Newsticker

Trotz steigender Infektionszahlen: Kliniken halten wenige Intensivbetten frei
  1. Startseite
  2. Lokales (Nördlingen)
  3. Bodenhaftung und Eleganz zugleich

06.07.2010

Bodenhaftung und Eleganz zugleich

Oettingen Wenn Johannes Moesus im Ries den Taktstock führt, kann man davon ausgehen, dass immer wieder mehr oder weniger unbekannte Komponisten zu Gehör gebracht werden. So auch beim jüngsten Residenzkonzert Oettingen, das vom Brauhaus Oettingen gesponsert wurde. Schon zu Zeiten des Oettingen-Wallersteinischen Fürsten Kraft Ernst kamen die Kapellmeister wie Antonio Rosetti oder Anton Reicha aus Böhmen. Dies schier unerschöpfliche Reservoir an hervorragenden Musikern brachte auch Johann Baptist Vanhal hervor, der in Wien sogar mit Mozart und Haydn im Streichquartett gespielt haben soll.

Kreativer Freundeskreis

Von diesem kreativen Freundeskreis war er sicher angeregt, selbst auch Kompositionen zu schaffen, von denen Moesus für das Konzert mit dem Südwestdeutschen Kammerorchester Pforzheim mit der "Sinfonie g-Moll" das wohl bedeutendste Werk dieses Komponisten ausgewählt hatte.

Ganz entgegen der Programmbeschreibung erschien der erste Satz leicht und locker und sehr ausdrucksvoll, nicht düster, sondern geradezu freudig schwingend. Das robuste, arienhafte Oboensolo im langsamen Satz, das in einer fließenden Oboenkantilene im Menuett einen galanten Gegenpart fand, und das gemäß einem böhmischen "Dreher" energisch vital vorwärtsstrebende Finale kennzeichnen den Komponisten als Vertreter des "Sturm und Drang". Eine recht bodenhafte Einstellung konnte man auch nicht dem anderen Böhmen, Georg Anton Benda, absprechen, dessen "Sinfonie in D-Dur" von dem in den Ecksätzen schon fast dominanten Hörnerpaar und dem gezupften und gestrichenen Streicherspiel einen recht ursprünglichen Charakter erhielt.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Im Mittelpunkt stand die Flöte

Im Mittelpunkt des Konzertes stand aber die Flöte mit der Solistin Gaby Pas-Van Riet mit zwei Konzerten des Friedrich Hartmann Graf, der von 1773 bis 1795 als Musikdirektor der Augsburger evangelischen Kirchen und des St. Anna-Gymnasiums wirkte. Als seinerzeit bekannter Flötenvirtuose war er prädestiniert, um nachfolgenden Flötensolisten anspruchsvolle Konzertliteratur zu hinterlassen.

Das "Flötenkonzert D-Dur" und das "Flötenkonzert C-Dur" gerieten aber bis heute in Vergessenheit und so blieb es Gaby Pas-Van Riet und dem Südwestdeutschen Kammerorchester mit Johannes Moesus vorbehalten, diese dank der großzügigen Sponsorenschaft des ansässigen Brauhauses in Oettingen erstmals wieder aufzuführen. Für die renommierte Künstlerin, Professorin für Flöte an der Musikhochschule Saarbrücken, war das Orchester aus Pforzheim ein hervorragender Partner und Johannes Moesus unterstützte an ihrer Seite mit seinem souveränen, fast schon sachlichen Dirigat ohne ausgreifende Gesten, ihr beeindruckendes Flötenspiel. Sie kolorierte die Kadenzen mit sehr viel Gefühl und gestaltete die sanglichen Kantilenen des Adagio-Satzes sehr emotional zur einfühlsamen Begleitung der Streicher. Ihr feiner, weicher Ansatz begeisterte ebenso wie ihr ausgereifter Flötenton.

In dem zweiten, noch ansprechenderen Flötenkonzert erfreuten Solistin und Orchester mit wunderbarer Melodieführung und einer exponierten Heraushebung der rhythmischen Eigenheiten und spürbarer Spielfreude. Das bestätigte auch die schäkernde "Badinerie" aus J. S. Bachs Orchestersuite h-Moll als beifallumrauschte Zugabe der Flötenvirtuosin.

Erste Italienreise

Darauf passte Mozarts "Sinfonie G-Dur" sehr gut, in der er sich auf seiner ersten Italienreise den musikalischen Gepflogenheiten des Landes anpasste in einem Stil unterhaltender Eleganz, locker und zugleich kontrastreich gestaltet und vom Oettinger Publikum am Ende mit sehr viel Beifall aufgenommen.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren