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Veranstaltung

10.12.2019

Besinnliches und satirisches Musik-Kabarett

Reiner Panitz (links) und Dietmar Panitz unterhielten das Publikum in Mönchsdeggingen mit ihren Texten.
Bild: Anton Kutscherauer

Die „Mehlprimeln“ präsentierten ihr Weihnachtsprogramm in der Mönchsdegginger Rose. Dabei müssen die Zuhörer genau auf die versteckten Pointen achten

Das alljährliche Sommerkonzert der „Mehlprimeln“ in der Alten Bastei ist ein Fixpunkt im kulturellen Jahresrhythmus in Nördlingen. Heuer gab es sogar noch einen Nachschlag: auf Einladung des örtlichen Dorfvereins gastierte das Kaisheimer Brüderpaar Reiner und Dietmar Panitz mit seinem Weihnachtsprogramm „Auf die Plätzchen, fertig, los!“ in Mönchsdeggingen und begeisterte dabei die rund 110 Besucher im Saal des Gasthauses Rose.

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Der Ablauf des Abends ist vor allem dem Stammpublikum aus vergangenen Auftritten der beiden Musik-Kabarettisten bestens vertraut: im kurzweiligen Wechsel gibt es satirische, hintersinnige und bisweilen messerscharfe Lieder, Gedichte und Couplets. Nur dass dieselben diesmal großteils thematisch an Weihnachten ausgerichtet sind, dem unausweichlichen „Jahresendfeierprojekt“.

Nach dem einleitenden Text des Lyrikers Johann Christian Günther und einem alternativen Weihnachtslied wird die Bedeutung einer Weihnachtsfeier sarkastisch umdefiniert („hier soll gesündigt werden, ohne dass es zur Empfängnis kommt“). Die folgende Geschichte vom kleinen Michl und dem „gestohlenen“ Christkind ist heiter-anrührend, ehe ein Weihnachtsbaum seine ganz eigene Sicht auf sein kurzes Leben als solcher offenbart.

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Wie immer muss man bei den „Mehlprimeln“ genau aufpassen, um die vielen versteckten Pointen in den oft listig gesponnenen Texten nicht zu verpassen. Beim Lied „Heute kommt der Nikolaus“ wird das mühsame Geschäft eines Studenten als Miet-Weihnachtsmann aufgezeigt, im Brief an das Christkind möchte ein Kind das „neue Brüderchen ans Krankenhaus zurückgeben“ und ein Perspektivwechsel lässt den Leitspruch „Wir machen das ja nur wegen der Kinder“ in einem ganz anderen Licht erscheinen („Erwachsene an Weihnachten betreuen ist harte Kinderarbeit“). Den größten Beifall erhält die Szene vom „Advent im Seniorenheim“, wo sich die Alten gegen das Bombardement aus Flötenkreis, Trachtentänzern und Jagdhornbläsern notfalls mit dem Drillingsstutzen zur Wehr setzen.

Ansprechende Instrumentalnummern mit Gitarre, Hackbrett und Harfe lassen den Zuschauern zwischendurch Zeit zur Reflexion, besonders gefällig sind eine Mazurka und ein spanisch-kolumbianischer Flamenco. Auch nach der Pause steht jede Menge Satirisch-Kritisches zum allgegenwärtigen Weihnachtshype im Mittelpunkt des Programms. Auch altbekannte Nummern werden geschickt eingewoben: auf die „Fliegenden Untertassen“ und auf Georg Kreislers bitterböses „Mein Weib will mich verlassen“ folgt eine moderne Version von Hans-guck-in-die-Luft („Finn, guck auf die App“), bevor das zeitlos gute „Ich habe ja nur meine Lieder“ den Schlussakkord setzt.

Es ist ein unterhaltsamer, abwechslungsreicher und kurzweiliger Abend mit den „Mehlprimeln“ und ihrem Weihnachtsprogramm. Ihr feines Musik-Kabarett mit Anspruch und Humor, gepaart mit vertraulicher Ansprache gegenüber dem Publikum kommt gerade in der heimeligen Atmosphäre der Rose bestens an. So werden aus den ankündigten zwei Zugaben aufgrund anhaltenden Beifalls schließlich deren fünf – erst nach mehreren improvisierten Gedichten werden die Künstler von der Bühne gelassen.

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