Newsticker

Nach Trumps Wahlkampfauftritt steigen die Corona-Fälle in Tulsa
  1. Startseite
  2. Lokales (Nördlingen)
  3. Autoprämie: „Es muss schnell etwas entschieden werden“

Nördlingen

16.05.2020

Autoprämie: „Es muss schnell etwas entschieden werden“

Die Nachfrage nach Autos soll nach den Plänen Söders mit der „Innovationsprämie“ angekurbelt werden.
Bild: Matthias Link

Plus Das sagen Nördlinger Autohändler zur Diskussion um die Kaufprämie für Kraftfahrzeuge.

Die Frage nach einer Auto-Kaufprämie wird derzeit kontrovers diskutiert. Die Ministerpräsidenten der drei sogenannten Autoländer Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen fordern nach wie vor 4.000 Euro „Innovationsprämie“ für emissionsarme Neu- und Jahreswagen mit Elektro-, Brennstoffzellen- oder Plug-In-Hybrid-Antrieben – zusätzlich zu der schon bestehenden E-Auto-Förderung von 6.000 Euro. Für den Kauf von Verbrennern der Schadstoffklassen 6d und 6d-Temp soll es nach ihren Plänen 3000 Euro geben. Eine „Recyclingprämie“ in Höhe von 1.000 Euro könnte erhalten, wer sein älteres Auto mit Euro-4-Norm oder schlechter verschrotten lässt.

„Es muss schnell etwas entschieden werden, sonst läuft der Verkauf der Neuwagen nicht an“, sagt Klaus Grimm, Geschäftsführer des BMW-Autohauses Grimm. „Die Diskussion behindert das ganze Geschäft, keiner kauft momentan Neufahrzeuge, da alle warten, bis das entschieden ist. Zusätzlich zu den Wochen der Schließung kommt jetzt noch die Kaufzurückhaltung bei den Neuwagen hinzu.“ Eine Kaufprämie würde er freilich begrüßen, sagt er, es stelle sich dann aber die Frage, was dann aus den Gebrauchtwagen werde. Gerade bei hochwertigen Gebrauchtwagen sei das Geschäft seit der Wiederöffnung überraschend gut wieder in Gang gekommen, sagt Grimm. Neuwagen mit alternativen Antrieben, die für die aktuell diskutierte Kaufprämie in Betracht kämen, beginnen bei ihm ab circa 35000 Euro, Jahreswagen mit Verbrennungsmotor und Schadstoffklasse 6d-temp hat er ab 20.000 Euro im Angebot. Die bereits bestehende Förderung in Höhe von 6000 Euro für E-Autos habe sich nur geringfügig auf die Nachfrage bei ihm ausgewirkt, sagt Grimm. Ob mit der neuen Prämie, die es auch für Verbrenner gäbe, nicht die Verkehrswende und das Erreichen der Klimaziele behindert würden? Dazu könne er nichts sagen, meint Grimm – er ist der Meinung, „es wird ohne Benziner und Diesel nicht gehen, da sie sehr sparsam und effektiv sind“.

Hauber: "Kaufprämie würde uns sicherlich helfen"

Hans-Jürgen Hauber, Geschäftsführer des Autohauses König, sagt: „Die Kaufprämie würde uns sicherlich helfen, aber ob sie angenommen wird, ist fraglich, da der ein oder andere Privatkunde momentan auf sein Geld schaut. Aus Fairnessgründen müssen Fremdfabrikate mitgefördert werden, aber dann wird mit unseren Steuergeldern nicht nur die deutsche Industrie gefördert. Da ist die Frage, ob das sinnvoll ist. Ich meine, man müsste ein Gesamtpaket machen, mit dem flächendeckend auch andere angeschlagene Branchen wie die Hotellerie und Gastronomie unterstützt würden.“ Bei Auto König sind die Verkaufszahlen in den letzten zwei Monaten im Gebrauchtwagenbereich um 50 Prozent und im Neuwagenbereich um fast 70 Prozent eingebrochen, so Hauber. Die jetzt schon bestehende E-Auto-Förderung habe eine deutliche Wirkung gehabt: „Die Verkaufszahlen sind definitiv gestiegen, es gab gute Aktionen für den e-Golf und auch die Nachfrage nach Hybridfahrzeugen ist in den letzten sechs bis neun Monaten gestiegen“, sagt Hauber. Ein einfaches Elektro-Modell ist zum Beispiel der Skoda Citigo e iV, der ab 20.000 Euro erhältlich ist. Zur ökologischen Kritik an der Kaufprämie sagt er: „Es ist fraglich, wie hoch der Einfluss der Pkw auf das Klima überhaupt ist und die ganze Kette der Herstellung der E-Autos ist auch mit Emissionen verbunden.“ Er setze die Emissionen der Pkw gerne zu denen der Luft- und Schifffahrt ins Verhältnis.

Autoprämie: „Es muss schnell etwas entschieden werden“

Matthias Martin ist Geschäftsführer des Autohauses Ernst Meier und Vertragshändler der Marken Kia und Suzuki. Er meint, es sei „überaus unglücklich, dass die Entscheidung um einige Wochen verschoben wurde“.

Kunden seien abgesprungen

Kunden von ihm seien deshalb wieder abgesprungen. Grundsätzlich sagt er zu einer Kaufprämie: „Wenn es hilft, dass die Leute wieder mehr Fahrzeuge kaufen, warum nicht? Ich glaube aber nicht, dass der große Run kommt, wie das bei der Abwrackprämie war. Es gibt noch genug Leute mit Kurzarbeit, die jetzt kein neues Auto kaufen.“ Bei Kia gebe es sowohl reine E-Autos als auch Plug-in-Hybride. Ein einfaches Modell wie den Kia Niro Plug-in-Hybrid gebe es bei ihm ab 34.000 Euro Listenpreis.

Doch ist die Kaufprämie nicht unvereinbar mit den Klimaschutzzielen? Matthias Martin sagt dazu: „Das sehe ich persönlich nicht so. Die aktuellen Fahrzeuge mit der höchsten Abgasnorm sind gar nicht so schlecht vom Umweltschutz her. Da gibt es andere Sachen, die man angreifen müsste.“ Eine Entscheidung der Bundesregierung zur Kaufprämie wird Anfang Juni erwartet.

Lesen Sie auch:

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren