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12.03.2009

Bei zwei Promille hört jede Coolness auf

Nördlingen Drei aktuelle Fälle aus dem Ries: Einer Zwölfjährigen ist schlecht, sie sagt zuhause, auf dem Spielplatz habe man ihr etwas "zu riechen" gegeben. Die Mutter ruft die Polizei, die mit einem Notarzt eintrifft. Er stellt fest, dass das Mädchen 2,14 Promille im Blut hat. Das Kind wird ins Krankenhaus eingeliefert. Später stellt sich heraus, dass sie zusammen mit zwei elfjährigen Freundinnen zwei Flaschen Wodka aus einem Geschäft gestohlen hat.

Fall zwei: Ein Dreizehnjähriger wird inmitten seines Erbrochenem an der Nördlinger Stadtmauer aufgefunden, er ist nicht mehr ansprechbar, muss ins Krankenhaus. Ein Freund hat den Wodka gestohlen, die vierzehnjährige Schwester hat mitgetrunken.

Ermittlungen gegen Verkäufer

Fall drei: Einer Polizeistreife fallen drei Jugendliche auf, 16 und 17 Jahre alt. Zwei haben den Dritten in die Mitte genommen, müssen ihn stützen. Beim Alkoholtest sieht es anders aus als auf den ersten Blick: Der Junge in der Mitte hatte 0,88 Promille; einer der anderen, der nicht so sehr auffiel, war offensichtlich schon abgehärtet und hatte 1,92 Promille im Blut. Gegen Verkäufer und Ladeninhaber des Geschäftes, das den Jugendlichen den Schnaps verkaufte, ermittelt jetzt die Staatsanwaltschaft.

Bei zwei Promille hört jede Coolness auf

Saufen und "vorglühen" ist auch bei uns angekommen

Polizeikommissar Andreas Schröter, stellvertretender Dienstgruppenleiter in Nördlingen und Ansprechpartner in Sachen Jugendschutz, lobt allerdings generell das Verhalten in Geschäften: "Es wird im Ries sehr genau hingeschaut, wie alt die Kunden sind. Ich habe selbst erlebt, wie Verkäuferinnen sich weigerten, Alkohol an Jugendliche auszuhändigen."

Schröter weiter: "Bei Alkoholkonsum von Kindern, oft im Zusammenhang mit Gewalt, ist es im Ries zwar nicht fünf vor zwölf, wir leben aber auch auf keiner Insel der Seligen mehr." "Komasaufen" mit kostengünstigem "Vorglühen" zu Hause sind auch bei uns angekommen.

Dass Jugendliche immer mehr trinken und immer früher damit anfangen, sind gesellschaftliche Erscheinungen. Kommissar Schröter fällt aus seiner Dienstpraxis heraus eines auf: "Das passiert nie allein, immer in der Gruppe."

Gruppenzwang und Geltungsbedürfnis

Gruppenzwang und Geltungsbedürfnis, das man zu Hause nicht erfüllen kann, spielen eine Hauptrolle. Aber der Polizist sieht im Gruppenverhalten genauso gut eine Lösung - wenn einige Couragierte zeigen, dass sie übermäßiges Trinken lächerlich finden, lassen es andere schnell sein.

Die Polizei leistet ihren Beitrag zur vorbeugenden Verhinderung von Schluck-Exzessen jetzt mit der Kampagne "Don't drink too much - Stay Gold". Die Schattenseiten des Komasaufens werden hier ebenso schonungslos wie originell dargestellt: Auf Bierfilzen sind echter Spaß und - im wahrsten Wortsinn als Kehrseite -, die ekelhaften Folgen zu vieler Striche auf dem Deckel dargestellt. Die Bierdeckel sind auch auf Plakaten abgebildet, auf der Homepage www.staygold.eu sind Aktionsspots zu sehen.

Initiative wird verstärkt publik gemacht

Im Ries macht die Polizei mit Unterstützung zahlreicher Partner die Initiative in den nächsten Wochen publik. "Wir nehmen verschiedene Stellen ins Boot", so Kommissar Schröter. So wird das Thema in den Jugendverkehrsschulen angesprochen, offenbar mit Erfolg: "Mir fällt bei Verkehrskontrollen sehr oft auf, dass Jugendliche ihre Fahrdienste sehr gut organisieren und sich von absolut nüchternen Freunden chauffieren lassen", so Schröter. In Schulen sprechen Drogenbeauftragte über das Alkoholproblem, die werbewirksamen Bierfilze und Plakate verteilt die Polizei in Schulen und Jugendheimen, Tankstellen und bei Jugendfeuerwehren.

Öffentliche Kampagnen und Polizeieinsätze können jedoch nicht die Aufmerksamkeit verantwortungsvoller Eltern ersetzen. Die aufgeführten Fälle zeigen, dass man sich nicht vom geringen Alter seiner Kinder täuschen lassen soll. "Alarmiert sollte man sein, wenn man regelmäßige Vorfälle alle zwei bis drei Wochen feststellt", so der Kommissar. Auf keinen Fall dürfe man sie herunterspielen. "Kommentar

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