1. Startseite
  2. Lokales (Nördlingen)
  3. Bald gibt es keine frischen Brezen mehr

Einkaufen

11.09.2019

Bald gibt es keine frischen Brezen mehr

Copy%20of%209312.tif
2 Bilder
Helma Krajnovic (im Bild mit ihrer Tochter Mira) betreibt in Deiningen einen Supermarkt und hätte ihre Waren – hier frische Brezen – gerne noch ein paar Jahre länger angeboten. Doch Ende Oktober ist Schluss.
Bild: Szilvia Izsó

In Deiningen wird demnächst ein Supermarkt schließen. Die Besitzerin erklärt ihre Gründe. Wie der Dorfladen in Alerheim angenommen wird.

Von Butter bis Schreibwaren, Wurst bis Duschgel: Kleine Supermärkte und Dorfläden erinnern oft an die typischen Tante-Emma-Läden. Mit ihrem Sortiment bieten sie Bürgern eine große Vielfalt an. Doch viele Menschen kaufen inzwischen in größeren Supermärkten und Discountern ein. Wir wollen wissen, wie die Situation in Deiningen und Alerheim aussieht.

In Deiningen hat Helma Krajnovic den Edeka Frischemarkt von ihrer Mutter übernommen. Sie hätte gerne noch zwei, drei Jahre weitergemacht, denn die Arbeit mache ihr Spaß, sagt sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Doch am 26. Oktober ist nun Schluss. Krajnovic wird ihren Laden und die dazugehörige Bäckerei schließen. Dass es dazu kommt, hat mehrere Gründe. Sie hätte zum Beispiel für die letzten Jahre bis zu ihrem Ruhestand noch viel Geld investieren müssen, um auf dem neuesten Stand zu bleiben, erklärt die Deiningerin. Das lohne sich nicht mehr. Zudem gebe es noch keinen Nachfolger. Besonders freitags und samstags kommen viele Deininger in den Supermarkt von Krajnovic. Vor allem Frischwaren wie Semmeln und Gebäck, die der Markt selbst herstellt, seien beliebt, berichtet die Inhaberin. Viele würden die Schließung bedauern.

Für Deiningens Bürgermeister Wilhelm Rehklau ist die Schließung des Supermarktes ein Verlust für die Gemeinde. Man könne die Entwicklung kaum aufhalten, sagt Rehklau. Die Bürger seien heutzutage viel mobiler, arbeiten in anderen Orten und stünden unter Zeitdruck. Sie würden deshalb dort etwas einkaufen, wo sie gerade sind und nicht mehr zwingend in der Gemeinde.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Seit 2017 hat der Discounter Netto eine Filiale in der Gemeinde. Dadurch sei noch eine Nahversorgung im Ort sichergestellt, sagt Rehklau. Beim Bau des Discounters sei auch über die ungeklärte Nachfolge für den Edekamarkt gesprochen worden. Auch unter diesen Gesichtspunkten habe man sich nicht gegen den Bau des Discounters aussprechen können. Der Bau sei ohnehin eine privates Vorhaben gewesen, betont der Bürgermeister.

Auch die Poststelle macht dicht

Neben dem kleinen Supermarkt wird Ende September zudem die Poststelle in Deiningen schließen. Das habe ihm die Post mitgeteilt, sagt Rehklau. Der bisherige Betreiber höre auf und weder sein Nachfolger noch andere Geschäftsleute wollen die Poststelle übernehmen. Es gebe nun noch die Möglichkeit eines Paketshops.

In Alerheim sieht die Situation etwas anders aus. 2016 hat dort eine Genossenschaft einen Dorfladen mit Café gegründet. Vorstandsvorsitzende Simone Gerstmeyr ist mit der Entwicklung zufrieden, auch wenn die anfängliche Euphorie nachgelassen habe. Der Dorfladen sei weiter gut besucht und werde sehr geschätzt. Vor allem im Café treffen sich Alt und Jung, sagt Gerstmeyr. „Manchmal ist der Geräuschpegel schon sehr hoch.“ Im Sommer sei das Café zudem ein beliebter Treffpunkt bei den 10- bis 18-Jährigen gewesen.

Auch die Umsätze seien in Ordnung. Im vergangenen Jahr habe der Laden ein Plus von 400 Euro gemacht. Solange der Laden keine roten Zahlen schreibe, passe alles, sagt die Vorstandsvorsitzende.

Vor allem bei den Bäcker- und Metzgerartikeln kaufen die Kunden oft für die ganze Woche ein, berichtet Gerstmeyr. Beim restlichen Sortiment merke man schon, dass viele Kunden die Artikel kaufen, die sie bei ihrem Großeinkauf vergessen haben. Das sei jedoch okay, denn von diesem Sortiment könne der Laden sowieso nicht leben. Dass das Geschäft eine Genossenschaft ist, findet sie weiterhin gut. Einer Privatperson würde der Betrieb eines Dorfladens wahrscheinlich schwerer fallen, meint sie.

Alerheims Bürgermeister Christoph Schmid sagt, dass der Dorfladen einen hohen Stellenwert in der Gemeinde habe. Nicht nur aufgrund der Nahversorgung, sondern auch für das Gemeinschaftserlebnis. Dass es so gut laufe, liege vor allem an den vielen Ehrenamtlichen. „Der Dorfladen ist aus dem Gemeindeleben nicht mehr wegzudenken“, sagt Schmid.

Den Kommentar zum Thema lesen Sie hier: Warum kleine Läden vor Ort wichtig sind

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren