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70 Jahre Kriegsende

02.05.2015

Als US-Panzer ins Nordries rollten

Am 25. April 1945 war es dann soweit

In einem Buch hat Klaus Lingel die Tragödien in der Gemeinde Fremdingen während des Zweiten Weltkriegs aufgearbeitet. Neben all dem Grauen gab es aber auch Lichtblicke

Vor ziemlich genau 70 Jahren, am 25. April 1945, marschierten gegen Ende des Zweiten Weltkriegs die amerikanischen Soldaten in Fremdingen ein. Dieser Tag bedeutete zugleich das Ende einer Leidenszeit für viele Einwohner der Gemeinde Fremdingen.

Der langjährige Bürgermeister von Fremdingen, Klaus Lingel (65), hat ein Buch über die Geschichte der Gemeinde Fremdingen geschrieben. Darin thematisiert er unter anderem auch die Kriegsgeschehnisse in den 15 Ortsteilen der Gemeinde.

So erzählt Lingel in seinem Buch „Eine Zeitreise durch zwei Jahrhunderte“ von den Ängsten der Menschen, als der Krieg immer näher an die Gemeinde kam. Der erste ortsnahe Vorfall war kurz vor Weihnachten 1944 ein US-Fliegerangriff auf einen Passagierzug bei Marktoffingen, bei dem 18 Menschen starben. Dabei verloren ein Ehepaar aus Schopflohe und eine Person aus Seg-lohe ihr Leben und hinterließen dabei zusammen elf Kinder.

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Ein erneuter US-Fliegerangriff auf einen Zug zwischen Fremdingen und Uttenstetten im April 1945 forderte drei Menschenleben. „Diese Angriffe waren so kurz vor Kriegsende sinnlos“, schüttelt Lingel den Kopf. Der 65-Jährige schildert in seinem Buch auch die besondere Geschichte vom Luftkampf über der Herblinger Flur. So wurde am 8. April 1945 der deutsche Unteroffizier Wolfgang Severin in seiner Messerschmitt in der Luft über Herblingen von alliierten Jägern getroffen, stürzte auf einem Feld ab und starb. Die Trümmer des Flugzeugs flogen nach dem Aufschlag teilweise bis ins Dorf hinein. Erst im Jahr 2007 wurden die sterblichen Überreste Severins geborgen. Angehörige des Piloten pflanzten damals einen Friedensbaum in Herblingen.

Laut Lingel diente Fremdingen gemäß den Plänen der Nationalsozialisten als Kontrollpunkt über den Eingang zum Nordries. Als die SS-Schützen merkten, dass die alliierten Kräfte immer näher herankamen, setzten sie sich ins Ries ab und überließen die Fremdinger ihrem Schicksal.

Am besagten 25. April 1945 war es dann so weit: Die Amerikaner rollten mit Jeeps und Panzern nach Fremdingen ein. Der angesehene Landarzt Dr. Julius Körner, dessen jüdische Frau Veronika noch rechtzeitig vor den Nazis nach London geflohen war, empfing mit einer weißen Fahne die amerikanischen Truppen, während sich das restliche Dorf in der Kirche versammelte, Lieder sang und betete. Die Gebete wurden erhört. Die Verhandlungen der Amerikaner mit Körner liefen gut und die Übernahme der Gemeinde war ohne Komplikationen und frei von Gewalt. Die Bürger mussten lediglich Hausdurchsuchungen der Amerikaner über sich ergehen lassen und ihre Waffen abgeben. Die Amerikaner haben Lingel zufolge den Fremdingern ihre Häuser überlassen und im Freien auf Luftmatratzen geschlafen, bis sie nach ein paar Tagen weitergezogen sind.

In Hausen lief die „Machtübergabe“ ähnlich reibungslos ab: Der Hausener Pfarrer Anton Moser empfing damals die Alliierten mit den Worten: „We are all peaceful men“.

Lingel findet die Vorgehensweise der Amerikaner bemerkenswert: „Sie haben sich fair und friedlich verhalten.“ Es habe ein gutes Mit-einander geherrscht.

Die Fremdinger Bauern sollen die Amerikaner beispielsweise mit Eiern versorgt haben. Im Gegenzug schenkten die kinderfreundlichen Amerikaner den Bürgern „exotische“ Waren wie Kaugummi oder Orangen.

Die befürchtete Rache der Amerikaner blieb also aus – ein Segen für die weitere Zukunft der Gemeinde. Bis heute wird aus Dankbarkeit eine Wallfahrt nach Wemding durchgeführt. Auch die Hausener zeigten sich dankbar und bauten 1951 am Ortsrand eine Marienkapelle.

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