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Porträt

22.09.2018

Bundestrainer der Handwerker

Mit Einfühlungsvermögen und langer Berufserfahrung betreut Josef Leberle seine Schützlinge bei Wettbewerben auf höchstem Niveau.
Bild: Ronald Hummel

Josef Leberle trainierte das Duo, das nächste Woche für Deutschland zur Betonbau-EM antritt. Worauf es dabei ankommt.

Handwerksberufe sind gefragter, interessanter und lohnender denn je. Aber kaum jemand weiß, dass man als Handwerker auch Welt- oder Europameister werden kann. Wie bei der Berufs-Europameisterschaft Euro Skills, die am nächsten Dienstag in Budapest beginnt. Timo Schön (22 Jahre) aus Velburg und Medin Murati (21 Jahre) aus Warmisried nehmen im Betonbau für Deutschland teil. Ihr Trainer ist Josef Leberle, Leiter im Aus- und Fortbildungszentrum der Bauinnung Nordschwaben in Nördlingen. Im vergangenen Jahr holte Leberle mit den beiden den Vize-Weltmeister-Titel.

Der 53-jährige Josef Leberle entschied sich seinerzeit aus zwei Gründen für eine Maurerlehre: Erstens schätzte er das körperliche Arbeiten im Freien, er wuchs auf einem Bauernhof in Marktoffingen auf. Zweitens rieten ihm viele davon ab, denen er erst recht zeigen wollte, was der Beruf bringt. Er absolvierte eine Maurerlehre bei der Nördlinger Baufirma Eigner und schloss gleich eine Ausbildung als Beton- und Stahlbetonbauer an – das war dort ein neues Ausbildungsfach und alles Neue reizte ihn. Im Laufe der Arbeit wuchs er in die Funktion als Ausbilder hinein, wurde in den Gesellen-Prüfungsausschuss gewählt und schließlich zusammen mit dem heutigen Bauinnungs-Obermeister, Kreishandwerksmeister und einem der Eigner-Geschäftsführer Werner Luther Mitte der 80-er Jahre als Aufsicht und Prüfer zum Bundesleistungs-Wettbewerb im Baugewerbe eingeladen. Von Anfang an waren sie hauptverantwortlich für das Beton- und Stahlbetongewerbe, später für alle Gewerke. 2015 holte man sie zu den World Skills nach Brasilien, wo erstmals Betonbauer teilnahmen. Luther war organisatorischer Experte, Leberle Bundestrainer. Die beiden Teilnehmer castete man aus den vorherigen Bundeswettbewerben, wobei das dort bewiesene handwerkliche Geschick nicht alles war: „Es geht auch sehr viel um extreme mentale Stärke – Ertragen von psychischem Wettbewerbs-Druck, Ignorieren von Zwischenrufen, fremdes Klima, ungewohntes Material.“ Darauf ziele ein großer Teil des Trainings ab.

2017 holte Josef Leberle mit Timo Schön und Medin Murati bereits bei der WM den Titel als Vize-Weltmeister, heuer tritt er mit ihnen bei der EM in Budapest an. Natürlich sind die handwerklichen Anforderungen extrem hoch: In 16 Stunden an drei Tagen gilt es, eine komplexe große Schalung aus Modulen zu formen, eine kleinere Schalung zu bauen und teilweise zu betonieren und eine Bewehrung aus einzelnen Metallstäben zu bauen. Alles muss millimetergenau passen, und zwar nicht nur sprichwörtlich. Der Beton muss die höchste von vier Qualitätsstufen erreichen, was Feinheit, Ebenheit und Details wie Ecken, Durchdringungen und Aussparungen betrifft. Jeder Handgriff muss fachgerecht ausgeführt sein. Einen Teil des Trainings führte Leberle dieser Tage im Ausbildungszentrum Bühl bei Baden-Baden durch, den Großteil in Nördlingen. Wie jeder Nationaltrainer lotete er bei jedem seiner Schützlinge die Stärken und Schwächen jeder Handbewegung aus, teilte ihnen so effektiv die Einzelaufgaben zu und schweißte sie für die gemeinsamen Aufgaben zusammen.

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Ab 2019 die Ausbildung der Betonbauer in Nördlingen

Leberle sitzt auch in der Jury, darf sein eigenes Land aber nicht bewerten. Wie auch immer es läuft: „Es begeistert schon allein, an einer Europa- oder Weltmeisterschaft überhaupt teilnehmen zu können.“ Auch für Nördlingen hat sich der enorme Zeitaufwand Leberles und seiner Teilnehmer schon als Gewinn erwiesen: Als Leistungszentrum der Betonbau-World Skills bekommt die Nördlinger Bauinnung ab 2019 die Betonbauer-Ausbildung zugesprochen, die bislang in Memmingen angesiedelt ist.

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