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Alerheim

13.08.2020

Bürgermeister Schmid positioniert sich in Alerheim für die Bundestagswahl

Christoph Schmid will einen besseren Listenplatz als bei der Wahl im Jahr 2017 und so in den Bundestag einziehen. Ein anderer schwäbischer Abgeordneter könnte diesen Platz weiter für sich beanspruchen.

Plus Christoph Schmid empfängt Bayerns SPD-Chefin Natascha Kohnen. Ob sie ihn bei einer parteiinternen Kampfabstimmung unterstützen würde, lässt sie offen.

Christoph Schmid hat das rote Paar Sneaker wieder aus dem Schrank geholt. Als er 2017 für den Bundestag kandidierte, trug der 44-Jährige ein solches Paar häufig bei öffentlichen Auftritten. Im Herbst 2021 will er sich wieder zur Wahl stellen – und das passende Schuhwerk, ob nun gewollt oder nicht, hat Signalwirkung.

Wenn nicht schon früher, haben die Sozialdemokraten den Bundestagswahlkampf spätestens am Montag begonnen. Olaf Scholz will nicht mehr Vize sein, sondern Kanzler werden. Einen Tag später besucht Bayerns SPD-Chefin Natascha Kohnen das Ries, zuerst in Oettingen, dann in Alerheim. Zunächst trägt sie sich neben Bürgermeister Thomas Heydecker ins Goldene Buch der Stadt an der Wörnitz ein. Kohnen, ihr Generalsekretär Uli Grötsch und Fraktionschef im Landtag Horst Arnold unterhalten sich mit Lehrern, Jugendarbeiterinnen und Erzieherinnen. Schmid ist mit seiner Tochter erschienen, hält sich im Hintergrund. Sein Auftritt folgt erst später in seiner Heimatgemeinde. Der Tenor der Pädagogen: Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Familien treffe die Corona-Krise besonders hart. Ihre Schulbildung leide und besonders die soziale Komponente fehle völlig. In intakten Elternhäusern sei dieser Effekt schwächer.

Wichtigkeit des Sozialstaats zeige sich in der Pandemie

Das Thema ist ein Heimspiel für die Sozialdemokraten: Kohnen betont, so schlimm die Krise sei, so deutlich zeige sie den Menschen, wie wichtig der Sozialstaat sei. Und den will sie mit einem Bundeskanzler Scholz wieder stärken. Schmid will das ebenfalls, am liebsten säße er in der Nähe der Regierungsbank im Bundestag. Im Gemeinderat hat Schmid meist eine klare Meinung, gibt den Ton an. Bei diesem Auftritt hält sich der großgewachsene 44-Jährige auffällig zurück.

Die Politiker steigen in ihre Autos, fahren von Oettingen in Schmids Heimatgemeinde. Der Bürgermeister empfängt die Spitze der BayernSPD im Alerheimer Dorfladen an der Hauptstraße, einer Genossenschaft. Jetzt ergreift er das Wort, Kohnen und die anderen hören zu, zwei vorbeifahrende Traktoren unterbrechen ihn. „Einen SPD-Ortsverein gibt es hier nicht, aber bei Versammlungen des Dorfladens kann ich die Mitglieder als Genossinnen und Genossen begrüßen“, scherzt er. So kennen die Alerheimer ihren Bürgermeister. Wäre es nur nach ihnen gegangen, hätten sie ihren Bürgermeister schon 2017 mit knapp 60 Prozent der Erststimmen nach Berlin geschickt.

Schmid ist ein Generalist

Als Thema des Besuchs in dieser heißen Sommerwoche hat er den ländlichen Raum gewählt – ein Thema, bei dem Schmid den Genossen aus München und Berlin helfen könnte. Für gewöhnlich punkten die Sozialdemokraten eher in Städten. Schmid ist kein Finanz-, Rechts- oder Gesundheitspolitiker, er betrachtet sich als Generalist. Dafür hat er einen Dorfladen mitaufgebaut. Wer in der Bundestagsfraktion kann das schon von sich behaupten?

Die Vorstandsvorsitzende des Dorfladens, Simone Gerstmeyr, stellt die Eckpunkte des Geschäfts vor: Knapp 300 Mitglieder haben Anteile im Wetrt von rund 70000 Euro erworben, die Gemeinde steuerte 25000 Euro als Zuschuss und weitere 40000 Euro als Kredit bei. Zehn Mitarbeiter sind dort beschäftigt.

Fraktionschef Horst Arnold möchte wissen, welche Erfahrungen man mit Bio-Lebensmitteln gemacht habe. Gerstmeyr erzählt, die Kunden hätten sich über zu hohe Preise beschwert. „Ist das vergoldet?“, habe einer gefragt. Auf Regionalität achte man aber. Peter Moll, der frühere SPD-Chef im Kreis Donau-Ries, schaltet sich ein. „Bio ist ein Großstadtphänomen.“

Schmid strebt den besten Listenplatz für einen Mann in Schwaben an

Als Direktkandidat hatte Schmid vor drei Jahren 18 Prozent der Erststimmen erhalten, Ulrich Lange (CSU) errang trotz deutlicher Einbußen mit 47 Prozent das Direktmandat. Moll war es auch, der deshalb nach der Wahl vor drei Jahren gefordert hatte, Schmid müsse 2021 einen besseren Platz erhalten, den ersten Platz, der für einen schwäbischen Mann vorgesehen ist. Genau das beansprucht Schmid nun für sich. Doch da gibt es einen Haken: Diesen Platz hatte bisher ein anderer inne, der Neu-Ulmer Bundestagsabgeordnete Karl-Heinz Brunner. Der Bezirksparteitag entscheidet im Dezember, wer die besten Plätze der schwäbischen SPD auf der bayerischen Landesliste erhält. Dass Ulrike Bahr, Bezirksvorsitzende und Bundestagsabgeordnete, wieder den ersten oder zweiten schwäbischen Platz erhält, gilt in der Partei als gesichert. Unklar wäre dann, welcher Mann sie nach Berlin begleitet, sofern die Partei genug Stimmen erhält – die Genossen besetzen ihre Listen abwechselnd mit beiden Geschlechtern.

In Schwaben aber wird nur die Reihenfolge der schwäbischen Kandidaten festgelegt. Wo diese schlussendlich auf der Landesliste stehen, das entscheidet der bayerische Landesparteitag im Januar.

Landeschefin Natascha Kohnen möchte in Alerheim die Frage, ob sie Schmid an der Spitze der schwäbischen Genossen unterstützt, nicht kommentieren. Das solle vor Ort entschieden werden.

Die Bezirksvorsitzende Bahr antwortet schriftlich auf eine Anfrage unserer Redaktion, wen sie mit in die Bundeshauptstadt nehmen will: „Karl-Heinz Brunner hat sich mir gegenüber nicht geäußert, ob er wieder für den Bundestag kandidieren wird.“ Deshalb erübrige sich die Frage, ob er oder Schmid den besten Platz erhält.

Der Abend in Alerheim neigt sich dem Ende zu. Kohnen setzt sich, sichtlich erschöpft, im Dorfladen mit einer Tasse Kaffee. Schon seit dem Vortag tourt sie durch Franken, an diesem Tag liegt ihr erster Termin viele Stunden zurück. Schmid setzt sich dazu und nimmt seine Maske ab – auch sie ist rot wie seine Schuhe, versteht sich.


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