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Riesbürg

26.04.2019

Blumenpflücken schadet den Bienen

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Naturschutzwart Frank Mayer ist zuständig für den Ostalbkreis.
Bild: Jan-Luc Treumann

Naturschutzwart Frank Mayer möchte, dass am Goldberg keine Pflanzen mitgenommen werden.

Es sind Löcher in der Erde, drumherum wachsen einige der gelben Schlüsselblumen. Doch die Löcher auf dem Goldberg sind nicht einfach gegraben – dort gab es ebenfalls einige der nicht ganz goldenen Pflanzen, doch jemand hat sie ausgegraben und mutmaßlich in seinen eigenen Garten verpflanzt.

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Frank Mayer möchte das nicht. Ebenso wenig will er, dass Blumen an dem idyllischen Berg gepflückt werden. Denn so würde Tieren ihre Nahrung genommen werden. „Viele Insekten sterben und dann kommt noch das bisschen an Nahrungsangebot weg, was da ist“, sagt Mayer. Frank Mayer ist Naturschutzwart und für den Ostalbkreis zuständig. Seine Aufgabe als Wart ist ehrenamtlich, dafür hat er Schulungen besucht. Seit etwa drei Jahren ist er als Naturschutzwart tätig, bereits früher hat er sich im Vogelschutz engagiert.

Insekten sieht Mayer seltener

Der Goldberg ist ein Naturschutzgebiet. Wer auf den Berg steigt, sieht die dreieckigen Schilder mit der grünen Umrandung, die den Bereich als Schutzgebiet ausweisen. Gerade deswegen spricht sich der Naturschutzwart gegen das Blumenpflücken aus: „Man sieht hier selten Käfer. Ab und zu mal einen Schmetterling, ein Pfauenauge, vielleicht einen Zitronenfalter. Dann wird es aber wenig. Das Artensterben ist schon ziemlich fortgeschritten.“ Heiner Holl vom Nördlinger Bund Naturschutz sagt, dass er bei Spaziergängen ebenfalls selten Insekten sehe. Das Pflücken von Blumen sieht er grundsätzlich nicht als Problem an: „Das hängt davon ab, welche Blumen das sind und wie häufig sie vorhanden sind. Mal eine Blume zu pflücken, ist nicht so schlimm.“ Holl schränkt aber ein: „Der Goldberg ist ein geschütztes Gebiet, und da sollte man die Finger von lassen.“

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Mayer sagt, dass im Frühjahr manche Bürger büschelweise Blumen mitnehmen würden. Wenn er die Menschen anspreche, hätten die meisten sogar Verständnis. Sie würden die Blumen am liebsten wieder einpflanzen wollen. „Doch das geht ja nicht. Dann sollen sie sie mitnehmen. Es wäre ja schade darum“, sagt der 53-Jährige. Nahezu jeden Tag ist der Naturwart vor Ort. Er möchte den Leuten erklären, warum sie keine Pflanzen mitnehmen sollen. „Die Natur ist für uns alle da. Es ist ja auch toll, wenn man an einer Stelle eine Blume sieht und man sie im nächsten Jahr wiederfindet.“

Der Rauch vertreibt die Biene

Doch es sind nicht nur die Blumenpflücker, die Mayer Sorgen bereiten. Es gibt auf dem Goldberg eine kleine Grotte. Immer wieder bringe ein Unbekannter dort Kerzen, aber auch Heiligenbilder an. Teelichter und Rußspuren sind dort zu sehen. Mayer ist selbst Katholik, trägt ein kleines Kreuz als Ohrring. „Aber durch den Rauch verschwindet die Schwarze Mörtelbiene.“ Die ist laut Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg vom Aussterben bedroht und siedelt sich am Goldberg an. Zwar bohre der Unbekannte laut Mayer auch Löcher als Bienenhotel in die Felsen. Aber der Naturwart sagt, das bringe nichts: „Die Tiere nutzen die Löcher nicht, sie übernehmen das selber.“ Ähnlich sei es auch mit den ausgegrabenen Schlüsselblumen: „Man kann den Pflanzen nicht vorschreiben, wo sie wachsen sollen.“ Meist würden die ausgehobenen Blumen nach einiger Zeit eingehen.

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