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Kirche

15.04.2019

Aus dem Festvortrag wurde eine 464-Seiten-Chronik

Bei der Präsentation der Chronik (von links): Stadtpfarrer Benjamin Beck, Bistumshistoriker Dr. Thomas Kroll, Autor Xaver Hönle, Oberbürgermeister Hermann Faul, Stadtarchivar Dr. Wilfried Sponsel.
Bild: Hummel

Xaver Hönle dokumentiert die Geschichte von St. Salvator und rekapituliert dabei auch das Osterwunder

So kann’s gehen: 1997 bat der damalige Stadtpfarrer Paul Erber Xaver Hönle, eine Festrede zum 550-jährigen Jubiläum der Urkunde zu verfassen, in der die katholische Nördlinger Pfarrkirche erstmals erwähnt wurde. Das Einlesen in die Geschichte der Kirche zog den früheren Schulamtsdirektor so in seinen Bann, dass es zu einem Lebenswerk wurde – jetzt, 22 Jahre später, präsentierte er im Pfarrsaal die daraus entstandene großformatige, 464 Seiten starke Chronik. Stadtpfarrer Benjamin Beck moderierte den Festakt und erklärte, er habe Paul Erber als Impulsgeber des Werks besucht und ihm das allererste Exemplar überreicht. „Man sieht dem Werk das Herzblut an, das drinnen steckt“, so Beck. Das Leben vieler Menschen sei mit St. Salvator verknüpft, das von Xaver Hönle nun auch.

Stadtarchivar Dr. Wilfried Sponsel charakterisierte das Buch in seinem Vorwort als „Nachschlagewerk, das aber auch als Lesebuch benutzt werden kann“. Der Historiker des Bistums Augsburg, Domkapitular Dr. Thomas Kroll, referierte über die Besonderheiten kirchlicher Geschichtsforschung: Neben wissenschaftlich genutzter Quellen müsse sie zusätzlich den jeweiligen historischen Stand der Sinngebungs-Erkenntnis berücksichtigen. So gehen und gingen manche Forscher davon aus, dass die kirchliche Entwicklung konsequent einer idealen Gestalt zustrebe, andere postulieren im Gegenteil eine permanente Abweichung von der Urkirche. Zu letzteren zählen protestantische Forscher, dank deren die Darlegung alter Quellen, mit denen sie ihre Thesen beweisen wollten, zu großer Blüte kam und jedweder Forschung eine gute Grundlage bescherte.

Die Form der Chronik, die Hönle in bewundernswerter Klarheit und Übersicht durchgehalten habe, stelle in ihrem konsequenten Zeitablauf eine optimale Basis dar, alle Entwicklungen aus ihrer jeweiligen Zeit heraus zu beleuchten und unter anderem seinerzeit verschmähten Ideen und Werken rückwirkend gerechte Würdigung zuteil werden zu lassen.

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Hönle rekapitulierte zunächst die von ihm akribisch aufgearbeitete Geschichte vom Hostienwunder 1381, wo in der Osterwoche eine verlorene Hostie wiedergefunden wurde und vier Jahre später eine Kapelle, im Jahr 1400 schließlich eine Wallfahrtskirche mit Kloster errichtet wird. Nach der Reformation verkommt das Gebäude, wird als Lager genutzt, 1805 verheizen einquartierte österreichische Soldaten Empore und Kanzel. Ab 1826 wird die Pfarrkirche zwei Jahre lang saniert, bis 2000 erfolgen sechs weitere große Sanierungen. Hönle skizzierte seine klare Gestaltung: Links vom Haupttext läuft eine Zeitleiste mit Jahreszahl und Kurzfassung des Textes, die Quellenangaben schließen sich den jeweiligen Textabschnitten direkt an, ganz oben ist der Zeitraum markiert, der auf der Doppelseite abgehandelt wird. Auf 52 Seiten Anlagen sind Quellen, Urkunden und großformatige Bilder zu sehen, der gesamte Text ist reich mit kleineren Bildern versehen. Die 15 Stadtpfarrer und 96 Kaplane werden porträtiert, danach folgt ein Verzeichnis von 190 Stichworten von A wie Ablässe bis Z wie Zünfte, das es erlaubt, sich gezielt über spezielle Themen zu informieren.

Kirchenpfleger Peter Bühlmeier verlas stellvertretend ein Grußwort von Dr. Albrecht Weiland, Geschäftsführer des Verlags Schnell und Steiner, dem Vertrieb und Auslieferung der Chronik obliegen. Er hob die gute Kooperation des Verlags C.H. Beck als gute Ausgangslage hervor und lobte ebenfalls die klare Struktur der Chronik, die die Geschichte und nicht zuletzt alte Strukturen lebendig werden lasse.

Klaus Ortler, seit 1992 Kantor von St. Salvator, begleitete den Festakt denkbar passend mit Orgelwerken, die zum Teil noch aus der Zeit vor dem Hostienwunder stammen und eine Impression der Entwicklung der Orgelmusik über die Jahrhunderte gaben. (hum)

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