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Waldbegang

02.10.2015

Auf welche Setzlinge soll man setzen?

Für Forstamtsdirektor Werner Vonhoff (rechts) war es der 28. und letzte Waldbegang.
Bild: Hummel

Werner Vonhoff erwirtschaftete in 28 Jahren drei Millionen Euro im Stiftungswald

Sein 28. Waldbegang mit Mitgliedern aus Stadtrat, Verwaltung und Kirche war für Werner Vonhoff, als Leiter des Bopfinger Forstamtes verantwortlich für den Stiftungswald, auch der letzte – Ende Juni 2016 geht er in den Ruhestand. Auf dem aktuellen Waldbegang zog er zufrieden Bilanz: Die Wirtschaftlichkeit stand für ihn und seine Förster immer im Vordergrund, niemals habe er ein Jahr ohne Verluste abgeschlossen und insgesamt drei Millionen Euro erwirtschaftet. In den vergangenen fünf Jahren waren es durchschnittlich 150000 Euro pro Jahr. Oberbürgermeister Hermann Faul bestätigte Vonhoff, dass er gleichzeitig auch Ökologie und Freizeitwert sichtbar gesteigert habe. Er dankte ihm für seinen Einsatz „mit Herzblut und Verstand“ und kündigte eine offizielle Verabschiedung im Stadtrat an.

Langfristig und flexibel ausgerichtetes Wirtschaften machte Vonhoff heuer denn auch zum Thema und demonstrierte es an allen gängigen Baumsorten. So zeigten er und Revierförster Horst Ferner im „Baumgärtle“ nahe Schweindorf an alten Eichen, dass Vielfalt Flexibilität und ideale Wertschöpfung bedeutet. Der 160 bis 170 Jahre alte Bestand wurde seinerzeit angelegt, weil Eicheln wertvolles Mastfutter waren. Jahrzehntelang waren Eichenmöbel als altbacken verpönt, vor zehn Jahren kostete Eiche so viel wie Buche. Heute ist Eiche das Dreifache wert, weil sie gerade voll in Mode ist. Vonhoff, der von amtlich festgesetzten Einschlagquoten nichts hält, profitiert vom Trend und verkaufte auf den letzten Wertholzsubmissionen 60 Prozent Eichenholz. Horst Ferner erklärte, man nutze zwar den Trend, aber er zeigte auch eine sorgfältig gepflegte Eiche, die in etwa fünfzig Jahren für die kommende Generation reif sei. Viel Nachfrage komme auch von Eichenfässern; allerdings falle hier fast schon unvertretbar viel Holzabfall an.

Im „Windhau“ zwischen B 466 und Alte Bürg zeigte Förster Sven Schmidt auf, wie Buchen ideal verwertet werden: Erstklassiges Stammholz geht an eine Schreinerei, eine seltene Verwendung findet das Holz als Eisenbahn-Schwellen, des Weiteren Kisten- und schließlich Brennholz. Bei einer aktuellen Entnahme werden 20 bis 25 Prozent der Stämme so entfernt, dass gezielt Lichtraum für die Nachbarbäume entsteht. An einer gerade und makellos gewachsenen 35 Meter hohen Lärche demonstrierte er den Erfolg eines derartigen Vorgehens, das bei dieser Baumart vor allem vom früheren Revierförster Otto Powarcinsky praktiziert wurde. Eine rund 250 Jahre alte Eiche, mit einem Durchmesser in Brusthöhe von 1,20 Meter der zweitdickste Baum im Stiftungswald, soll aber als Naturdenkmal noch einige Generationen lang stehen bleiben.

Douglasien, seit 20 Jahren verstärkt im Stiftungswald gepflanzt, sind für Werner Vonhoff Beispiel langfristigen Denkens, mit dem man auch dem Klimawandel begegnen kann: Sie vertragen wärmeres und trockenes Klima sehr gut. Heuer vertrocknete keine einzige im extrem regenarmen Sommer, Fichten jedoch relativ viele. Deshalb solle man auch Arten aus wärmeren Ländern wie Libanon-Zeder oder Esskastanie anpflanzen. Es scheint unglaublich, aber Umwelt-Extremisten hegen anderswo in Deutschland Hass auf „fremdländische“ Bäume und rissen beispielsweise hunderte von Douglasien-Setzlingen heraus, so Vonhoff. Die Förster stellten Fichtenaltholz im „Pfarrhau“ Jungbeständen in der „Rehhalde“ gegenüber und zeigten noch eine vorbildliche Obstkultur bei Möttingen.

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