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16.07.2010

Biogasanlage 2: Einspruch

Maihingen/Marktoffingen Im Moment ist es ein seltener Vogel, der den Bau der Biogasanlage zwischen Marktoffingen und Maihingen südlich der Kreisstraße DON 5 verzögert. Denn, wie berichtet, hat eine Vogelart namens "Wiesenweihe" ganz in der Nähe ein Brutgebiet, das nach Ansicht von Naturschützern durch das Großprojekt bedroht ist und deshalb Ausgleichsflächen gesucht werden müssen.

Unabhängig von dem seltenen Federvieh stehen auch die Maihinger Harald Glöckner, Ingo Hübner und Benno Spegel dem Vorhaben einer neuen Biogasanlage Marktoffingen äußerst skeptisch gegenüber. Die drei gehören zur "Interessensgemeinschaft Standortdiskussion Biogasanlage", die mittlerweile 144 Unterschriften von Bürgerinnen und Bürgern gegen den Standort gesammelt hat. Einige von ihnen wohnen nur knapp 800 Meter davon entfernt und befürchten negative Auswirkungen wie Lärm, Gestank, zunehmenden Verkehr und eine sinkende Lebensqualität. Darüber hinaus wird die Fülle der Biogasanlagen im Nordries und eine zunehmende "Verschandelung" der Landschaft beklagt.

Frustriert nach Hause

Am vergangenen Montag sind einige Maihinger frustriert von der Gemeinderatssitzung in Marktoffingen nach Hause gezogen, weil das Gremium trotz Bedenken der Bürger (auch knapp 100 Bürger aus Marktoffingen haben gegen die Anlage unterschrieben) weiterhin mehrheitlich hinter dem Projekt steht (wir berichteten).

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Unbedingt dieser Standort?

Niemand zweifelt daran, dass die rechtlichen Aspekte für die Errichtung der Anlage erfüllt werden. Aber muss es unbedingt dieser Standort sein, nur ein paar hundert Meter entfernt von den Ortsrändern?

Man habe auch Verständnis dafür, dass sich Landwirte angesichts sinkender Erzeugerpreise und ungünstiger Rahmenbedingungen zweite Standbeine schaffen wollen, betont Harald Glöckner. Aber dies einfach so am Bürgerwillen vorbei zu tun, das könne nicht angehen. "Inzwischen ist man beim Thema Biogas einfach übers Ziel hinausgeschossen."

Bevölkerung lässt sich immer weniger abspeisen

Ingo Hübner verweist im Gespräch mit den Rieser Nachrichten auf die jüngsten Proteste der Bevölkerung gegen eine Biogasanlage in Wolferstadt (wir berichteten). Die Bevölkerung lasse es sich immer weniger gefallen, dass bei Großprojekten nur noch die Eigeninteressen der Betreiber im Vordergrund stünden und die Belange der Bevölkerung sekundär seien.

Ganz zu schweigen von der Informationspolitik. "Wir als Bürger haben ein Recht darauf, rechtzeitig über solche Mammutprojekte aufgeklärt zu werden. Im Fall Marktoffingen war dies nicht der Fall", kritisiert Hübner.

Die Maihinger setzten jetzt ihre letzte Hoffnung, die Bauherren wenigstens noch zu einem anderen Standort zu bewegen, auf die Politik. Deshalb haben sie sich an die CSU-Abgeordneten Ulrich Lange und Georg Schmid gewandt. "Beide äußerten Verständnis, verwiesen uns aber an den Landrat", so Harald Glöckner, der bereits mit dessen Büro Kontakt aufgenommen und um einen Vor-Ort-Termin mit dem Landkreischef gebeten habe. "Wir hoffen, dass Rößle noch etwas bewegen kann", so Benno Spegel.

Durch den Ort brettern

Andernfalls sehen die drei Maihinger sehen jetzt schon landwirtschaftliche Großfahrzeuge durch den Ort brettern, weil die 2,4 Megawatt-Anlage entsprechend gefüttert werden müsse und dafür zirka 80 bis 100 Tonnen Biomasse benötigt würden. Hinzu zählen müsse man noch die "Rückfahrten".

Und noch eines stinkt ihnen gewaltig: Eine Biogasanlage sei ein Gewerbe. Trotzdem könnten die Betreiber sämtliche Vorteile eines landwirtschaftlichen Betriebes nutzen (Gasölverbilligung, grüne Nummernschilder, um keine Kfz-Steuer bezahlen zu müssen). Und wer prüfe Lenk- und Ruhezeiten, wie bei gewerblichen Transportunternehmen nach? Niemand.

Ende der Fahnenstange erreicht

Die Forderung von Glöckner, Spegel und Hübner ist klar: "Die Politik muss eingreifen und den ausufernden Bau von Biogasanlagen durch entsprechende Obergrenzen steuern. Das Ende der Fahnenstange, besonders im Landkreis Donau-Ries, ist erreicht."

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