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Munningen

17.08.2020

Altes Schulhaus in Munningen ist bald Geschichte

Die letzten beiden Klassen in Munningen sind 1971/72 eingeschult worden.
Bild: Ronald Hummel

Plus Die Tage des Kleinods in Munningen sind gezählt. Diese Erinnerungen stecken in dem Gebäude.

147 Jahre lang bereicherte das malerische Haus mit den vielen großen Sprossenfenstern das Ortsbild in unmittelbarer Nähe des „schiefen Turms von Munningen“. Nun muss das ehemalige Schulhaus, das nicht unter Denkmalschutz steht, weg. Weder die Kirchengemeinde noch die politische Gemeinde sehen eine Verwendung dafür, und laut Kirchenpfleger Christoph Schmid stand man am Scheideweg, die Fenster, durch die das Wasser hereinlief, teuer zu sanieren oder dem Verfall zuvorzukommen und das Gebäude abzureißen.

„Es gab im Gemeinderat durchaus Gespräche, ob man hier eine Unterkunft für Asylsuchende oder Wohnungen einrichten soll“, erklärte Bürgermeister Dietmar Höhenberger gegenüber unserer Zeitung. „Doch zum Haus gehören weder ein Garten noch Stellplätze für Autos.“

Der Gemeinderat kam genau wie die Kirchengemeinde überein, dass das Haus, das die Kirche zehn Jahre lang vergeblich als Privatwohnung anbot, weder vermietbar noch sonst für Wohnzwecke nutzbar wäre. „Keiner wollte sich unnütze Investitionen ans Bein binden“, sagte Bürgermeister Höhenberger. Also stimmte der Gemeinderat nach relativ kurzer Diskussion der Beseitigungsanzeige einstimmig zu.

Der ehemalige Kirchenpfleger Franz Friedel dokumentiert Schul- und Baugeschichte des Gebäudes: „Bereits 1493, sehr früh für ein Dorf, ist erstmalig in Bezug auf das Benediktinerkloster Mönchsdeggingen eine Munninger Schule genannt.“

1618 wird ein neues Schulgebäude durch die katholische Kirchengemeinde errichtet und wie zwei Drittel der Gebäude im Dorf 1634 im Dreißigjährigen Krieg stark beschädigt. Das Schulwesen bricht im Krieg zusammen und wird dann von den Oettinger Jesuiten wieder aufgenommen. Ab 1653 läuft der Schulbetrieb erneut an, 1788 greift in Munningen die Oettingen-Spielberg’sche Landschulreform mit modernen Zügen wie sechs Jahrgängen und klarem Bildungsplan. Bis 1808 müssen die Schüler einen Kreuzer pro Jahr jeweils für Lesen, Schreiben und Rechnen bezahlen; die meisten lernen deshalb nur Lesen. 1830 besuchen 36 Werktagsschüler die katholische Schule.

1873 wird das Schulhaus auf Drängen des Bezirksamtes Nördlingen in seiner jetzigen Form neu erbaut; die Finanzierung zieht sich bis 1910 hin. 1927 erfolgt eine größere Renovierung, 1938 heben die Nazis das konfessionelle Schulwesen auf und Munningen hat nun eine „Einheits-Gemeinschaftsschule“. 1948 gibt es wieder zwei Konfessionsschulen; evangelische Schüler besuchten seit 1572 eine eigene Schule bei der evangelischen Kirche.

Bild: Ronald Hummel

Ab 1966 gibt es wieder einheitlichen Unterricht, die erste bis vierte Klasse im Schulhaus beim schiefen Turm, die fünfte bis achte im evangelischen Schulhaus, das längst abgerissen ist; jede Klasse umfasst rund 15 Schüler. 1972 kommen alle Schüler nach Oettingen; Munningen hatte sich dessen Schulverband angeschlossen.

1973 verkauft die politische Gemeinde das Schulhaus an die Katholische Kirchenstiftung, bis 1978 ist im Erdgeschoss ein Kindergarten untergebracht. 1985 wird das Haus saniert und zum Pfarr- und Jugendheim umgestaltet unter der Federführung von Franz Friedel, katholischer Kirchenpfleger von 1977 bis 2000. Das Heim existierte bis 1996, alle Umnutzungsversuche scheiterten seitdem: Eine Sparkassenfiliale kam nicht wegen überörtlicher Bank-Umstrukturierungen und auf die für Friedel optimale Nutzung als Rathaus konnte sich der Gemeinderat 1997 nicht einigen.

2016 kommt die Rathaus-Lösung schließlich erneut auf den Tisch, doch der Sitzungssaal wurde in den Neubau des Feuerwehrhauses integriert. Friedel bedauert, dass man mit dem Abriss nicht warten wollte, bis eventuell eine bevorstehende Dorferneuerung eine andere Lösung ergäbe, etwa ein Zentralarchiv für die Gesamtgemeinde Munningen oder ein „Haus Losodica“ mit Ausstellungen und Veranstaltungen zum Römerkastell.

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