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Nördlingen

01.02.2018

Aufatmen bei Eisen-Fischer

Der Nördlinger Großhändler Eisen-Fischer, der unter anderem Werkzeuge und Baumaterialien vertreibt, will das Unternehmen umstrukturieren. Im Herbst gab man bekannt, dass deshalb etwa 60 Stellen abgebaut werden sollen.

Beim Nördlinger Traditionsunternehmen müssen wohl deutlich weniger Mitarbeiter gehen als zunächst befürchtet. Der Betriebsrat hat trotzdem noch Bedenken.

 Die Nachricht war für viele Mitarbeiter ein Schock. Auf einer Betriebsversammlung im Herbst informierte die Geschäftsführung von Eisen-Fischer die Angestellten darüber, dass es im Unternehmen eine Umstrukturierung geben solle. Etwa 60 der insgesamt 240 Stellen könnten wegfallen, hieß es damals.

Weil das Unternehmen zum ersten Mal seit Jahren rote Zahlen geschrieben hat, müsse man „interne Abläufe effizienter gestalten“, wie es Geschäftsführer Leo van Bree formulierte. Vor allem die Bereiche Disposition und Logistik sollen verbessert, die Automatisierung vorangetrieben werden, sagte Alexander Pascher, ebenfalls Geschäftsführer des Großhändlers. Sonst könne man im digitalen Zeitalter nicht mit der Konkurrenz standhalten. Und um diese Modernisierung umzusetzen, sei es unumgänglich, die Zahl der Mitarbeiter zu reduzieren, erklärte die Unternehmensleitung auf einer Pressekonferenz. Die Stimmung in der Belegschaft war entsprechend schlecht, Vorwürfe gegen die Geschäftsleitung wurden laut, man habe den Sprung ins digitale Zeitalter verpasst. Es wurde gemunkelt, die Probleme seien „hausgemacht“.

Einige Wochen später gestaltet sich die Situation bei Eisen-Fischer deutlich weniger düster. Gemeinsam mit dem Augsburger Juristen Alexander Nerlinger hat der Betriebsrat mit der Geschäftsführung über die Zukunft der Angestellten verhandelt und, wie der Anwalt auf Nachfrage der Rieser Nachrichten mitteilt, ein „gutes Ergebnis“ erzielt. Demnach sei es bisher nicht zu betriebsbedingten Kündigungen gekommen, sagt Nerlinger. Das Unternehmen habe lediglich einige befristete Arbeitsverträge auslaufen lassen. Ob es auch in Zukunft keine Entlassungen geben wird, sei aber noch offen. „Es gibt keine Beschäftigungsgarantie für die nächsten Jahre“, erläutert der Jurist. Man müsse nun schauen, wie gut und schnell die Optimierungsmaßnahmen des Unternehmens greifen. Sicher sei, dass es deutlich weniger als 60 Mitarbeiter treffe, wie zunächst befürchtet wurde. „Der Interessenausgleich ist auf lange Sicht angelegt, wir sind zufrieden mit den Verhandlungen.“

Einige Mitarbeiter haben das Unternehmen auch aus freien Stücken verlassen, wie Betriebsratschef Werner Baur erzählt. Dafür habe man für Mitarbeiter, die die Möglichkeit haben, bei einer anderen Firma unterzukommen oder die sich ohnehin neu orientieren wollten, ein sogenanntes Freiwilligenprogramm initiiert. Die Firma habe Geld zur Verfügung gestellt, dass die „Aussteiger“ als Abfindung bekommen. Etwa zehn Angestellte hätten das laut Baur bisher in Anspruch genommen. Die so freigewordenen Stellen versuche Eisen-Fischer nun intern nachzubesetzen. So werden Mitarbeiter, die ihren Arbeitsplatz sonst verloren hätten, nur in eine andere Abteilung versetzt – sofern das möglich ist. Das zu koordinieren sei allerdings nicht so einfach. „Wenn eine Stelle als Lagerarbeiter frei wird, kannst du natürlich nicht jeden dahin stecken“, sagt der Belegschaftsvertreter.

Baur ist froh, dass es jetzt zumindest nicht zu einer großen Kündigungswelle kommen wird und dass man alles auf „humane Art“ geregelt habe. Aber der Betriebsratschef betont, dass er sich nicht ruhigen Gewissens zurücklehnen könne. „Für den Moment ist alles gut. Aber ich befürchte, es wird noch einmal etwas passieren“, sagt Baur. Wie weit man aus der Misere nun heraus sei, könne er noch nicht abschließend beurteilen.

Die Geschäftsleitung von Eisen-Fischer ließ mitteilen, dass sie sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu dem Thema äußern möchte.

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