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Oettingen

23.07.2020

Bedarf an Kita-Plätzen soll in Oettingen schneller als gedacht steigen

Der katholische Kindergarten in Oettingen wird neu gebaut, er wäre auch anschließend durch die Modulbauweise erweiterbar. Nach neuesten Erkenntnissen könnte diese Erweiterung schneller kommen, als gedacht. „Eine starke Wirtschaft mit vielen Arbeitsplätzen bedeutet, dass immer mehr Leute einpendeln.“

Plus Ein Experte rechnet dem Oettinger Stadtrat vor, dass es bald schon zu wenig Kita-Plätze in Oettingen geben könnte. Ist der geplante neue Kindergarten bereits jetzt zu klein?

Ein Experte hat dem Oettinger Stadtrat in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause die Ergebnisse der Sozialraumanalyse präsentiert. So mancher zeigte sich überrascht und teils sogar besorgt über die Tatsache, dass die Stadt so schnell wachse, dass wohl selbst die Kapazität für den geplanten Neubau des katholischen Kindergartens schon bald nicht mehr ausreichen könnte.

Dr. Herbert Tekles von der Firma Demosplan stellte die soziale Entwicklung der Stadt vor. Zunächst ging es um den Aufbau der Analyse. Die Entwicklung des Sozialraums wird ihm zufolge durch die Komponenten Demografie, Familie, Arbeitsmarkt, soziale Indikatoren, Infrastruktur und Wohnen bestimmt.

Sozialraumanalyse in Oettingen: Jetzt kommen die Enkel der Generation "Babyboomer"

Erstaunt zeigte sich Tekles über die Bevölkerungsentwicklung in Oettingen, die seit 2018 von 5191 Einwohnern bis zur Erhebung am 25. Juni 2020 (Stand Einwohnermeldeamt) auf 5203 angestiegen sei. Dabei liege die Geburtenquote pro 1000 Einwohner bei 9,3, das Wanderungssaldo (Zuzüge abzüglich Fortzüge) bei 41. Er begründet den Bevölkerungsanstieg damit, dass nun die Enkel der Generation „Babyboomer“ kommen würden, ergänzt um die Zahl der Zugewanderten. Aus Tekles Zahlen geht auch hervor, dass die Umsätze der Betriebe deutlich nach oben gegangen seien. Er sagte: „Eine starke Wirtschaft mit vielen Arbeitsplätzen bedeutet, dass immer mehr Leute einpendeln.“ Oettingen biete attraktive Arbeitsplätze, dennoch sei die Zahl der Arbeitslosigkeit im kreisweiten Vergleich mit 2,8 Prozent relativ hoch. Die Stadt hat den zweithöchsten Wert, nur Hohenaltheim steht mit einer Arbeitslosenquote von 3,5 Prozent noch schlechter da.

Angesichts der steigenden Bevölkerungszahl meinte Tekles, dass im Schnitt zehn fertiggestellte Wohnungen pro Jahr zu wenig seien, wie es in Oettingen zuletzt der Fall war. „Es wäre gut, wenn Sie ein kleines bisschen mehr Wohnraum schaffen würden“, sagte er. Man solle außerdem nicht in die Höhe bauen, sondern maximal zwei Stockwerke. Erwin Taglieber (CSU/FWG) wollte dazu wissen, wie das zusammenhänge, wenn es doch immer mehr Alleinerziehende gebe, die kleinere Wohnungen nachfragten. Der Referent antwortete, dass sich die Sozialstruktur zum Negativen verändern würde, wenn anonyme Wohnblöcke entstünden.

Steigende Kinderzahlen: "Das kommt wie eine große Walze auf Sie zu"

Anschließend kam Tekles noch einmal auf das Thema zu sprechen, das auch im Anschluss der Sozialraumanalyse noch hinterfragt wurde. Tekles zufolge seien die Arbeitsplätze, die Oettingen zu bieten habe, „grandios“. Er empfahl jedoch: „Schauen Sie in der nächsten Zeit darauf, dass im Bereich der Kitas genügend getan wird. Das kommt wie eine große Walze auf Sie zu. Bei den Grundschulen gibt es noch etwas mehr Zeit, aber auch das kommt.“ Grundlage für seine Empfehlung ist die Entwicklung der Zahl der Drei- bis unter Sechsjährigen in Oettingen. Sie soll von aktuell rund 130 auf über 180 bis 2030 steigen. Die notwendige Infrastruktur zu schaffen, sei wichtig, um Wegzüge zu vermeiden.

Robin Bhattacharyya (SPD) wollte vom Experten wissen, ob die Zahlen bedeuten würden, dass es ein Drittel mehr an Betreuungs-Bedarf gebe. Tekles sagte dazu: „Ja, in etwa“. Georg Wiedemann merkte an, dass den Zahlen zufolge der Kindergarten, der aktuell gebaut werde, theoretisch schon zu klein wäre. Nach der Sozialraumanalyse steige schon 2021 die Zahl der Kinder im Alter zwischen drei und sechs auf über 140. Die jüngeren Kinder seien noch gar nicht berücksichtigt. Tekles sagte, dass es sich um die Bestandszahlen handle und die Stadt damit rechnen könne, dass sich die Zahl der Kinder mit dem Familiennachzug der Zuwanderer noch erhöhen werde. Seine Zahlen seien eine konservative Betrachtung.

Klaus Winter informierte das Gremium, dass der katholische Kindergarten so konzipiert worden sei, dass er mit Modulen ergänzt werden könne, sobald es Bedarf gebe. Platz sei ausreichend vorhanden. Er sagte, man habe gewusst, dass der Bedarf steige. „Dass er so steigt, haben wir nicht geplant.“

Heydecker bezeichnete die neuen Informationen als „interessante Zahlen“ und sagte: „Die müssen wir uns definitiv im Detail anschauen und uns in der Klausur im Herbst intensiv Gedanken darüber machen.“ Er sehe auch den Punkt Kinderbetreuung als dringend an. Allerdings ginge es seiner Ansicht nach auch um die Frage, wo ältere Menschen künftig wohnen sollen.

Im katholischen Kindergarten Sankt Franziskus ist aktuell Platz für 50 Kindergartenkinder, es gibt 30 Krippenplätze. Der neue Kindergarten wird direkt neben dem Bestandsgebäude gebaut. Dort sollen dann nach aktuellem Planungsstand zunächst 36 Krippen- und 75 Kindergartenplätze entstehen. Im Jakobus-Kindergarten gibt es nach Angaben der Leitung derzeit 75 Kindergarten- und 30 Krippenplätze. Im Waldkindergarten am Forst sind 20 Plätze für Kinder im Alter zwischen drei und dem Schuleintrittsalter vorhanden, sechs Plätze für die Kleinen zwischen zwei und drei.

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