1. Startseite
  2. Lokales (Nördlingen)
  3. Chaos am Flughafen: Rieser sitzen zwei Tage in Mexiko fest

Flugausfall

22.02.2019

Chaos am Flughafen: Rieser sitzen zwei Tage in Mexiko fest

20190201_114550.jpg
2 Bilder
Traumurlaub mit chaotischem Ende.
Bild: Münderlein

Dieter Münderlein aus Möttingen musste mit seiner Frau mehr als zwei Tage auf seinen Rückflug warten. Warum sich er und fast 250 weitere Passagiere im Stich gelassen fühlen.

Endlich! Mit mehr als zwei Tagen Verspätung landete das Möttinger Ehepaar Münderlein am Mittwoch in München. Ihr dreiwöchiger Mexiko-Urlaub hat ein zermürbendes Ende genommen. „Ich reise jetzt schon 30 Jahre, aber das war brutal“, erzählt Dieter Münderlein. „Auf jeden Fall ging man nicht ehrlich mit uns um, wir haben uns verarscht gefühlt.“

Sonntag, 17.15 Uhr, Cancún – Zu diesem Zeitpunkt hätte die Maschine der Fluggesellschaft Condor nach München abheben sollen. Unter den Fluggästen waren neben dem Ehepaar aus Möttingen auch viele andere Deutsche und Österreicher. „Wir waren die Ersten am Flughafen, wollten unbedingt einen Fensterplatz“, sagt Dieter Münderlein. Er wartete mit seiner Frau nach einem traumhaften Urlaub in der Abflughalle, als plötzlich ein Pilot das Fenster seines Flugzeugs geöffnet haben soll. „Was macht der denn da?“, dachte sich der Möttinger und beobachtete den Mann weiter, der wohl skeptisch zum Triebwerk blickte. Münderlein erinnert sich, dass einige Zeit später eine Stewardess erstmals über einen möglichen Triebwerksschaden sprach. Nach weiterem Warten war klar: Hier hebt heute kein Flugzeug mehr nach München ab. Münderlein zufolge verabschiedete sich die Crew von den wartenden Gästen. Keine Infos, keine Anweisung, nichts.

Die Passagiere versuchten, sich im Labyrinth des riesigen Flughafens zurechtzufinden. Zum Gate zu kommen, kein Problem. Aber welcher Weg führt wieder aus dem Flughafen hinaus? Wie kommt man zurück zum Gepäck? Und wo sollten sie so ganz grundsätzlich hin? Die knapp 250 Fluggäste der Boing 767 fühlten sich allein gelassen, irrten durch die Terminals. „Es kam dann eine Reiseleiterin, die sagte, wir sollen ins Hard Rock Hotel.“ Dann ging sie wieder. „Ich rief ihr noch ’Donde?’ hinterher, also das spanische Wo, doch es kam keine Antwort“, erzählt der 59-Jährige. Der Uhrzeiger drehte sich weiter, die Passagiere warteten noch immer, bis sie schließlich mit Bussen ins eine Stunde entfernte Hard Rock Hotel gebracht wurden.

Drei Wochen verbrachte das Möttinger Ehepaar Münderlein in Mexiko.
Bild: Münderlein

Montag, 12 Uhr, Cancún – Endlich gab es für die Passagiere Informationen. Sie sollten im Hotel auschecken, um 16 Uhr kämen wieder Busse zum Flughafen. Nicht alle hätten kooperieren wollen, sagt Münderlein. Sie befürchteten, am Flughafen wieder abgewiesen zu werden. Und so kam es dann auch. Angeblich wurde für die Reparatur des Flugzeugs ein falsches Teil geliefert. „Dann mussten wir wieder darum kämpfen, in irgendein Hotel zu kommen.“ Die Stimmung kippte. Münderlein erzählt, dass sich einige Reisende mit dem Hochprozentigen aus dem Duty-Free-Bereich betranken, den sie gekauft hatten und von dem sie wussten, dass sie ihn wieder abgeben mussten, sobald sie den Flughafen verließen. Sie hauten auf die Tische der Flughafen-Mitarbeiter. „Aber die Frauen konnten ja auch nichts dafür“, sagt Münderlein. Eine weitere Angestellte habe schließlich gesagt, dass die Urlauber den Flughafen wieder verlassen müssten. Schon wieder.

Viele Reisende schlossen sich inzwischen in einer Whats-App-Gruppe zusammen, auch, um der Wut freien Lauf zu lassen. Nachdem sie ihr Gepäck hatten, wurden die Urlauber erneut zurück ins Hard Rock Hotel gekarrt. Ankunft: 3 Uhr nachts.

Dienstag, 21.25 Uhr, Cancún – Nach weiteren Stunden des Wartens (Auschecken, Busfahrt, Flughafenabwicklung) saßen die Passagiere endlich in einem Flugzeug. Die zuständige Fluggesellschaft Condor hatte eine Ersatzmaschine von Frankfurt nach Mexiko geschickt. Münderlein erzählt, dass der Pilot im Flieger gesagt haben soll, dass es nicht so einfach gewesen sei, eine neue Maschine bereitzustellen. Der Flug solle 95000 US-Dollar gekostet haben, erinnert sich Münderlein an die Worte des Piloten. Am Mittwochnachmittag hatten die Flugreisenden schließlich wieder festen Boden unter den Füßen und waren in Deutschland.

Wie Gäste nun zu einer Entschädigung kommen

Die Fluggesellschaft Condor sagt auf Anfrage unserer Redaktion, dass das Flugzeug einen technischen Defekt hatte, für dessen Behebung ein spezielles Ersatzteil benötigt wurde. „Sicherheit hat in der Luftfahrt zu jedem Zeitpunkt höchste Priorität“, sagt eine Sprecherin. Die Fluggesellschaft soll nach eigenen Angaben alles daran gesetzt haben, die durch die Verspätung entstehenden Unannehmlichkeiten für die Gäste so gering wie möglich zu halten und stellte Hotelzimmer und Verpflegung zur Verfügung. Einige Gäste konnten auch auf andere Flüge umgebucht werden. Die Condor-Sprecherin bestätigt die Schwierigkeiten mit dem Ersatzteil und den Einsatz der Ersatzmaschine. Weiter heißt es: „Wir entschuldigen uns bei den Gästen des Fluges für die Verspätung und bitten sie, sich für die Entschädigung gemäß der geltenden Fluggastrechteverordnung direkt an unsere Kundenbetreuung zu wenden, die sich dann direkt bei jedem Gast zurückmeldet.“

Das Warten haben sich die Münderleins mit vielen Spaziergängen durch den mexikanischen Flughafen vertrieben. „Bloß nicht sitzen“, dachten sie sich. Dieter Münderlein kaufte sich ein Paar Schuhe. Er und seine Frau Jutta reisten drei Wochen mit dem Rucksack durch das Land. Waren viel mit Bussen unterwegs, unterhielten sich mit den Einheimischen, wohnten in einfachen Unterkünften. Der Urlaub werde ihnen trotz der Strapazen des Rückflugs in guter Erinnerung bleiben, sagt Münderlein. „Aber die Zeit im Hotel, das Warten, das war wirklich das Schlimmste.“ Die Flugtickets der Münderleins kosteten 1400 Euro. Die Tortur der Rückreise aus dem Traumurlaub wollen sie nicht auf sich sitzen lassen.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren