umlage mitfinanziert werden.

Helmut Beyschlag (PWG) ging die Frage praktikabel an: Was im Almarin ehrenamtlich geleistet wurde, sei hoch zu beachten, doch zwischen der kurzzeitigen Reaktivierung im vergangenen Jahr und einem Dauerbetrieb bestehe ein großer Unterschied. Eine Konkurrenz zwischen Nördlinger Hallenbad und Almarin könne man nicht wegdiskutieren: „Jeder will so viele Besucher wie nur möglich generieren.“ Dabei wolle Nördlingen sein Hallenbad möglichst attraktiv gestalten, denn nur mit gewissen Attraktionen habe man heute noch Zukunftschancen; ein 25-Meter-Becken und ein Umkleidebereich allein reichen da „trotz des Nostalgie-Gedankens“ nicht aus.

Letzteres Argument griff Rita Ortler (SPD) ganz massiv auf: „Wir wollen keine Hoffnung machen, wo keine Hoffnung ist“, stellte sie unumwunden fest und genau diese würde ein Beitritt in einen „Schau mer mal-Arbeitskreis“ wecken. Die Machbarkeitsstudie zum Almarin habe nicht das gewünschte Ergebnis gebracht, die Kosten seien heruntergerechnet worden. Aus Nördlinger Sicht sei ein Engagement deshalb nicht zu vertreten, da die Leistungsfähigkeit der Stadt eingeschränkt würde.

Die Abstimmung ging mit zwölf zu zwölf Stimmen unentschieden aus, was laut Rechtsoberrätin Schwarz nicht als Zustimmung gewertet werden kann.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar von RN-Redaktionsleiterin Martina Bachmann.

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20Oettingen%20Kreisverkehr%20geplant%20(2).tif
Straßenbau

Plus Pläne für Kreisverkehr bei Oettingen rücken näher

WhatsappPromo.jpg

Alle News per WhatsApp

Die wichtigsten Nachrichten aus Augsburg, Schwaben
und Bayern ganz unkompliziert auf Ihr Smartphone.

Hier kostenlos anmelden