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Ernte

10.10.2018

Blaues Auge für die Landwirtschaft

Heuernte im Sommer 2018. Schön gold sah es vielerorts aus, doch die Erträge im Kreis Donau-Ries waren oftmals unterdurchschnittlich. (Symbolbild)

Die Bilanz bei Getreide im Landkreis Donau-Ries fällt mau aus, aber nicht skandalös. Freude gibt es dafür an anderer Stelle.

Die Erntedankkörbe in den Kirchen waren am Sonntag wieder prall gefüllt. Und ja, es wuchs wirklich viel dieses Jahr: Allem voran beim Obst kann keiner klagen. Die Landwirte in der Region sind aber auch beim Getreide nach dem sogenannten Jahrhundertsommer 2018 „mit einem blauen Auge davongekommen“, wie Manfred Faber, Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Nördlingen auf Nachfrage unserer Zeitung mitteilt. Trotzdem müsse sich die Landwirtschaft in den kommenden Jahren zum Teil umorientieren, mutmaßt der Experte. Denn über die Jahre seien die Niederschläge eher zurückgegangen.

Der Vergleich dient oftmals der Verdeutlichung der eigenen Situation: „Es gab Regionen in Deutschland mit deutlich geringerem Ertrag“, sagt Faber. Er kennt die Bilder von den verbrannten Feldern im Osten und Norden der Republik, er sei dort zu Besuch gewesen im Sommer. Die ansässigen Landwirte klagen über Ertragseinbußen von bis zu 50 Prozent beim Getreide. Nein, so arg habe der ausbleibende Regen die Bauern im Kreis Donau-Ries nicht getroffen, dennoch seien auch sie „nicht ungeschoren davongekommen“. Regional seien die Erträge recht unterschiedlich ausgefallen. Das liege, so Faber, allem voran an der unterschiedlichen Bodenbeschaffenheit. Auf den kiesig-schottrigen Böden entlang von Donau und Lech, etwa im Bereich Rain und Niederschönenfeld, hätten die Bauern größere Einbußen gehabt, ebenso auf den sandigen Böden des Rieses. In Mertingen habe man auf Schotterböden teils nur „furchtbare“ Zuckerrüben ernten können. Sowohl Sand als auch Schotter bieten keinen ausreichenden Wasserspeicher, welcher jedoch bei ausbleibendem Regen enorm wichtig wäre.

Die Einbußen gegenüber den „normalen“ Jahren mit durchschnittlicher Ernte betragen im Landkreis bei Getreide regional unterschiedlich zwischen zehn und 20 Prozent. Beim Silomais sähe es genauso aus, informiert Faber. Auch das Grünland habe sichtlich gelitten – und spürbar: Normalerweise würden die Wiesen bis zu fünfmal geschnitten. Daran sei heuer nicht zu denken gewesen. Die Wiesen seien hier, anders als im beispielsweise im Allgäu, regelrecht ausgebrannt gewesen.

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Dieser Beschreibung entspricht auch die Niederschlagsmenge, die an den Stationen Neuhof bei Kaisheim und Wallerstein gemessen wird. Der zufolge regnete es heuer um bis zu 300 Liter pro Quadratmeter weniger als normalerweise. Die Beobachtung sinkender Niederschläge, erläutert AELF-Mann Faber, mache man seit 1991, allerdings nicht kontinuierlich: Immerhin fünf Jahre liegen über dem Niederschlagsdurchschnitt, der von 700 Liter pro Quadratmeter ausgeht. „Hier erkennen wir eindeutig eine Tendenz“, resümiert der Amtsleiter. Auch bei den Temperaturen liege man dieses Jahr eindeutig zu hoch. Bereits im Januar habe sich das abgezeichnet, der mit 3,5 Grad Celsius „deutlich zu mild“ gewesen sei. Die Monate April bis einschließlich September lägen um zwei Grad Celsius über dem langjährigen Monatsmittel.

Teils seien den Bauern die Hände gebunden, so Faber: „Wir können das Wetter letztlich nicht beeinflussen.“ Technische Maßnahmen oder der Sortenwechsel sollten überlegt angegangen werden, „denn keine Pflanze wächst ohne Wasser“. Sukzessive könne ein Landwirt zu Kulturen wechseln, die weniger Feuchtigkeit, aber mehr Wärme verlangten, wie beispielsweise die Sojabohne. Faber prognostiziert, dass „die Umstände das bringen“. Punktuell helfe Bewässerung – die aber müsse sich wirtschaftlich lohnen, was angesichts niedriger Preise weder beim Getreide noch bei der Rübe aktuell der Fall sei. Des Weiteren sei auch die zusätzliche, künstliche „Beregnung“ an einigen Gebieten „ohne Grundwassernähe“ schier unmöglich, wie zum Beispiel im Jura. Es sei für die Landwirte zu überlegen, zum Teil auf robusteres, „strapazierfähigeres“ Getreide zu setzen, wie etwa die Wintergerste. Die sei bereits Ende Juni reif für die Ernte – ein Hitzesommer wie der vergangene bliebe ihr in Teilen erspart. Ganz anders sieht es heuer beim Obst aus. Nach einem desolaten Jahr 2017 mit Frost im April seien die Bäume heuer „voll bis zum Ästebrechen“ gewesen, sagt Faber. Nicht nur mengenmäßig sei die Ernte dieses Jahr erfreulich, sondern auch qualitativ. Vor allem Äpfel und Birnen zeichneten sich aktuell durch eine besondere Süße aus.

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