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Prozess

04.12.2017

Blödsinn statt Brauchtum: Wegen angesägter Maibäume vor Gericht

Ein junger Mann aus dem Raum Monheim stand nun in Nördlingen vor Gericht. (Symbolbild)
Bild: Alexander Kaya

Die Folgen einer Mainacht wurden jetzt am Nördlinger Amtsgericht verhandelt. Ein junger Mann sägt zwei Maibäume an und flüchtet. Ein Zeuge stellt sich vor die Motorhaube.

Dass dieser Scherz in der Mainacht 2017 ganz schön „bescheuert“ und gefährlich war, muss sich der Angeklagte vor Gericht mehrmals selbst eingestehen. Sowohl in Daiting, als auch in Liederberg bei Monheim hat er mit einer Motorsäge den großen Maibaum angesägt. Bis etwa zur Hälfte des Stammes drückte er die Säge in den Daitinger Baum, dann wurde er erwischt.

Denn das Geräusch der Motorsäge hat einen heute 29-Jährigen alarmiert. Doch der Täter stieg ins Auto und fuhr mit seinem Beifahrer davon. In der Mainacht wolle man schließlich nicht erwischt werden, sagte er vor Gericht. Der Zeuge in Daiting wollte den damals 20-Jährigen allerdings auch nicht einfach so davon kommen lassen. Er wusste, dass der Täter sein Auto in Richtung Baustelle lenkte, und damit in eine Sackgasse. Der Flüchtige würde also gleich wieder umkehren und dann könnte er ihn aufhalten, dachte er sich offenbar damals. Am Nördlinger Amtsgericht schilderte der Zeuge bei Jugendrichter Andreas Krug, dass er folglich eine Absperrung aus Plastik auf die Straße zog. Ein Stück des restlichen freien Platzes versperrte er mit seinem eigenen Körper. Der Flüchtige fuhr auf den Zeugen zu, hielt an, und legte dann doch wieder den Rückwärtsgang ein, um umzudrehen und in eine weitere Sackgasse zu fahren: einen Bauernhof. Der junge Mann wendete erneut. Der Zeuge stellte sich vor das Auto. „Ich legte meine Hände auf die Motorhaube und wollte, dass er aussteigt, dass man eventuell über die Sache redet“, sagte er.

Doch dazu sei der Fahrer nicht bereit gewesen, sondern drückte langsam aufs Gas. Als der Zeuge das bemerkte, machte er nach eigenen Angaben einen schnellen Schritt zur Seite. Das Auto verschwand in der Nacht. „Die Nummer habe ich mir aber gemerkt und dann die Polizei gerufen.“ Die Beamten fanden das Auto gegen 5 Uhr ein paar Ortschaften weiter. Der Fahrer alkoholisiert – laut Gericht mit rund 0,75 Promille –, der Beifahrer verschwunden. Seither ist der Fahrer aus dem Raum Monheim seinen Führerschein los. Und wird es auch noch fünf Monate bleiben. Jugendrichter Andreas Krug verhängte zudem nach Jugendstrafrecht eine Geldstrafe von 900 Euro, 100 Sozialstunden und fünf Suchtberatungsstunden. Außerdem solle er Entschuldigungsschreiben an die Maibaumfreunde schicken und den Schaden begleichen. Die von der Staatsanwaltschaft geforderten zwei Wochen Arrest lehnte der Richter ab, weil es sich bei dem Angeklagten um einen „braven Kerl“ handle.

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So verhielt er sich auch vor Gericht. Der junge Mann entschuldigte sich und sagte, dass es sich um eine „scheiß Idee“ handelte und so etwas nie wieder vorkommen werde. Krug befand, dass sich der heute 21-Jährige von der damaligen Gruppendynamik zu dem Unsinn hat mitreißen lassen. „Von allein wäre er da nie darauf gekommen“, sagte Krug weiter. Der Angeklagte erzählte glaubwürdig in seinem Geständnis, dass er mit dem Beifahrer unterwegs war, diesen aber erst in der Mainacht kennengelernt hat. Dieser fragte, ob er denn wisse, wo zu dieser Uhrzeit wohl ein „Bäumchen“ stehen könnte, das nicht bewacht sei. Er wollte so gern seiner Freundin noch eines stellen. Nachdem die Birke abgebunden und später bei der Freundin aufgestellt war, wurde der Beifahrer offenbar größenwahnsinnig und wollte noch einen Baum klauen, einen größeren. Sie fuhren also erst nach Liederberg, wo sie ebenfalls beobachtet wurden, dann nach Daiting, wo die vermeintlichen Scherze schließlich der Polizei mitgeteilt wurden.

Seit Montag ist der Fahrer schuldig der gemeinschaftlichen Sachbeschädigung in zwei Fällen und der versuchten gefährlichen Körperverletzung. Das Verfahren gegen den Beifahrer wurde eingestellt. Er hat laut Krug behauptet, dass er den Abend nicht mit dem Täter verbracht hat. Womöglich könnte diese Aussage wegen Zeugenangaben noch einmal von der Staatsanwaltschaft überprüft werden.

Das Urteil wurde noch im Gerichtssaal rechtskräftig.

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