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Justiz

30.01.2019

Brandstiftung, tote Meerschweinchen und jetzt auch noch Ohrfeigen, die gar keine waren

Statt zum Amtsgericht in Nördlingen war ein Anwalt nach Nürtingen gereist.
Bild: Wolfgang Widemann

In Wallerstein eskaliert ein Streit zwischen Vermieterin, Mieterin und deren Mutter. Diese soll handgreiflich geworden sein. Vor Gericht wendet sich das Blatt.

Eine süffige Gartenfeier im August 2018 hatte weitreichende Folgen. Ein damals 23-Jähriger bedrohte betrunken und unter Drogen seine Freundin mit dem Messer, den Bruder bewarf er mit Backsteinen und bevor er sich in einem Maisfeld in Ehringen vor der Polizei versteckte, hatte er einen Anbau angezündet. Ein Hubschrauber mit Wärmebildkamera spürte den Flüchtenden schließlich auf.

Der junge Mann wurde im Dezember bereits rechtskräftig wegen Brandstiftung verurteilt. Die Richterin am Landgericht Augsburg verhängte zwei Jahre auf Bewährung und eine Geldstrafe in Höhe von 1600 Euro. Die betroffene Familie beschwerte sich, sagte, das Urteil sei „lächerlich“ für einen Vorbestraften, der nicht nur den Tod dreier Meerschweinchen herbeigeführt hätte, sondern auch schlaflose Nächte der Vermieter und Hausbewohner. Damit nicht genug. Die Gartenfeier hatte selbst zwei Wochen später noch ungeahnte Folgen. Mit ihrer Anzeige wegen Körperverletzung hat sich die Geschädigte allerdings keinen Gefallen gemacht.

Prozess wegen Körperverletzung am Nördlinger Amtsgericht

Nachdem die Brandstiftung gerichtlich abgeschlossen ist, findet nun gut sechs Wochen später ein Prozess wegen Körperverletzung vor dem Nördlinger Amtsgericht statt. Angeklagt ist aber nicht der 23-jährige Brandstifter, sondern dessen Schwiegermutter in spe. Der Vorwurf laut Staatsanwaltschaft: Sie soll die Vermieterin geohrfeigt haben, rund zwei Wochen, nachdem der Anbau der Wallersteiner Familie in Flammen gestanden war. Die Geschichten der Zeugen im Fall der vermeintlichen Körperverletzung gehen am Dienstag vor Gericht dann doch weit auseinander. Dass diese Verhandlung eine Wende nehmen wird, ist schon bald zu erahnen.

Von Anfang an widerspricht die Angeklagte dem Tatvorwurf: „Ich schwöre, ich habe nichts getan.“ Laut Anklage und den Angaben der Vermieterin als Zeugin soll die 57-Jährige „wie eine Furie“ in den Hof gefahren sein und ein zufälliges, harmonisches Gespräch zwischen Tochter und Vermieterin gestört haben. Dann sei sie betrunken auf die vermeintliche Geschädigte zugestürmt, habe sie am T-Shirt gezogen und ihr drei Mal mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen. Die Wallersteinerin rief die Polizei. Auch ein Rettungswagen kam. Ein Alkoholtest zeigte damals: Mutter und Tochter waren nüchtern. Die Vermieterin allerdings hatte einen Blutalkoholwert von 1,4 Promille. Sie wurde wegen Schwindels, Übelkeit und Kopfschmerzen ins Krankenhaus gebracht.

Geschädigte behauptet, die Angeklagte sei betrunken Auto gefahren

Die Angeklagte aus Bopfingen erzählt dem Gericht eine andere Version des Vorfalls, der sich auch durch Sprachnachrichten an einigen Stellen belegen lässt. Die Vermieterin habe die Tochter gar nicht zufällig im Hof getroffen, sondern an deren Tür geklingelt und sie aufgefordert, nach unten zu kommen. Bei dem Gespräch sei es dann wieder um den Brandfall gegangen, die Frau aus Wallerstein forderte die Tochter auf, den Schaden zu zahlen. Kein harmonisches Gespräch also, wie von der Vermieterin behauptet.

Die Tochter antwortete im Sommer 2018, dass man das Gerichtsverfahren gegen ihren Freund abwarten müsse, sie selbst habe ja nichts getan. Die Mutter – in der Vorahnung, dass ihre Tochter sich in einer unangenehmen Situation befand – fuhr nach Wallerstein und sprang ihr zur Seite. Es kam zur Diskussion und sie sei auch auf die Vermieterin zugestürmt, das gibt sie vor Gericht zu. Schläge habe es aber nicht gegeben. Ihre Tochter und der Sohn der Frau hätten den Streit unterbunden, sie seien noch mehrere Meter voneinander weggestanden. Dass dann der Krankenwagen kam, verwunderte die Bopfingerin. Immerhin sei es ja die Vermieterin gewesen, die noch wenige Minuten zuvor sie am T-Shirt in den Garten gezogen und gesagt habe: „Guck her, was dein Zukünftiger angerichtet hat.“

Richterin Katrin Wegele spricht die Angeklagte frei, das fordern auch Staatsanwaltschaft und Verteidigung – es handle sich um eine besondere Aussage-gegen-Aussage-Konstellation. „Es hat nicht so stattgefunden, wie es die Geschädigte geschildert hat“, sagt Wegele. Ein zufälliges Zusammentreffen habe es nicht gegeben, so wie es die Wallersteinerin beschrieb. Die Tat sei nicht nachzuweisen.

Frau aus Wallerstein muss 500 Euro Ordnungsgeld bezahlen

Noch während der Urteilsverkündung muss die Richterin schließlich nach mehrmaligem Ermahnen ein Ordnungsgeld gegen die Geschädigte verhängen. Sie nimmt nach ihrer Aussage im Besucherbereich Platz und stört die Verhandlung mit Kommentaren. Nachdem sie der Richterin mehrmals ins Wort fällt, muss sie nun in Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft 500 Euro zahlen.


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