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Telekommunikation

27.01.2019

„Anfangen muss man bei den Endgeräten“

Vortrag von Dr. Thomas Kurz vom Landesamt für Umweltschutz bei der Bürgerversammlung in Ehingen am Ries.
Bild: Peter Urban

Physiker Dr. Thomas Kurz vom Landesamt für Umweltschutz sieht bei der Bürgerversammlung in Ehingen nicht den Funkmast als das eigentliche Problem an.

Die entscheidende Frage kam ganz zum Schluss an diesem langen Abend von einem der Ehinger Gemeinderäte: „Kann ich es guten Gewissens befürworten, wenn in der Nähe des geplanten Funkmastes ein Kindergarten bzw. eine Kinderkrippe betrieben wird?“ Die Angst vieler Bürger vor den Gefahren der elektromagnetischen Strahlung stand während der gut besuchten Bürgerversammlung im Saal des Gasthauses Fuchs buchstäblich im Raum. Anfang November letzten Jahres hatte man sich auf diese Infoveranstaltung geeinigt, nachdem sich bei einer Gemeinderatssitzung Befürworter und Gegner argumentativ unversöhnlich gegenüber standen. Neben Erwin Walch von der Telekom sollte auch Dr. Thomas Kurz vom Landesamt für Umweltschutz gehört werden, um – wie viele Bürger gefordert hatten – auch eine andere Meinung einholen zu können als die vermeintlich einseitige der Telekom. Erwin Walch vom Betreiber hielt im Prinzip den gleichen Vortrag wie im November, allerdings ergänzt durch Karten der Versorgungs- und Netzabedeckungs-Zonen, falls der neue Mast wie geplant am konkreten Standort gebaut werden wird.

Wer jetzt erwartet hatte, dass man sich über die gesundheitlichen Risiken der Strahlung und die Bedenken besorgter Bürger heftig in die Haare geraten würde, sah sich überrascht. Bedenken kamen lediglich von besorgten Belzheimern, die befürchteten, wegen ihrer Randlage zum Mast nicht optimal versorgt zu werden. Dass die Telekom beim Thema Immission keine Gefährdung sehen würde, war klar. Dass jedoch der Vertreter der Umweltbehörde, der Physiker Dr. Thomas Kurz, ins im Prinzip gleiche Horn stoßen würde, klang für viele doch erstaunlich: „Je besser die Verbindung, desto geringer die Immissionen.“ Anhand zahlreicher Studien und wissenschaftlich aufbereiteter Schaubilder versuchte er den Zusammenhang zwischen Strahlung, deren Intensität und möglicher Gesundheitsrisiken zu erklären: „Wenn man die Risiken minimieren will, muss man bei den Endgeräten anfangen.“ Soll heißen: Die Exposition von Handys ist um ein Vielfaches höher als bei Basisstationen wie einem Sendemast.

Folglich müsse man, wenn man keine Gesundheitsgefährdung wolle, bei den Endgeräten anfangen. Etwas sperrig klang das schriftliche Fazit des Wissenschaftlers: „Die Grenzwerte schützen vor den bekannten gesundheitlichen Wirkungen. Aus der Vielzahl von Forschungsprojekten ergibt sich keine belastbare Evidenz, dass unterhalb der Grenzwerte gesundheitliche Risiken bestehen.“ Und: „Die Felder von Rundfunksendeanlagen oder Mobilfunkbasisstationen liegen deutlich niedriger als diejenigen körpernah betriebener Geräte.“

Der eingangs erwähnten Gewissensfrage des Gemeinderates wollte Thomas Kurz allerdings keine Absolution erteilen: „Die Antwort auf diese Frage kann ich Ihnen als Wissenschaftler nicht abnehmen. Niemand kann das. Wir wissen nicht, was in 20 Jahren ist.“

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