Comedy

09.12.2017

Brachialhumor

Günter Grünwald gastierte mit seinem Programm „Deppenmagnet“ im Nördlinger Klösterle. Einem Großteil des Publikums gefiel sein Brachialhumor.
Bild: Toni Kutscherauer

Günter Grünwald präsentiert sein aktuelles Programm „Deppenmagnet“ im Klösterle

Haben Sie auch schon mal gefragt, warum ausgerechnet Sie manchmal von den dümmsten Menschen auf diesem Erdball umgeben sind? Dann geht es Ihnen wie dem Komiker Günter Grünwald, der diese Leute regelrecht anzuziehen scheint und sich daher wie ein „Deppenmagnet“ fühlt. So lautet auch der Titel seines aktuellen Bühnenprogramms, das er den 430 Besuchern im ausverkauften Nördlinger Klösterle präsentierte.

Doch wer ist der größere Depp? Der Reihenhaus-Familienvater, der sich großflächig „Born to Lose“ auf den Rücken tätowieren lässt? Oder der rumänische Fliesenleger und Hobby-Tätowierer, der daraus „Born in Toulouse“ macht? Auch die großen Künstler kommen schlecht weg, wenn sie auf Ästen hängende Uhren oder einen dicken Elefanten auf Spinnenbeinen malen („der Dali war doch net ganz bacha“). Nicht besser geht es im Western zu, denn „von sechs Cowboys ist immer ein Depp dabei“, der seine ausgetrunkene Wasserflasche oder den leer geschossenen Colt entnervt wegwirft.

Günter Grünwalds Auftritte verlaufen seit inzwischen mehr als 30 Bühnenjahren nach demselben Strickmuster. Er gibt den bauernschlauen Einfaltspinsel, der mit den Unwägbarkeiten des täglichen Lebens hadert und daraus seine irrwitzigen Schlussfolgerungen zieht. Sein hauptsächliches Stilmittel ist die sich ständig steigernde Übertreibung bis ins Absurde, was ihm zahlreiche Auszeichnungen wie das Passauer Scharfrichterbeil (1988) und den Bayerischen Kabarettpreis (2005) eingebracht hat. Zudem ist er mit der Show „Grünwalds Freitags-Comedy“ auf einem festen Sendeplatz im Bayerischen Fernsehen zu sehen.

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Im zweiten Teil legt der Spaßvogel aus Ingolstadt noch eine Schippe drauf. Ein Missverständnis beim Weihnachtsgeschenk (Südtiroler statt City-Roller) hat fatale Folgen und Schönheits-OPs bringen nicht immer das gewünschte Ergebnis – wie bei „Dolly Buster mit ihrem verwachsenen Knödelkopf“. Genervt zeigt sich Grünwald von der Flut an TV-Kochshows („konnst net ei’schoit’n, ohne dass dir so a Granat’ntrottel wos vorkocht“) und schont auch Personen nicht: „Irgendwia g’spürt der Melzer selba, dass er a Depp is.“

Von der Kochshow geht’s nahtlos in den Swingerclub „Kreisverkehr“, wo ein „extrem greisliches“ Pärchen beschrieben wird („blondierte Elendszuchtel und fetter Sauschädel“). Immer schneller und wilder dreht sich das Rad der ungezügelten Gaudi, egal ob es um Wellness für Kinder, um eine missglückte Beratung im Reisebüro oder um eine monströse Animateurin im Ferienclub geht („Achselhaare wie Dreadlocks“). Obwohl die beschriebenen Szenen immer grotesker werden und die Sprache immer derber wird – der Großteil des Publikums hat längst kapituliert und krümmt sich nur noch vor Lachen.

Nein, ein komödiantischer Feingeist ist und wird Günter Grünwald nie und nimmer; statt der präzisen satirischen Klinge schwingt er die grobe Keule. Dennoch schafft er es mit seinem Brachialhumor, die Besucher zu begeistern. Seinem Dauerbombardement aus deftigen Sprüchen, grenzwertigen Redensarten und krachledernen Witzen im bayerischen Dialekt kann man sich als Zuschauer nur schwerlich entziehen.

Und so gibt es bei der genau choreografierten Zugabe auch donnernden und ausgiebigen Applaus wie der Komiker es sich wünscht: „Hexenkessel“ statt „Ochsenversteigerung“!

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