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Brauerei

15.01.2016

Ankerbräu in Nördlingen ist bald Geschichte

Die Nördlinger Ankerbrauerei stellt zum 30. September des Jahres das Brauen in der Nördlinger Altstadt ein.
Bild: William Harrison-Zehelein

Das Familienunternehmen schließt Ende September aus wirtschaftlichen Gründen. Damit endet eine 400-jährige Brautradition in Nördlingen. 20 Arbeitsplätze sind betroffen

Bereits seit geraumer Zeit wird immer wieder darüber spekuliert, wie lange sich wohl die Nördlinger Ankerbrauerei als regionaler Familienbetrieb mit seiner über 400-jährigen Brautradition noch auf dem hart umkämpften Markt behaupten kann. Seit gestern herrscht Klarheit: Zum 30. September dieses Jahres stellt das Unternehmen das Bierbrauen ganz ein und schließt seine Pforten in der Ankergasse. Nach der altehrwürdigen Brauerei Dehler in der Hallgasse und der Sixenbrauerei in der Berger Straße endet damit eine Jahrhunderte lange Brautradition in der ehemaligen Freien Reichsstadt.

Gegenüber den Rieser Nachrichten sprach der geschäftsführende Gesellschafter, Sebastian Haag, von wirtschaftlichen Gründen, die ihn und die Gesellschafter zu diesem Schritt gezwungen hätten. Ein immer stärker steigender Kostendruck, ein verändertes Konsumverhalten der Kunden und die eingeschränkten Möglichkeiten im technischen und baulichen Bereich an einem historischen Standort hätten ein erfolgreiches Wirtschaften für eine Brauerei in der Dimension der Ankerbrauerei immer schwieriger werden lassen. Derzeit seien noch 20 Mitarbeiter beschäftigt, die er vorgestern von dem Schritt informiert habe. Zu mehr Details wollte sich Haag nicht äußern. Er bitte um Verständnis dafür, erst seine Kunden und Lieferanten von der Entscheidung informieren zu wollen, sagte Haag. Danach werde er sich auf Wunsch ausführlicher gegenüber der Öffentlichkeit äußern.

Schön wäre es allerdings, wenn es trotzdem gelänge, nach Schließung der Braustätte die Brautradition für nachfolgende Generationen zu erhalten. Dazu werde man versuchen, die entsprechenden Weichen zu stellen. Was er damit konkret meinte, sagte Haag nicht und verwies auf die nächste Woche.

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Bis zur Schließung im Herbst werden Haag zufolge die Kunden weiterhin mit den Produkten der Ankerbrauerei beliefert und alle bestehenden Lieferverträge erfüllt. Damit wird auf dem Stabenfest und der Nördlinger Mess’ in diesem Jahr das letzte Mal Ankerbier ausgeschenkt.

Das Sortiment der Brauerei ist vielfältig. Es reicht vom naturtrüben Kirchweihbier, speziellen Festbieren über Pils, hellen und dunklen Lagerbieren bis hin zu vier Sorten Hefeweizen. Brauereisymbol ist ein goldener Anker. Dieser hat seinen Ursprung als Gasthaussymbol, welches den Reisenden einen sicheren Hafen und Unterkunft für die Nacht signalisierte.

Neben den Familien Grandel und Schneider, die über Jahrzehnte hinweg das Unternehmen führten, hat ab Mitte der 70er-Jahre Wolfgang Koch als Geschäftsführer die Brauerei nachhaltig geprägt und auf Erfolgskurs gehalten. Nach dessen überraschendem Tod 2004 übernahm Sohn Florian Koch die Leitung der Brauerei als Geschäftsführer. 2010 stieß Cousin Sebastian Haag als weiterer Geschäftsführer dazu. Inzwischen führt Haag das Geschäft alleine.

In jüngster Vergangenheit hat sich die Ankerbrauerei trotz aller Probleme auch innovativ gezeigt. 2006 erfand sie als weltweit erste Brauerei das „Bag-in-Box-Bier“. Dabei wird dem konventionell gebrauten Bier das CO2 entzogen. Somit entsteht kein Druck mehr und das Bier kann wie Säfte oder auch Wein in Boxen abgefüllt werden. Vorteile brachte diese Alternative unter anderem beim Transport.

Faul: Ankerbrauerei Teil der Stadtgeschichte

Nördlingens Oberbürgermeister Hermann Faul nahm die Nachricht aus der Ankergasse nach eigenen Angaben mit „großem Bedauern“ zur Kenntnis. Unserer Zeitung sagte er, mit der Schließung der Ankerbrauerei gehe eine „Teil der Nördlinger Stadtgeschichte“ zu Ende. Faul verwies auf die enge Verbundenheit der Stadt zur Brauerei. Dies habe sich unter anderem dadurch gezeigt, dass alle städtischen Einrichtungen angehalten gewesen seien, die Getränke von der Ankerbrauerei zu beziehen.

Er gehe davon aus, dass die von der Schließung betroffenen Mitarbeiter schnell wieder eine Arbeit finden werden, möglicherweise jedoch nicht mehr in der Region.

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