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20.01.2011

Alte Karte von der Schlacht bei Nördlingen entdeckt

Auch eine Zeitung von "anno Tobak" bietet manchmal aufregend Neues: So hat Axel Stolch, Autor des Buches "Die Schweden auf dem Breitwang", nun ein lang vergessenes Schriftstück wieder entdeckt. Die Landkarte, die als Stich in einer Zeitung von 1634 abgedruckt ist, zeigt nicht nur das Schwedenlager auf dem Breitwang, das Hunderte Geschichtsfans im Sommer 2009 nachgestellt hatten, in seinen wahren Ausmaßen. Sie liefert auch eine detaillierte Ansicht der Umgebung und der Vorbereitungen auf die große Entscheidungsschlacht im Dreißigjährigen Krieg bei Nördlingen.

Aus London

Die Zeitung hat sich Stolch aus den Beständen der British Library in London schicken lassen.

Die Abbildung ist eine wahre Schatzkarte für historisch Interessierte: Der Betrachter blickt von Norden her auf das Kriegsgeschehen. Links begrenzt die Stadt Nördlingen das Bild, rechts der Egerursprung. Zu sehen sind zahllose Einzelheiten, zum Beispiel acht Mühlen entlang der Eger zwischen Aufhausen und Bopfingen, der dortige Galgenberg oder die Nördlinger Sankt-Leonhard-Kapelle, die längst nicht mehr steht.

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Oder die noch intakte Burg Flochberg. Aus einer ihrer Schießscharten wird ein Schuss nach Osten abgefeuert. "War die Burg von den Schweden besetzt?" Diese Frage stellt sich für Stolch. Besonders aufschlussreich ist die Darstellung des umfriedeten Schwedenlagers auf dem Breitwang. "Was vermutet wurde, dass sich die Ortschaft Hohenberg innerhalb dieser Umfriedung befand, beweist diese Karte", sagt Stolch.

Im Egertal

Im Egertal zwischen Bopfingen und Nördlingen sind einzelne Scharmützel skizziert. Diese Gefechte haben sich laut Geschichtsschreibern in den letzten Augusttagen des Jahres 1634 zugetragen. Aber auch spätere Kampfhandlungen, bis zur Schlacht, die am 5. und 6. September tobte, sind festgehalten. Stolch: "Es war damals üblich, in einem Schlachtenbild mehrere Tage darzustellen." Auf die Spur des Dokuments ist der Bopfinger Heimathistoriker bei der Lektüre von Göran Rystads Buch "Kriegsnachrichten und Propaganda während des Dreißigjährigen Kriegs" aus dem Jahr 1960 gekommen.

Der schwedische Autor wies darauf hin, dass es eine Karte der Schlacht in einer englischen Zeitung geben müsse. "Alle zitieren dieses Buch, aber offensichtlich hat es keiner gelesen", sagt Stolch, der sich nun als Erster auf die Spur dieser Karte machte, sie digitalisierte und die Lizenz zum Nachdruck erwarb. Demnächst möchte er sie beim Deininger Heimatverlag Steinmeier drucken und vertreiben lassen.

"Imperiall Campe near Nordlingen"

Umschrieben ist die Karte mit "A true Delineation of the Swedish and Imperiall Campe near Nordlingen and in what manner his Citie was besidged by the Imperialists in the yeare 1634.". Sie erschien in der periodischen Zeitung "The Swedish Intelligencer", die Nathaniel Buttler und Nicolas Bourne ab 1632 in London herausgaben. Die siebte Ausgabe der Zeitung erhält drei Berichte zur Schlacht bei Nördlingen und die Karte.

Aus der Zeitung kopiert?

Ein ausführlicher englischer Text erklärt den Schlachtverlauf. "Die Engländer waren sehr interessiert am Kriegsgeschehen in Deutschland, wo ja auch viele englische Soldaten kämpften", sagt Stolch. Das erklärt aber nicht die große Detailgenauigkeit der Karte: Die Ortschaften sind ausnahmslos an den richtigen Stellen eingezeichnet. Ortsnamen, wenn auch in alten Schreibweisen wie "Binzenzimmern" oder "Blaumloh", sind korrekt wiedergegeben.

"Das muss von jemandem stammen, der sich sehr gut ausgekannt hat", sagt Stolch, der glaubt, dass die Londoner die Abbildung aus einer deutschen Zeitung kopiert haben. Er hat auch eine Vermutung: Der Stich könnte aus dem sogenannten Griesheim-Rapport stammen.

Christoff Heinrich von Griesheim war ein Amtmann, der auf Seite der Kaiserlichen stand und von den Schweden auf dem Breitwang gefangen gehalten wurde. In einer Flugschrift, die er "Glückliche Haupt Victoria und wahrhaffte Relation" nannte, schilderte er das Geschehen in Bopfingen und Nördlingen aus Sicht eines Augenzeugen.

In der Staatsbibliothek

Die Bayerische Staatsbibliothek in München bewahrt ein Exemplar dieses Griesheim-Rapports auf - von einer Landkarte ist darin jedoch keine Spur.

Stolch glaubt dennoch, dass der Rapport ursprünglich eine Karte enthielt: In einem Antiquariatskatalog von 1929 aus Halle ist eine Flugschrift verzeichnet.

Dabei findet sich die Notiz auf einer beigelegten Karte: "Im Hintergrund rechts die Stadt Nördlingen, links die Flucht Bernhards von Weimar". Dieses verschollen geglaubte Dokument könnte jetzt gefunden sein. (ham)

Axel Stolchs aktuelles Buch "Erhard Deibitz. Stadtkommandant in Nördlingen und Frankfurt am Main - Ein Lebensbild im Dreißigjährigen Krieg" ist bereits im Handel erhältlich.

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