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Porträt

25.11.2017

Bilder wie in Stein gemeißelt

Die Werke von Heiner Frank sind derzeit im Nördlinger Pilsclub zu sehen. Der Rieser ist Steinmetz-Meister.
Bild: Hummel

Heiner Frank stellt seine plastischen Gemälde derzeit im Pilsclub aus

Mit 14 Jahren hatte der Nördlinger Heiner Frank sein künstlerisches Schlüsselerlebnis: Sein Vater brachte ihm den Katalog einer Paul-Klee-Ausstellung mit und er war so fasziniert davon, dass er die Werke zunächst einfach abmalte. Er pilgerte fortan förmlich zu Klee-Ausstellungen in München, zum Paul-Klee-Zentrum und dessen Grab in seiner Heimatstadt Bern. „Die Titel seiner Werke waren so hintergründig, voller Witz und Ironie“, schwärmt der heute 33-jährige Künstler, sie inspirierten ihn zu eigenen Werken, wie „Der große Kaiser zum Kampf gerüstet“.

Schon war er losgelöst von seinem Idol, experimentierte an abstrakten Motiven mit Mischtechniken, etwa aus Acryl und Kreide, er malte in Aquarell, probierte Sprayfarben, setzte Schablonen ein. Mitten in der Experimentier-Phase machte er in der 12. Klasse am Gymnasium ein Steinmetz-Praktikum, das ihn derart begeisterte, dass er nach dem Abitur 2005 eine Steinmetz-Ausbildung begann.

Kunst und Handwerk gingen für ihn dabei immer Hand in Hand, zumal das Zeichnen, beispielsweise von Maßwerkfenstern, die Grundlage der Steinmetzarbeit ist. „Steinmetz ist mein Traumberuf“, sagt Heiner Frank und nachdem er ihn einige Jahre lang ausübte, besuchte er ab 2014 die Meisterschule in Wunsiedel. Auch hier blieben Beruf und Kunst eng verknüpft: Er lernte beim Freihandzeichnen perspektivisches Arbeiten und das Gefühl für Geometrie, die Natur und Steinmetz-Arbeit gleichermaßen durchdringt. Heiner Frank entwickelte in Schriftgestaltung ein eigenes Alphabet, von dem er sechs Buchstaben zu einem sechseckigen Steinquader als Meisterarbeit umsetzte. Diese Arbeit führt direkt zur aktuellen Ausstellung im Nördlinger Lokal Pilsclub: Hier präsentiert Frank eine Serie mit Acryl-Gemälden, auf denen er mit dreidimensionalen, wie aus Stein gehauenen Buchstaben spielt. Dabei baut er aus den Worten „Stein um Stein“ eine Mauer, „Würfel“ ist schwungvoll hingeworfen, Bei „Hoch-Tief“ ragen die einen Buchstaben heraus, die anderen versinken im Untergrund, „Blau“ zeigt die Verbindung von Farbigkeit und perspektivischer Darstellung, die bei ihm gleichermaßen stark zur Geltung kommen.

Nördlinger Stadtansichten nach Weihnachten

Dieses Prinzip führte er fort in der Ausstellung, die derzeit in Vorbereitung ist und nach Weihnachten im Pilsclub Einzug halten wird: Nördlinger Stadtansichten, bei denen er bewusst und erfolgreich gegen das Aufstöhnen „Was, noch mehr?“ vorging und es tatsächlich schaffte, neue Perspektiven mit ungewohnter Farbenpracht zu vereinen. Er stieg dabei extra zu besonderen Aussichtspunkten, wie etwa einer Luke im Dach von St. Georg, um Straßen und Häuser aus völlig neuen Blickwinkeln abzubilden; oder er setzte Wohlbekanntes aus extremen Perspektiven in Szene und verfremdete es zusätzlich in leuchtenden Farben.

An etlichen Nördlinger Gebäuden war er bereits als Restaurator im Handwerk zugange – so schließt sich wieder einmal der Kreis von Beruf und Kunst.

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