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Kreistag

18.10.2017

Brennpunkt Kliniken

Das Krankenhaus in Donauwörth: Gerade auf der Station 7 habe es in den vergangenen Monaten Probleme gegeben, weil Pflegekräfte gekündigt und um eine Versetzung geben hatten, sagt gKU-Vorstandsvorsitzender Jochen Busse. <b>(Archivfoto)</b>
Bild: Wagner

Nach den Brandbriefen der Pflegekräfte und der Abmeldung der Gynäkologie am Stift in Nördlingen berichtet Vorstandsvorsitzender Jürgen Busse über die Situation des gKU.

Eigentlich hätte es am vergangenen Wochenende keine Geburt am Stiftungskrankenhaus in Nördlingen geben sollen. Denn eigentlich war die gynäkologische Abteilung abgemeldet (wir berichteten). Nun interessieren sich Babys nicht dafür, wer sie wann zur Welt bringen soll. Und so kam am Samstag ein kleiner Bub im Stift auf die Welt, wie Landrat Stefan Rößle in der Sitzung des Kreistags gestern berichtete. Die zuständige Hebamme Christina Pflugmacher bestätigt das auf Nachfrage unserer Zeitung, die werdende Mutter sei bereits sehr weit gewesen. Man habe die Risiken abwägen müssen: „Kommt das Kind im Auto auf die Welt oder dann eben doch im Krankenhaus.“

Am Freitag war bekannt gegeben worden, dass aus Sicherheitsgründen am vergangenen Wochenende keine Entbindungen im Stift stattfinden sollten. Weil OP-Pflegekräfte erkrankt waren, stand für einen möglichen Kaiserschnitt nicht genügend Personal zur Verfügung. Für Notfälle aber, das sagte am Freitag der ärztliche Direktor Dr. Dietmar Blechschmidt, sei man gerüstet. Das bestätigte auch Vorstandsvorsitzender Jürgen Busse. Der hatte gestern im Kreistag nicht nur die Aufgabe, zum Thema Geburtshilfe Stellung zu beziehen, sondern auch die aktuelle Situation am gKU darzulegen. Wie berichtet, hatte es zuletzt massiv Kritik von den Pflegekräften besonders an der Situation im Donauwörther Haus gegeben. Die SPD-Fraktion hatte einen Fragenkatalog aufgestellt, den sie von Busse beantwortet haben wollte.

Der Vorstandsvorsitzende ging ausführlich darauf ein, erläuterte unter anderem mit Statistiken, in welchen Krankenhäusern wie viele Vollkräfte pro Station arbeiten. Deutlich wurde: Gerade die Station 7 des Donauwörther Hauses – die Unfallchirurgie – hatte in Sachen Pflege in den vergangenen Monaten Probleme. Auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigt Busse: „Dort ist es gekippt.“ Da sich die Unfallchirurgie um Unfallopfer kümmert, sei nicht absehbar, wie viele Patienten an einem Tag ins Krankenhaus gebracht werden. Zu viele Patienten seien aufgenommen worden, ein schneller Wechsel habe stattgefunden. Pflegekräfte hätten gekündigt oder einen Versetzungsantrag gestellt. Busse betont aber, dass die Pflegerinnen und Pfleger ihre Patienten den Druck nicht spüren ließen: „Das ist bemerkenswert.“

Busse kam im Kreistag auch auf die Überstunden zu sprechen, die sich in den Kliniken des gKU angehäuft haben. Überwiegend handle es sich um Altlasten, sagte er. Die Pflegekräfte in Oettingen hätten insgesamt 10000, die in Donauwörth ebenfalls rund 10000 und die in Nördlingen rund 17400 Überstunden. Gerade im Stiftungskrankenhaus habe man in den vergangenen Monaten Überstunden abgebaut. Doch den ganzen Berg abzutragen, hält Busse für kaum umsetzbar. Er will Abläufe und die Dienstplangestaltung verändern, Überstunden auszahlen und die Entlassung der Patienten besser managen. Um die Situation in den Kliniken zu verbessern, sollen 20 neue Pflegekräfte eingestellt werden, das hatte der Verwaltungsrat beschlossen (wir berichteten). Vier der Stellen sind bereits besetzt: Eine Pflegekraft beginnt zum 1. Dezember, drei zum 1. Januar 2018.

Landrat Stefan Rößle und die Sprecher der Fraktionen nahmen ausführlich Stellung zum Thema. Rößle etwa sagte, man habe zunächst das Augenmerk auf eine gesunde betriebswirtschaftliche Situation gelehnt, das sei gelungen, dann habe man massive Verbesserungen bei der Ärzteschaft erreicht. Jetzt liege der Schwerpunkt sicherlich auf der Pflege. Er sei selbst unangemeldet ins Krankenhaus nach Donauwörth gefahren, habe sich einen Überblick verschafft. Die Situation in Sachen Geburtshilfe vom vergangenen Wochenende werde „so nicht mehr vorkommen“. Man solle den Vorfall aber nicht zu hoch hängen.

Den kritisierte Peter Schiele (CSU/AL-JB): So etwas müsse in der Öffentlichkeit besser kommuniziert werden, die Gefahr des Vertrauensverlustes sei zu hoch. Schiele sagte, er sei dankbar, dass Rößle das Thema zur Chefsache gemacht habe und bereits ein Maßnahmenpaket vorgelegt worden sei: „Das höchste Kapital sind die Mitarbeiter.“ Ursula Straka ( SPD) betonte, es gehe ihr nicht darum, die Arbeit von jemandem madig zu machen: „Für viele es ist nicht nur ein Job, sondern eine Berufung.“ Helmut Beyschlag (PWG/FDP) lobte die weitsichtige Entscheidung, das gKU zu gründen. Für die Geburtshilfe in Nördlingen forderte er Notfallpläne, damit eine Schwangere nicht überlegen müsse, in welches Krankenhaus sie gehen müsse. Regina Thum-Ziegler (Frauen/ÖDP/FW) kritisierte, dass erst einen offenen Briefes der Beschäftigten geben habe müssen, damit Bewegung in das Thema komme. Sie forderte, wie auch Manfred Seel (Grün-Soziale), dass der Personalrat in den Verwaltungsratssitzungen des gKU gehört wird. Josef Reichensberger (CSU/AL-JB) wehrte sich gegen die Kritik von Thum-Ziegler. Dr. Andreas Becker (Frauen/ÖDP/FW) forderte einen „dramatischen Überstundenabbau“. Gerhard Martin (SPD) freute sich zwar über die Stärkung der Pflege in den Kliniken. Doch auch in Seniorenheimen des gKU gebe es Probleme und Überstunden.

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