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12.07.2010

Biogasanlage treibt Bürger auf die Barrikaden

Wolferstadt Sie befürchten Lärm und Gestank und sehen die "ländliche Idylle" in Gefahr. Zahlreiche Bürger in Wolferstadt machen derzeit gegen eine mögliche Biogasanlage mobil. Gut 100 Meter entfernt vom bestehenden Gewerbegebiet "Ried" möchte ein Unternehmer westlich des Orts eine solche bauen. Der Gemeinde liegt nach Auskunft von Bürgermeister Xaver Schnierle bislang nur eine Bauvoranfrage vor. Jedoch beschäftigen sich die Kommune und diverse Ämter schon seit einiger Zeit mit der Frage, ob, wie beziehungsweise wo eine solche Anlage verwirklicht werden könnte.

Lärm, Geruch, Verkehr

Nachdem das Thema kürzlich im Gemeinderat öffentlich geworden war, formierte sich Widerstand gegen das Projekt. "Das ist zu nahe am Dorf dran", meint Martin Färber, Sprecher einer Initiative, die sich mittlerweile gründete. Färber und seine Mitstreiter wollen die Anlage westlich der Ortschaft nicht akzeptieren, da mit ständigem Lärm, Geruchsbelästigung und Verkehrsbelastung durch die regelmäßige Anlieferung von Gülle und Mist ("mehrere Tausend Fuhren jährlich") zu rechnen wäre. Zudem würde es sich um "einen Fremdkörper im Ortsbild" handeln.

"Je mehr von dem Vorhaben bekannt wird, desto mehr Widerstand rührt sich", schildert Färber. Innerhalb weniger Tage sammelte die Initiative 230 Protest-Unterschriften und überreichte die Listen gestern dem Bürgermeister. Auch dieser stellt fest: "Es gibt eine ganze Menge Widerstand." Schnierle betont jedoch: "Das Ganze ist in der Prüfungsphase. Entschieden ist noch lange nichts." Noch sei nicht klar, was der Gemeinderat mache.

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Das 1,2 Hektar große Grundstück für die 250-Kilowatt-Biogasanlage möchte Schnierle zufolge der Investor von einem Landwirt kaufen. Da der mögliche Betreiber selbst kein Landwirt ist, wäre das Vorhaben nicht privilegiert. Folge: Die Gemeinde müsste den Bereich als Gewerbegebiet ausweisen, damit der Unternehmer dort überhaupt bauen dürfte.

Das Landratsamt sei der Ansicht, dass auch die Fläche zwischen dem "Ried" und dem Biogasanlagen-Areal als Gewerbegebiet ausgewiesen werden sollte. Weiter herrsche bei den Behörden die Meinung vor, dass eine Biogasanlage nahe an schon existierende Bauten rücken sollte, um die Abwärme möglichst effektiv nutzen zu können.

Hier meldet die Bürgerinitiative einige Zweifel an. "Die Frage ist hier, ob überhaupt Bedarf für die Abwärme vorhanden ist", erklärt Martin Färber. Hintergrund: In Wolferstadt sind bald fast sämtliche öffentliche Gebäude sowie eine Reihe von Privat- beziehungsweise Gewerbeanwesen an zwei größere Hackschnitzelanlagen angeschlossen.

Gestern Abend beriet der Gemeinderat über eventuelle Alternativstandorte, die den übergeordneten Behörden - das Landratsamt wäre für die eigentliche Baugenehmigung zuständig - vorgeschlagen werden sollen. Den momentan ins Auge gefassten Bereich hält der Bürgermeister im Gegensatz zum Landratsamt für "ein bisschen prekär". Die Kommune nehme den Protest der Bürger "sehr ernst", so Schnierle. Zusammen mit Vertretern der Initiative sah sich der Gemeinderat am Montag vergleichbare Biogasanlagen in Gosheim, Bühl und Alerheim an.

Gespräch mit Initiative

Bei dieser Gelegenheit hätten die Räte mit den Gegnern der Anlage in Wolferstadt ein "informatives, gutes Gespräch" geführt, berichtet Xaver Schnierle. Dabei sei auch grundsätzlich über den Sinn von Biogasanlagen diskutiert worden. Dazu sagt der Bürgermeister: "Wir im Gemeinderat haben nicht darüber zu entscheiden ob Biogasanlagen gut oder schlecht sind." (wwi)

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