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Glaube

29.01.2020

Aufbruch zu mehr Ökumene

Ökumenischer Gottesdienst mit Martin Stumpf (von links), Bezirksältester der neuapostolischen Kirche, Gerhard Wolfermann, Dekan der evangelisch-lutherischen Kirche, Benjamin Beck, Stadtpfarrer der katholischen Kirche, Georgios Vlantis, griechisch-orthodoxe Kirche und Stefan Striefler, Pastor der Freikirche Gospelhouse.
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Fünf christliche Konfessionen feiern erstmals gemeinsam einen Gottesdienst und bereiten die Gründung einer ökumenischen Arbeitsgemeinschaft vor

Vertreter fünf verschiedener christlicher Gemeinden haben am Samstag gemeinsam Gottesdienst in Sankt Salvator gefeiert – das ist ein ökumenisches Novum für Nördlingen. Der Gottesdienst fand im Rahmen der weltweiten Gebetswoche für die Einheit der Christen statt.

Gastgeber Benjamin Beck, Pfarrer der katholischen Pfarreiengemeinschaft, hielt den Gottesdienst gemeinsam mit dem evangelisch-lutherischen Dekan Gerhard Wolfermann, Rainer Stumpf, Neuapostolische Kirche, Stefan Striefler, Pastor der Freikirche Gospelhouse und Georgios Vlantis, Vertreter der griechisch-orthodoxen Kirche. Der Priester der rumänisch-orthodoxen Gemeinde, Ioan-Catalin Pintilie, war ebenfalls anwesend. Dekan Wolfermann machte in seiner Predigt deutlich, dass das Christentum bereits in seinen Anfängen bunt und vielfältig gewesen sei; dass sich die Gemeinden, etwa in Irland und Äthiopien, ganz unterschiedlich entwickelt hätten. Dennoch: Die heutige Zersplitterung der Christenheit sei „nicht gerade ein Aushängeschild“, so Wolfermann. Er hob hervor, was alle Christen verbindet: die Taufe und der Glaube an Christus, die Erfahrung des Angenommen-Seins und der Liebe von Gott.

Im Anschluss an den Gottesdienst sprach Vlantis, der auch Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Konfessionen Bayern (ACK) ist, über die Gründung einer lokalen ökumenischen Arbeitsgemeinschaft im Pfarrheim. Er machte deutlich, dass Ökumene eine „Übersetzungsaufgabe“ sei – nicht nur der Sprache, sondern vor allem der Kulturen. In Bayern arbeite er mit 22 verschiedenen christlichen Kirchen zusammen, unter anderem mit Anglikanern, Kopten, Serbisch-Orthodoxen und Armeniern. Vlantis ermutigte seine Zuhörer, eine lokale Arbeitsgemeinschaft Christlicher Konfessionen zu gründen, denn es sei wichtig, dass die Christen „mit einer Stimme sprechen“. Damit gewinne der christliche Glaube an Glaubwürdigkeit, Verbindlichkeit und Sichtbarkeit in der Gesellschaft, sagte er.

Für Pastor Striefler ist in der Ökumene der Wunsch zentral, den Menschen in Nördlingen zu dienen: „Dafür braucht es alle Kirchen, und ein gutes gegenseitiges Miteinander.“ Für Stumpf ist Ökumene eine „Aufgabe von Herz zu Herz“. „Versöhnte Verschiedenheit kennzeichnet das Miteinander“, sagte er.

Was die Konfessionen trennt, ist unter anderem der Streit ums gemeinsame Abendmahl. Das unterschiedliche Amtsverständnis von protestantischen Pfarrern und katholischen Priestern sei ein großes Hindernis, erklärte Wolfermann, und fügte hinzu, dass die großen theologischen Fragen auf lokaler Ebene nicht im Vordergrund stünden.

Er plädierte stattdessen für einen ökumenischen Ansatz von unten, für mehr Zusammenarbeit im karitativ-diakonischen Bereich. Mit der Lebensmitteltafel und der Suchtberatung gebe es bereits Beispiele für interkonfessionelle Projekte (evangelisch und katholisch), bei denen Vertrauen zwischen den Gemeinden wachsen könne. Alle Christen hätten die Verantwortung, für einen menschlichen Umgang miteinander einzutreten und darauf zu achten, wie wir miteinander und übereinander reden.

Pfarrer Beck kann sich eine engere Zusammenarbeit mit den anderen Gemeinden bei den Themen der Schöpfungsverantwortung, dem Eintreten für verfolgte Christen und der Sorge um Kranke und Sterbende vorstellen.

Die Gemeindeverantwortlichen wollen sich demnächst noch mal treffen, um über konkrete Inhalte und Ziele einer Zusammenarbeit zu beraten. Vom 15. bis 17. Mai findet außerdem der ökumenische Kirchentag in Donauwörth statt.

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