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17.06.2016

Anhänger der schwarzen Kunst

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Die Drei von der „Druckstelle“ (von links): Kurt Seidel, Wolfgang Holik und Frieder König vor einigen ihrer Werke.
Bild: Peter Urban

Die Museumsgruppe Beck produziert mit altem Handwerk sogar Bücher

Sie treffen sich immer montags, mittwochs und am Samstag. Dann sind die Druck-Veteranen der Museumsgruppe Beck in ihrem „Betrieb“. Vor allem Wolfgang Holik, der Vorsitzende, Kurt Seidel, sein Stellvertreter, und Frieder König. Die drei sind eigentlich immer da, insgesamt hat der Verein neun aktive Mitglieder, darunter eine Frau, das älteste Vereinsmitglied ist 86 Jahre. Seit zwölf Jahren gibt es die Gruppe, begonnen hat alles mit den Vorbereitungen zum Druck einer Ehrenurkunde für Dr. Beck, die – zum Anlass passend – auf historischen Maschinen gedruckt werden sollte.

„Der damalige Direktor Hans Höhn hat die Sache ins Rollen gebracht“, sagt Wolfgang Holik, „wer weiß, wo die alten Sachen hier alle wären, wenn er uns nicht die Möglichkeit gegeben und diese Räume zur Verfügung gestellt hätte.“ Sie sind ihm heute noch dankbar dafür und spenden alle ihre Einnahmen, einen großen Teil auch der „Klasse 2000“, einem Projekt des Lions Clubs.

Wenn man die Räume betritt, riecht es nach Metall, Blei und Farbe; es ist eine ganz besondere Atmosphäre, die man so wohl nur noch in solch einem historischen Ambiente erleben kann. Das Anliegen ist klar: die alte Kunst des Bleisatzes, wie sie Johannes Gutenberg vor gut 550 Jahren erfand, als Kulturgut in der ehrwürdigen Druckerstadt Nördlingen am Leben zu erhalten. Hier kann man sie noch erleben und anfassen, die ganze Palette des Bleisatzes. Angefangen beim Handsatz mit unzähligen alten „Typen“ als Einzelbuchstaben, über den – heute auch schon lange wieder überholten – Maschinensatz (vier Satz- und zwei Gießmaschinen) bis hin zur Gutenbergschen Kniehebelpresse, einen Heidelberger Tiegel, auf dem jedes Jahr ein Kalender gedruckt wird und letztlich einen „Heidelberger Zylinder“, mit dem von der Gruppe sogar schon Bücher produziert wurden, beispielsweise ein Nachdruck von Heinrich Bölls „Irischem Tagebuch“.

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Die Produktion des Jahres-Kalenders ist aber die Hauptaufgabe des Vereins, auch heuer wird wieder einer im Format DIN A3 erscheinen, pünktlich zum Stadtmauerfest, auf dem das Museum für die Öffentlichkeit zugänglich sein und die Gruppe ein traditionelles Gautschfest veranstalten wird. „Gegautscht“ wurden früher die Lehrlinge, die ihre Druckerausbildung erfolgreich abgeschlossen hatten und mit dem „rituellen Tauchbad“ (eine sehr nasse Angelegenheit!) in die Gilde aufgenommen wurden.

Ansonsten gibt es, nach Absprache, auch Führungen im Museum, für Schulen und Kindergärten sind diese sogar kostenlos. Bei der Nacht der Museen nimmt man teil und jedes Jahr gibt es einen Tag der offenen Tür. Für das Lutherjahr 2017 ist ein ganz besonderes Highlight geplant, über das die drei allerdings noch nicht so recht reden mochten: Sie wollen die Öffentlichkeit damit überraschen.

Überraschend anders und wirklich empfehlenswert ist der Besuch in den alten Gemäuern allemal, nicht nur für Fachleute. Denn nur so kann man sich vorstellen, mit wie viel Aufwand früher Druckwerke entstanden sind. Im Zeitalter von Phones und Pads und PCs gar nicht mehr vorstellbar.

Ein wenig wehmütig wird man allerdings schon, denn unweigerlich wird die „Schwarze Kunst“ verschwinden – es ist leider nicht zu erwarten, dass sich „Nachwuchs“ finden wird, der nicht nur die Asche bewahrt, sondern die Tradition weiterführt. Aber so lange es noch geht, sollte man sich, wie gesagt, dieses kleine feine Druckereimuseum in der Berger Straße ansehen.

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